Das Bild hat etwas von einem Gemälde. Dabei entstand die Aufnahme in Kieferndorf im Jahr 1964. Ein Bub in weißem Hemd ist beim Abfischen eines Weihers zu sehen. Für den damals Achtjährigen bedeutet der kleine Ortsteil der Stadt Höchstadt "ein echtes Stück Kindheit".

Als er Kieferndorf jetzt wieder besuchte, stand der Ort ganz im Zeichen der 600-Jahrfeier. "Der Bub", dessen Großvater Georg Geyer aus Kieferndorf stammte, ist ein bekannter bayerischer Politiker geworden: Karl Freller, Landtagsabgeordneter und ehemaliger Staatssekretär, hat seine familiären Wurzeln nie vergessen.

Entsprechend herzlich war der Empfang: Fast der ganze Ort war auf den Beinen. Deutlich war zu spüren, dass der Gast "einer von ihnen" ist. Zum Jubiläum kann er nicht kommen. Bei einer Brotzeit wurden am Donnerstag Erinnerungen aufgefrischt. Vor allem mit "Pauli", wie alle Kieferndorfer Paula Geyer nennen. Frellers Mutter war ihre Cousine. "Sie hat uns immer verwöhnt, wenn wir hier waren." Freller zeigt auf das Bild: "Das im weißen Hemd bin ich beim Abfischen des Weihers." Auf das Stadtkind muss das einen bleibenden Eindruck gemacht haben. Freller erinnert sich genau, dass man ihn "zum ersten Mal in Gummistiefel steckte".

Sein Kieferndorfer Großvater habe sich ein Mädchen aus Willersdorf zur Frau genommen und in Schwabach eine Bäckerei eröffnet. Frellers Vater war Soldat, habe "zuerst die Brötchen und dann die Bäckerstochter gern gehabt". Bis 1790 kann Freller seine Vorfahren zurückverfolgen. Marianne Zimmermann, Hauptorganisatorin der 600-Jahr-Feier, gab Freller eine Festschrift mit auf den Weg.

Am Wochenende vom 10. und 11. August wird das ganze Dörfchen Kopf stehen. Inzwischen hat es 42 Einwohner. Leni, die Jüngste, hat am 5. Juli das Licht der Welt erblickt. Für das Fest, das unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Gerald Brehm steht, ist der Ort auf Hochglanz poliert worden.

Paula Geyer bäckt dazu Brot im Holzbackofen. Hans Hartenfels räuchert Karpfenfilets für eine köstliche Karpfencreme, die beim Fest serviert wird. Es wird einen kleinen Festzug mit den Ehrengästen und dem Spielmannszug der Höchstadter Feuerwehr geben und am späten Samstagabend ein Feuerwerk.

Bundestagsabgeordneter Stefan Müller (CSU) und Landrat Eberhard Irlinger (SPD) werden erwartet. Aber auch Kreisheimatpfleger Manfred Welker und Historiker Sebastian Schmidt. Den beiden ist die Dorfgemeinschaft besonders dankbar für die Erstellung der Chronik in einer ansprechend gestalteten Festschrift.

Den Gottesdienst am Sonntag hält Pfarrer Stefan Pröckl. Dorfbewohner und Jugend gestalten ihn mit. Musikalisch umrahmt wird die Feier von der Blaskapelle Etzelskirchen und dem Höchstadter Spielmannszug. Für das leibliche Wohl der Besucher ist bestens gesorgt: Natürlich gibt es in der Weiherregion Fisch, zum Beispiel Chips vom Karpfen. Daneben aber auch Grillspezialitäten und am Sonntag einen fränkischen Schweinebraten mit Klößen und Kraut. Selbstgebackene Kuchen, Gschnittna Hasen und Krapfen gehören selbstverständlich dazu.

Ein Highlight wird das Fischerstechen auf dem "Gmaaweiher" sein. Kieferndorfer, Medbacher, Saltendorfer, Bösenbechhofener, Etzelskirchner, ein Promi-Boot, ein Sponsorenboot und ein Boot mit ehemaligen Kieferndorfern treten in einen lustigen Wettstreit. Für Kinder gibt es Spielmöglichkeiten.

Am Samstag um 15.30 Uhr beginnt der Festzug, Aufstellung am Ortseingang, anschließend Eröffnung durch den Schirmherrn Bürgermeister Gerald Brehm. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen sowie Spezialitäten vom Karpfen und vom Grill; ab 20 Uhr Livemusik mit der Band Konfetti und DJ Crunch; der Abend endet mit Feuerwerk ab 22 Uhr.

Am Sonntag ist um 10 Uhr Gottesdienst am Wendehammer, ab 11.30 Uhr Mittagstisch. Um 14 Uhr beginnt das Fischerstechen auf dem Dorfweiher, am Abend Ausklang mit DJ Crunch.