Es könnte jeden Tag passieren. Im ungünstigsten Fall ist es einTag im Winter, eine Nacht, womöglich eine zum Sonntag. Thomas Lesch wacht auf, drückt auf den Schalter seiner Nachttischlampe, aber es bleibt dunkel. Er steht auf, schaut aus dem Fenster seines Hauses in Rothenhof - und überall ist es dunkel. Stromausfall. Für die meisten ärgerlich. Für Thomas Lesch eine alarmierende Beobachtung. Rödentals Zweiter Bürgermeister gehört dem Krisenstab an, der jetzt womöglich aktiv werden muss. Denn, wenn der Strom nicht nur in Rödental sondern womöglich in ganz Deutschland weg ist, dann ist das ein Problem, das gern unterschätzt wird. Nicht in Rödental: "Wir wollen uns so gut vorbereiten wie es irgend geht", sagt Thomas Lesch.

Dazu wurde bereits 2018 von Bürgermeister Marco Steiner ein Arbeitskreis ins Leben gerufen. Thomas Lesch als Zweiter Bürgermeister, der damalige Stadtwerkeleiter Michael Eckardt und der Kommandant der Rödentaler Feuerwehr, Steffen Schaller bildeten die erste Besetzung des "AK-Strom". In den folgenden Jahren trafen sie sich immer wieder mit Vertretern der Polizei, des Landratsamtes und des Technischen Hilfswerkes, des BRK, der Pflegeeinrichtungen der Stadt, Chefs von Supermärkten, Apotheken aber auch Tankstellen und auch Kirchenleute und Ärzte wurden einbezogen.

Plötzlich geht gar nichts mehr

"Wir stellten schnell fest, wie viele Dinge plötzlich nicht mehr funktionieren. Es kam eins zum anderen", sagt Thomas Lesch. Sie setzten Prioritäten. Wasserversorgung, Information, Versorgung, Mobilität für öffentliche Fahrzeuge und Notfallpläne für alle möglichen wichtigen Einrichtungen, standen auf der Liste.

Während jetzt Thomas Lesch am Fenster steht und alles ist dunkel, tritt sofort ein gut eingespielter Mechanismus in ... "Nein, erst müssen wir herausfinden, wie groß das Problem ist", sagt er. Wenige Stunden ohne Strom sind kein Problem, für das ein Krisenstab einberufen werden muss. Die Frage, wie geklärt werden kann, ob es sich um so ein Problem handelt, war eine der ersten, die den Arbeitskreis nachdenklich werden ließ. "Du kannst ja nicht eben irgendwo anrufen und fragen, wenn nichts mehr geht", sagt Thomas Lesch.

Die Stadtwerke werden zunächst klären, ob das Problem in ihrem Handlungsbereich liegt. Ist die Ursache überregional, sind Informationen schon schwieriger zu beschaffen. "Zur Polizei kann ich hin fahren", sagt Thomas Lesch. Gut möglich, dass bei der zuständigen Inspektion in Neustadt über Funk-Ketten schon mehr bekannt ist.

Wird klar, es ist ein sehr großes Gebiet betroffen, und der Ausfall wird lange dauern, wird sich zeigen, wie gut die Vorbereitungen sich bewähren, die getroffen wurden. "Man kann nicht auf alles vorbereitet sein. Es wird auf jeden Fall eine schwierige Zeit", steht für Thomas Lesch fest. Doch alles, woran vorbeugend gedacht wurde, wird helfen, diese Zeit zu überstehen. Und es gibt durchaus beruhigende Informationen. "Die Wasserversorgung wird fast im gesamten Stadtgebiet gesichert sein", sagt Thomas Lesch. Wichtige Pumpen, können mit Notstrom betrieben werden, die Aufbereitungsanlage liegt auf dem höchsten Punkt des Stadtgebietes.

Informationen an die dörflichen Stadtteile werden schriftlich als Aushang an öffentlichen Gebäuden, meist am Feuerwehrhaus, weiter gegeben. Dort kann auch Versorgung sichergestellt werden, wenn es notwendig wird. "Gerade auf den Dörfern wird das Problem eher geringer sein, dort hilft man sich gegenseitig und hat andere Möglichkeiten als in der Stadt", ist Thomas Lesch überzeugt.

Versorgungsinsel im Zentrum

In der Kernstadt soll eine "Insel" eingerichtet werden. "Über Blockheizkraftwerke können wir im Bereich Rathaus, Feuerwehrhaus und Franz-Goebel-Halle für Strom und Wärme sorgen", sagt Thomas Lesch. Hier kann Essen, Trinken und warme Unterkunft angeboten werden. "Das betrifft vor allem Leute in großen Wohneinheiten, die vielleicht nicht mehr geheizt werden können."

So bildete sich rasch ein großer Rahmen für die Notversorgung. Doch wo tanken die Fahrzeuge der Feuerwehr und des Rettungsdienstes oder des Bauhofs, die zu den Außenstadtteilen Kontakt halten sollen? "Wir verhandeln gerade mit einer Tankstelle, die wir so ausrüsten wollen, dass sie über ein Notstromaggregat zumindest stundenweise den Betrieb aufnehmen kann." Nicht für jedermann versteht sich, aber für die, die fahren müssen.

"Ärzte könne eine gewisse Versorgung sicherstellen", sagt Thomas Lesch. Doch das Rezept, das Patienten bekommen, kann ohne Strom in der Apotheke nicht eingelesen werden. "Aber für eine Apotheke wurde inzwischen ein Aggregat angeschafft, damit notwendige Medikamente verfügbar bleiben." So schließen sich so nach und nach immer Lücken, finden immer mehr Fragen eine Antwort. Aber es kommen immer neue Fragen. Etwa, ob die automatischen Türen eines Supermarktes ohne Strom immer offen oder immer zu sein werden - und wie Waren verkauft werden können, wenn keine Kasse mehr funktioniert. Wenn es so weit ist, wird improvisiert werden müssen. Aber jede kleine Vorsorge wird die schwere Phase erleichtern.

Jeder kann vorsorgen

So viel der AK-Strom auch zusammenträgt - einen Punkt kann er nicht selbst erledigen und der ist Thomas Lesch besonders wichtig: "Die Leute selbst. Jeder Haushalt sollte ein paar Vorkehrungen treffen, ein paar Dinge beschaffen, die im Ernstfall unglaublich wichtig sein können." Auf der Prioritätenliste des AK-Strom steht daher auch ganz weit oben "präventive Information der Bevölkerung". Jeder, der zunächst einmal für sich selbst sorgen kann, entlastet das Gesamtsystem in der Krise. Dafür hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Broschüre herausgegeben. "Die verteilen wir bei Bürgerversammlungen und es gibt sie im Rathaus und bei den Stadtwerken." Sie kann ebenfalls unter www.bbk.bund.de aus dem Internet heruntergeladen werden. Das sollte aber vor dem Ernstfall geschehen. Denn ohne Strom geht eben nichts mehr.