Rund 300 Mitarbeiter von 15 evangelischen Kindertagesstätten bekommen einen neuen Arbeitgeber: Träger ist künftig nicht mehr die einzelne Kirchengemeinde, sondern ein eigens dafür gegründeter Zweckverband.

Dekan Andreas Kleefeld informierte in seiner Funktion als Erster Vorsitzender dieses Zweckverbands über die Hintergründe. So würden die Anforderungen an Kitas seit Jahren immer größer - sowohl, was das Personal betrifft, als auch mit Blick auf bestimmte Qualitätsstandards. Umso schwieriger werde es für Kirchengemeinden, dies zu stemmen. Genau dort soll der Zweckverband für Entlastung sorgen.

An der "engen Zusammenarbeit" sowie vor allem der "geistlichen Begleitung" von der Kirchengemeinde und der Kita vor Ort solle sich aber nichts ändern, wie Kleefeld beteuerte und wie Karoline Truckenbrodt (Kirchengemeinde Scheuerfeld-Weidach) an einem Beispiel veranschaulichte: "Vielleicht hat ein Pfarrer dann künftig wieder mehr Zeit, um auch einfach mal mit der Gitarre in die Kita zu gehen und den Kindern den christlichen Glauben näher zu bringen." Denn die organisatorische Betreuung der Kitas sei nun einmal sehr zeitintensiv: "Die Pfarrer stecken da momentan sehr viel Zeit und Energie hinein." Durch die Übertragung der Trägerschaft an den Zweckverband würden somit "Kapazitäten frei" und es gebe wieder "mehr Luft" für andere Gemeindearbeit.

Für die Mitarbeiter ändert sich nichts

Eine "Riesenentlastung" für die Kirchengemeinden sieht auch Rainer Mattern. Der Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde Coburg stellt e außerdem klar, dass sich für die rund 300 Mitarbeiter der 15 Kitas tariflich nichts ändert. Selbst wenn sie auf dem Papier künftig einen neuen Arbeitgeber haben: "Sie werden mit allen ihren bisherigen Ansprüchen übernommen."

Als erstes tritt diese "Übernahme" bei den Kitas in Elsa und Großheirath sowie St. Marien/Rödental in Kraft, und zwar zum 1. März. In spätestens einem Jahr sollen alle 15 Kitas, die derzeit bereits dem Zweckverband angehören, unter dem neuen "Dach" vereint sein.

Aus dieser "großen Dachkonstruktion" ergeben sich aber nicht nur für die "entlasteten Kirchengemeinden" viele Vorteile, wie die Beteiligten erklären. So kann künftig zum Beispiel Personal leichter von Kita zu Kita verschoben werden - dadurch können kurzfristige Krankheitsausfälle besser aufgefangen werden. Geschäftsführerin Anke Triebel beruhigte aber auch sofort: "Es wird keinen ständigen Wechsel geben!" Vielmehr könne sich der neue Zweckverband viel eher "ein, zwei Springer" leisten, wie Rainer Mattern erklärte. Und Andreas Kleefeld warf an dieser Stelle noch mit ein, dass der Zweckverband deutlich mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse eingehen könne als das dies jetzt den einzelnen Kirchengemeinden möglich sei.

Wenn der Dekan von einer "Professionalisierung der Arbeit" schwärmt, dann darf das fast schon als Werbeblock verstanden werden. Denn: "Der Zweckverband ist auf Wachstum angelegt", betont Kleefeld. "Wir sind offen für neue Trägerschaften." Dabei müssten die Kitas, die vom Zweckverband mit aufgenommen werden, noch nicht einmal kirchlich sein. "Wir sind offen für Menschen aller Konfessionen", betont Kleefeld, "aber dass wir evangelisch sind, wird natürlich nicht verborgen bleiben."

Zum Verband Gründungsmitglieder des "Evangelischen Kindertagesstättenverbands Coburg" sind die evangelischen Kirchengemeinden Bad Rodach, Elsa, Gauerstadt, Großheirath, Großwalbur, Haarbrücken-Ketschenbach-Thann, Rödental St. Marien, Scheuerfeld-Weidach, Unterlauter, Wiesenfeld, Coburg Heilig-Kreuz und Coburg St. Lukas sowie die Gesamtkirchengemeinde Coburg und der evangelische Dekanatsbezirk Coburg. Vorsitzender ist Dekan Andreas Kleefeld, Zweite Vorsitzende ist Karoline Truckenbrodt (Kirchengemeinde Scheuerfeld-Weidach).

Zur Person Anke Triebel ist Geschäftsführerin des neuen Zweckverbands. Die Diplom-Sozialarbeiterin stammt aus Nordrhein-Westfalen, lebt aber seit mittlerweile 30 Jahren in Coburg. Sie engagierte sich bereits im Kirchenvorstand von Heilig-Kreuz, und beruflich war sie unter anderem bei der Diakonie, der Wefa sowie zuletzt bei einer Tochtergesellschaft der Arbeiterwohlfahrt in Nürnberg tätig. Eine offizielle Amtseinführung im Rahmen eines Gottesdiensts wird es wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich erst im Sommer geben.

Zum Konzept "Es soll ein gemeinsames Unternehmen werden", sagt Anke Triebel. Sie wolle alle Mitarbeiter "einbinden". Ziel sei es, eine gemeinsame Basis zu finden. Doch so wichtig es sei, dass der Zweckverband "Leitplanken" vorgebe: Jede Kita solle sich ihr eigenes Profil erhalten.