Drei kaputte Fahrzeuge, mindestens eine Viertelmillion Euro Schaden, zwei verletzte Personen - und doch hat der 22-Jährige aus dem Landkreis Coburg, der am vergangenen Wochenende mit überhöhter Geschwindigkeit bei Ebersdorf in ein Streufahrzeug gekracht ist, am Ende wohl Glück gehabt. Jetzt, wo sich allmählich die Details zum Unfall geklärt haben, sagt jedenfalls Wolfgang Neeb (Dienststellenleiter der Straßenmeisterei Bad Staffelstein): "Zum Glück ist er nicht direkt in unser Fahrzeug gefahren. Der Aufprall auf das andere Fahrzeug und gegen die Leitplanke hat ihm vermutlich das Leben gerettet."

Es war nicht das erste Mal, dass die Mitarbeiter der Straßenmeisterei in diesem Jahr auf der Autobahn in Gefahr geraten sind. "Erst am 22. Dezember hatten wir Coburg den Fall, dass jemand in eine Baustellenabsicherung gefahren ist", berichtet Thomas Neundörfer, Sachgebietsleiter des Straßenbetriebsdienstes beim Staatlichen Bauamt in Bamberg. Die Ursache auch beim Unfall kurz vor der fränkisch-thüringischen Landesgrenze bei Eisfeld: ein Verkehrsteilnehmer hat die Situation völlig unterschätzt. Dass solche Sachen passieren, wundert Volker Fiedler. Der stellvertretende Leiter der Coburger Verkehrspolizeiinspektion wundert sich noch heute, wie der 22-Jährige Unfallverursacher vom Freitag mit derart hoher Geschwindigkeit auf der A 73 bei Ebersdorf unterwegs gewesen sein konnte. Denn eines ist für Fiedler klar: "Das Streufahrzeug konnte man nicht übersehen."

Drängeln ist ein Klassiker

Und wenn man mit einem Streufahrzeug aneinander gerät, dann hat man eben schlechte Karten - selbst mit einem 400-PS-Boliden, wie ihn der 22-Jährige am Freitag hatte. Denn mit seinem Räumschild, 6 Tonnen Streusalz und 8,5 Tonnen Salzsole kommt ein dreiachsiger Winterdienst-Lkw auf 26 Tonnen. Wäre der Unfallverursacher direkt in den Streu-Aufbau gekracht, wäre das übel ausgegangen. Es ist deshalb kein Rat, sondern eher eine ausdrückliche Warnung, die Wolfgang Neeb für die Verkehrsteilnehmer hat: "Es ist gefährlich, wenn man da zu dicht auffährt." Und doch passiert es immer wieder, denn die hektische Drängelei hinter Räum- und Streufahrzeugen gehört zu den Klassikern, von denen die Mitarbeiter der Straßenmeistereien berichten. Volker Fiedler kann da nur den Kopf schütteln und ebenfalls warnen: "Wenn ich ein Streufahrzeug sehe, dann muss ich diesem Platz geben."

Eigentlich sind die Regeln klar. Wenn zum Beispiel zwei Lkw mit ihren vier Meter breiten Räumschildern als "Verband" (so nennt man das versetzte Fahren) die Autobahn vom Schnee befreien, dann leuchtet riesengroß am Lkw-Heck das Verkehrszeichen für Überholverbot. Und doch versuchen es immer wieder Verkehrsteilnehmer, sich zwischen den großen Lkw hindurch zu schlängeln. "Und zwei Kilometer später stehen sie dann am Straßenrand, weil sie in die Leitplanke gekracht sind." Wolfgang Neeb lacht zwar, wenn er diese gar nicht so seltene Situation schildert - aber lustig findet er diese Naivität eigentlich nicht. Schließlich könne es doch nicht ernsthaft überraschen, dass vor den Räumfahrzeugen der Zustand der Straße schlechter ist als dahinter.

Schnell geht beim WInterdienst gar nicht

So groß, schwer und leistungsstark die Fahrzeuge im Winterdienst sind - für den schnellen Autobahnverkehr stellen sie ein Hindernis dar. Das liegt alleine schon an der Geschwindigkeit, erklärt Wolfgang Neeb: "Beim Räumen und Streuen sind wir mit maximal 50 Kilometern pro Stunde unterwegs." So schnell geht es nur auf der Autobahn, auf den Bundes- und Staatsstraßen kommen die Fahrzeuge des Staatlichen Bauamtes auf höchstens 35 bis 40 Kilometer pro Stunde im Schnitt.

Zum Unfall vom vergangenen Freitag laufen derzeit noch die Befragungen. Immerhin: Volker Fiedlers Kollegen haben eine Zeugin ausfindig machen können, die nicht direkt am Unfall beteiligt war. Von deren Aussage erhofft sich die Verkehrspolizei unter anderem eine Einschätzung, wie schnell der 22-Jährige mit seinem Mercedes unterwegs gewesen ist. So wie sich der Unfall derzeit darstellt, wird sich der Verursacher auf jeden Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten müssen, das Fahren mit nicht angepasster Geschwindigkeit kostet rund 150 Euro und bringt einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.

Knapp am Totalschaden vorbei

In der Bad Staffelsteiner Straßenmeisterei macht man sich über die Strafe für den Raser keinen Kopf. Da haben sie ganz andere Probleme. "Vermutlich lohnt es sich gerade noch, den Schadenn zu reparieren", sagt Thomas Neundörfer über das in den Unfall verwickelte Einsatzfahrzeug. 400000 Euro kostet ein solcher Dreiachs-Lkw für den Winterdienst mit kompletter Ausstattung. Bei fünf eigenen Lkw und drei weiteren, die im Auftrag des Bauamtes von Fremdfirmen gefahren werden, ist der Ausfall aus Sicht der Einsatzbereitschaft gerade noch zu verkraften. "Ein Ersatzfahrzeug hatten wir zum Glück noch zur Verfügung", sagt Wolfgang Neeb - in der Hoffnung, dass es nicht bald wieder einen Crash mit einem unaufmerksamen Verkehrsteilnehmer gibt. Denn auf ein Neufahrzeug müsste man bei den aktuellen Lieferzeiten bis zu anderthalb Jahre warten.

Wie war das denn mit dem Unfall?

Ein 22-Jähriger aus dem Landkreis Coburg war am Freitag mit seinem über 400 PS starken Mercedes die A73 auf dem linken Fahrstreifen mit hoher Geschwindigkeit kurz vor der Ausfahrt Ebersdorf unterwegs. Eine 46-jährige VW-Fahrerin beabsichtigte, ein Streufahrzeug der Straßenmeisterei zu überholen, und wechselte deshalb vom rechten auf den linken Fahrstreifen. Der Mercedesfahrer konnte nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen aufgrund seiner Geschwindigkeit nicht mehr reagieren und kollidierte mit seinem Wagen mit dem VW der Frau. Der VW wurde in die Mittelschutzplanke gedrückt. Der Mercedes wurde nach rechts abgelenkt und prallte dort erst in die Leitplanke und dann in das Heck des Räumfahrzeuges.