Denn der erste Anlauf für eine Bildungshaus-Konzeption hatte keinen Erfolg, wie Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) unumwunden zugibt. Im März hatte der Stadtrat beschlossen, dass das Kinderhaus vom Oberen Bürglaß in die Lutherschule umziehen soll. Dann wären dort Kinder von einem bis zehn Jahren untergebracht. Die Kindertagesstätte und die Grundschule dort sollen gemeinsam zum "Bildungshaus" werden. Gemeinsam sollte eine Konzeption dafür erarbeitet werden, doch das gelang nicht. "Weil man mehr die Hindernisse gesehen hat als die Chancen", wie Nowak sagt. Im Jugendhilfesenat gab er am Dienstag einen Zwischenbericht und legte einen neuen Zeitplan vor.
Denn das Ziel, dass das Kinderhaus bis Jahresende 2016 das ehemalige Palais Kyrill verlässt, dürfte nicht zu halten sein.

Damit aus dem Bildungshaus doch noch etwas wird, holte sich die Stadt auf Anraten des Schulamts die "Bildungshauspäpstin" (Nowak) ins Boot: Petra Arndt vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm. Arndt habe Erfahrung aus 33 Bildungshäusern in Baden-Württemberg, sagt Nowak. "Sie hat uns durchaus motiviert, das Projekt weiterzuverfolgen."


Vorbild Weidhausen

Ein weiterer Umstand, aus dem Nowak seine Motivation bezieht, ist der, dass es woanders auch nicht leicht war, eine Schule und eine Kindertagesstätte zu einem Bildungshaus zu vereinigen. Nowak nennt Weidhausen als Beispiel, wo das Bildungshaus seit Schuljahresbeginn arbeitet. Auch dort habe es Tiefpunkte in der Planungsphase gegeben.

"Vielleicht sind wir auch von falschen Voraussetzungen ausgegangen", räumt Nowak ein. Es gehe nicht darum, aus zwei bestehenden Einrichtungen eine neue zu machen. Jede werde ihre Identität behalten - "das Kinderhaus bleibt Kinderhaus, die Schule eine Schule". Die konzeptionelle Zusammenarbeit könne sich auch auf wenige Stunden beschränken.

Petra Arndt jedenfalls wird beim weiteren Prozess beraten und auch die wissenschaftliche Begleitung übernehmen, was den Teil der Grundschule angeht. Für das Kinderhaus tut dies das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP).

Christian Müller begrüßt diese Entwicklung. Der CSB-Stadtrat sitzt im Jugendhilfesenat und gehört auch dem Elternbeirat der Lutherschule an. Müller räumt ein, dass der Elternbeirat der Idee "Bildungshaus" mit einiger Skepsis begegne, was aber auch daran gelegen habe, wie die Idee im Sommer 2014 in die Diskussion gebracht worden sei. "Kinderhaus und Schule sollten gemeinsam etwas entwickeln, aber keiner wusste, was. Man hat die Leute vor den Kopf gestoßen." Ausgangspunkt sei gewesen, dass das Kinderhaus in die Lutherschule umsiedeln sollte, weil das Palais Kyrill räumlich dem Landestheater zugeschlagen wird. Das ist beschlossen, der Umzug auch.

Mit diesen Beschlüssen im März habe der Stadtrat auch den Weg vorgezeichnet, wie eine Konzeption für das Bildungshaus erarbeitet werden könnte, sagt Müller. Nachdem dies nun nicht so gelang wie erhofft, "haben wir jetzt den Reset-Knopf gedrückt". Entscheidend sei, dass das Bildungshaus allen Beteiligten einen Mehrwert bringe.


Gemeinsame Räume

"Es wird kein Sparmodell", betont Thomas Nowak, der freilich nur für den Bereich des Kinderhauses direkte Verantwortung trägt. Für die Schule sind das Lehrerkollegium und das Schulamt zuständig. Allerdings ist die Stadt Sachaufwandsträger der Schule, also verantwortlich fürs Gebäude. Derzeit hat die einzügige Lutherschule mehr Raum zur Verfügung, als sie braucht, räumt auch Müller ein. Nowak spricht davon, dass Kinderhaus und Schule einige Zimmer gemeinsam nutzen könnten, einen Musikraum zum Beispiel oder die Aula und den Pausenhof sowieso.

Müller sieht einen Teil der Schwierigkeiten darin begründet, dass das Kinderhaus mit seinem offenen und altersübergreifenden Konzept so ganz anders sei als eine durchreglementierte Schule. Er erkenne "bei beiden Einrichtungen Sorge, dass sie hinterher nicht wiederzuerkennen sein werden", sagt er.

"Es muss kein Krippenkind Rechnen lernen, und kein Viertklässler muss Fingerspiele machen", betont Thomas Nowak. Im Fokus eines Bildungshauses würden die vier- bis achtjährigen Kinder stehen. Da wolle ja auch das Schulamt neue Wege gehen und zum Beispiel flexible Eingangsklassen ermöglichen. Kinder haben dann die Möglichkeit, die beiden ersten Jahrgangsstufen in einem, zwei oder drei Jahren zu absolvieren. Das sieht auch Christian Müller, der als Elternbeiratsmitglied freilich die Bedenken hegt, ob in der Lutherschule genug Raum bleibt für solche Angebote, wenn erst mal die Kindertagesstätte mit im Haus ist.

Zumindest wird die Lutherschule als Bildungshaus größer werden als bisher. Das Gebäude Goethestraße 1 kommt noch dazu. Neben der Konzeption muss auch ein Raumprogramm erstellt werden, es gilt, Pläne zu zeichnen, Förderanträge zu stellen und umzubauen. Auch deshalb geht Nowak davon aus, dass es bis zum Schuljahr 2017/18 dauern wird, bis der Umzug erfolgen kann.

Klar ist indes: Eine Alternative zum Umzug des Kinderhauses gibt es nicht. "Es ist eine eindeutige Zeitschiene zu entwickeln, bis wann das Bildungshaus umgesetzt sein muss und bis wann welche Teilschritte erreicht sein müssen. Dazu gehört insbesondere die Durchführung eines gemeinsamen Elternabends, der die Themen ,Zeitschiene‘ und ,Mehrwert für Schule und Kindertagesstätte‘ zum Inhalt haben soll", kündigte Nowak in der Jugendhilfesenatssitzung an.