Etwa 25 Menschen gehen im Raum umher, betrachten und prüfen Gegenstände, die dort herumstehen. Ein Grüppchen steht um einen Tisch herum. Darauf liegen allerlei Armbänder, Ketten, Ohrringe, Ringe, Brillen, Sonnenbrillen und Handys. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt ein Mann. Er hält einen Ring in die Höhe und schwenkt ihn herum, so dass jeder ihn gut sehen kann. "Das Startgebot sind fünf Euro, bietet jemand mehr? Fünf Euro", ruft er mit lauter Stimme und blickt aufmerksam in die Runde.


Leute wechseln Blicke

Damit ist die Versteigerung in der Grundschule Rödental Mitte eröffnet. "Sechs Euro", ruft ein Mann; "sieben", ein anderer. Die Spannung steigt, die Leute schauen zwischen den beiden Bietenden hin und her. "Sieben Euro zum Ersten, sieben Euro zum Zweiten", ruft Auktionator Michael Göbbel. "Acht Euro!", fällt ihm der erste Mann ins Wort. So überbieten sich die beiden gegenseitig, bis der Auktionator sagt: "Zehn Euro zum Ersten, zehn Euro zum Zweiten." - Er blickt fragend zum anderen Mitbieter, dieser schüttelt den Kopf. - "Zehn Euro zum Dritten, verkauft für zehn Euro."

Eine Stunde zuvor ist in der Eingangshalle der Grundschule noch nicht so viel los. Den größten Raum der Halle nehmen die knapp 40 Fahrräder ein. Sie stehen in zwei Reihen. Es gibt Kinderräder, Mountainbikes, ein Rennrad mit dünnen Reifen, klapprige Fahrräder mit Körben, aber auch schwere, robuste Damenräder.


Etwa alle zwei Jahre werden Fundsachen versteigert

Alle Gegenstände seien Fundsachen, die im Stadtgebiet Rödental gefunden wurden, erläutert Valeska Döhler von der Stadtverwaltung Rödental. Wenn sich der Eigentümer innerhalb von sechs Monaten nicht melde, dann könne der Finder das Fundstück an sich nehmen. Wenn dieser kein Interesse habe, bleibe die Fundsache im Fundbüro liegen. "Wenn dann genug zusammengekommen ist, machen wir eine Versteigerung", sagt Christine Weiß, Leiterin des Ordnungsamtes Rödental. Das ist etwa alle zwei Jahre der Fall.

Zusammen mit den beiden Frauen ist Michael Göbbel, ebenfalls von der Stadtverwaltung Rödental, für die Veranstaltung zuständig. "Je mehr Menschen kommen, desto besser. Denn umso mehr bieten sie sich gegenseitig hoch", sagt er. Seit drei Jahren leitet er nun die Versteigerung. Nach und nach kommen die Menschen. Neben Rentnern sind auch einige Familien mit kleinen Kindern zu sehen. Kinder rennen immer wieder aufgeregt zu den Handys und staunen über die niedrigen Preise. "Fünf Euro für ein Samsung", ruft eines, "das kauf' ich mir." Es gebe keine Garantie auf die Fundsachen, erklärt Michael Göbbel. Bei den Handys etwa sei es nicht möglich, zu sagen, ob sie noch funktionierten, da sie seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr geladen wurden.


Männer spitzen die Ohren

Als der Schmuck und die Handys versteigert sind, kommen die Fahrräder an die Reihe. Die Männer, die bis jetzt meistens abseits gestanden oder gesessen haben, werden nun hellhörig und gesellen sich zu dem Kreis, der sich um den Auktionator gebildet hat. Für die meisten Fahrräder liegt das Startgebot bei fünf oder zehn Euro. Wenn sich daraufhin niemand meldet, senkt Göbbel das Startgebot schrittweise. "Fahrrad Nummer 19 für fünf Euro" - Stille - "für vier" - Stille - "für 3." Meist findet sich dann ein Käufer. Manchmal sinkt der Preis auch weiter bis zu einem Euro oder darunter. Wenn er dann bei einem Cent angekommen ist, erbarmt sich hin und wieder eine Frau in einer grünen Jacke. Im Lauf der Veranstaltung ist sie so in den Besitz von verschiedenen Gegenständen gekommen.

Am Ende des Nachmittags sind die Fahrräder weg. Kleidungstücke sind noch viele da. Diese würden im Altkleidercontainer entsorgt, sagt Valeska Döhler. Insgesamt werden 200 Euro eingenommen. Von einem Gewinn könne man aber nicht sprechen, sind sich die drei Mitarbeiter der Stadt einig. Allein ihre Gehälter für die Zeit der Versteigerung würden den Betrag bei weitem übersteigen.