Was den Erhalt des Albrecht-Saals angeht, da gab sich Ulrich Wieler als Geschäftsführer des "Umbaustadt"-Planungsbüros am Montagabend dem Gemeinderat gegenüber wenig optimistisch: "Extrem viel Geld und Hingabe" werde es brauchen, um das einstige Glanzstück der Gemeinde Weitramsdorf über die Neugestaltung der Ortsmitte hinweg zu retten. Es wird also wohl eher auf einen Abriss des Sinnbilds einer einst boomenden Möbelindustrie im Coburger Land hinauslaufen.

Da war doch mal was... Hier sehen Sie die spektakuläre Sprengung des Albrecht-Schlots

Immerhin: Nach jahrzehntelangem Stillstand (die Firma Albrecht meldete 1997 Insolvenz an) liegen jetzt vier Entwürfe für die Neugestaltung der Ortsmitte mit der Kreuzung von Coburger Straße, Ummerstadter Straße, Schlettacher Straße und Bergstraße vor. Wer sie sehen will, findet sie dort, wo der Umbau erfolgen soll: in der Ortsmitte. Schon vergangene Woche hat die Gemeinde die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zusammengefasst auf Plakaten rund um den Maibaum aufgehängt.

Dieser Saal müsste woanders hin

Für Ulrich Wieler steht der Albrecht-Saal halt einfach in der falschen Gegend. "In der Großstadt würde so ein Gebäude funktionieren", sagte der Stadtplaner bei der Vorstellung seiner Pläne. "Funktionieren" hieße in diesem Fall, dass sich ein Investor finden, "horrende Kosten" (O-Ton Wieler) auf sich nehmen und dort Büros, Arztpraxen sowie Wohnflächen errichten würde. Im Idealfall, wie es eine Variante der Machbarkeitsstudie zeigt, dann sogar noch Räume für die kommunale Jugendarbeit sowie die Gemeindebücherei. Aber in einem Ort in der Größenordnung von Weitramsdorf ist so etwas nach Wielers Worten wirtschaftlich kaum darstellbar - alleine schon, weil es regional gar keinen so großen Bedarf an Büroflächen geben dürfte. Durchgerechnet hat Ulrich Wieler diese Vision dennoch: Rund 11,3 Millionen Euro müsste man für eine Umgestaltung der Weitramsdorfer Ortsmitte samt Albrecht-Saal wohl einplanen.

Die Zukunft ohne das architektonisch auch heute noch durchaus ansprechende Gebäude kann es aber auch geben. Zwischen gut 6 und 8,5 Millionen Euro lagen die verschiedenen Varianten im Investitionsvolumen, wobei nicht vergessen werden darf, dass nicht wenige der Gebäude rund um die Ortsmitte im Privateigentum sind. Der Albrecht-Saal übrigens auch.

Der Verkehr muss weniger werden

Für die vier Varianten der Machbarkeitsstudie Wielers hat die Meinung der Weitramsdorfer Bürger eine wichtige Rolle gespielt. Viele Ideen und Vorschläge seien bei den verschiedenen Terminen gekommen, aber fast alle gingen in eine Richtung, berichtete der Stadtplaner: "Es gibt einen Ortsmittelpunkt, der als Raum vorhanden ist. Dieser muss aber ansprechend gestaltet werden." Größte Herausforderung da: der Verkehr. Gut 7000 Fahrzeuge pro Tag hat 2015 mal eine Verkehrszählung auf der Ortsdurchfahrt registriert. "Massiv" sei dies, meinte Ulrich Wieler und sah da die größte Herausforderung für eine erfolgreiche Neugestaltung: "Wenn wir der Ortsmitte mehr Aufenthaltsqualität bringen wollen, müssen wir die Verkehrsbelastung reduzieren." So schwer ist das nach Ansicht des Stadtplaners nicht, ein geschickter Wechsel im Fahrbahnbelag und bauliche Änderungen im Umfeld könnten schon viel bringen.

Was abgerissen werden muss

Ausdrücklich die Rückendeckung der Regierung - und damit wohl gute Aussichten auf staatliche Förderung - hat die Gemeinde mit ihrem Ansinnen, rund um die neue Ortsmitte neue Wohnbebauung zu schaffen. Bis zu 2800 Quadratmeter neue Wohnfläche wären möglich, wobei zwei Gebäude mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit abgerissen werden: das alte evangelische Gemeindehaus (das aufgrund baulicher Altlasten eh nicht mehr nutzbar ist) sowie das Eck-Gebäude Coburger Straße 1. Das gehört ohnehin schon der Gemeinde.

Und so könnte es weitergehen

April Die 88 Seiten starke Machbarkeitsstudie wird auf der Homepage und der neuen App der Gemeinde veröffentlicht.

Mai Die Gemeinde hat sich darum beworben, beim "Tag der Städtebauförderung" (Termin: Samstag, 8. Mai) ihre Vorstellungen zur Neugestaltung der Ortsmitte zu präsentieren. Ob eine Veranstaltung für die breite Öffentlichkeit umsetzbar ist, hängt von den weiteren Entwicklungen der Corona-Pandemie ab.

Termin offen Nach Angaben von Bürgermeister Andreas Carl (DGN) soll es noch eine Bürgerversammlung sowie eine intensive Bürgerbefragung geben - auch hier hängt eine Umsetzung von künftigen Kontaktbeschränkungen ab.