Robert Rösch ist ein Freund klarer und offener Worte. Das betont der Vorstand des Modeunternehmens Wöhrl während des Gesprächs immer wieder. "Fragen Sie, Fragen Sie", ermuntert er die Medienvertreter. Gerne gebe er Auskunft darüber, wie wohl man sich am vor sechs Monaten eröffneten Standort in der Coburger Ketschengasse fühle. Aber, ja, selbstverständlich, auf Nachfrage nimmt er ebenso Stellung zu Gerüchten, die inzwischen auch ihm zu Ohren gekommen seien. "Es stimmt nicht, dass wir nach nur einem Jahr schon wieder schließen werden", stellt Robert Rösch klar.

Zehn-Jahres-Vertrag

Davon abgesehen, dass man ansonsten doch gar nicht so viel investiert hätte in die ehemalige C&A-Immobilie: "Wir haben einen Zehn-Jahres-Vertrag mit zweimaliger Option auf Verlängerung." Und er fügt noch hinzu: "Wir sind glücklich in Coburg. Jedes mal, wenn ich von Nürnberg hierher fahre, freue ich mich, dass wir diesen Standort gemacht haben."

Der Freund der klaren und offenen Worte verschweigt allerdings auch nicht, dass der gesetzte Plan in den ersten sechs Monaten "nicht ganz" erreicht werden konnte. Unmittelbar nach der Eröffnung sei das Geschäft "außerordentlich gut" gelaufen. Doch im November gab es eine "Delle". Vielleicht, so mutmaßt Robert Rösch, lag das am Räumungsverkauf der Baur-Kaufwelt, durch die viele Kunden sich statt in Coburg lieber in noch einmal schnell in Burgkunstadt mit Textilien eindeckten. Auf Nachfrage räumt Rösch ein, dass die Mitarbeiterzahl am Standort Coburg "ein wenig optimiert" werden musste.

"Bedauerliche Korrektur"

"Diese kleine Korrektur war bedauerlich, aber wirtschaftlich geboten", betont Rösch. In Zahlen: Bei der Eröffnung gab es in der Coburger Wöhrl-Filiale rund 50 Mitarbeiter - aktuell sind es sechs weniger.

Rösch will nicht ausschließen, dass die Zahl wieder steigt. Der Plan, den man sich für die ersten zwölf Monate gesetzt habe, sei noch "erreichbar". Dass es die Bekleidungsbranche derzeit aber insgesamt nicht einfach hat, weiß auch der Wöhrl-Vorstand. "Zehn Prozent der Umsätze mit Textilien erfolgen bereits online", sagt Rösch, der im Internet eine "latente Gefahr für den stationären Einzelhandel" sieht. Ob Wöhrl mittelfristig zweigleisig fährt und ebenfalls in den Online-Handel einsteigt, steht noch nicht fest. Rösch hält es für wahrscheinlich, dass die Familie Wöhrl zunächst Erfahrungen mit Sinn Leffers sammeln möchte. Die Modekette Sinn Leffers, die jüngst von der Familie Wöhrl übernommen wurde, verfügt bereits über eine breite Angebotspalette im Internet.