Die negative Entwicklung ist schon seit einigen Jahren spürbar: Immer weniger Talente melden zum Regionalentscheid "Jugend musiziert" an, der in diesem Jahr wieder von der Musikschule Coburg ausgerichtet wird. Was genau sind die Gründe für diesen Trend? Und was lässt sich in Zukunft dagegen unternehmen? Dietmar Schaffer, Leiter der Musikschule Coburg, erläutert, wie er die Situation beurteilt.

In früheren Jahren meldeten sich für die Region Coburg, Lichtenfels und Kronach zwischen 60 und 80 oder gar 90 Teilnehmer an. In diesem Jahr waren es allerdings kaum mehr als zwei Dutzend. Sind die gestiegenen schulischen Anforderungen unter den Vorzeichen von G8 schuld?
Dietmar Schaffer: Das G8 ist sicherlich nicht der einzige Faktor. Allerdings fällt schon auf, dass in den höheren Altersgruppen besonders viele Teilnehmer wegbrechen.
Da denken wir schon, dass das G8 eine Rolle spielt. Wenn ich bei den Kollegen anderer Regionalwettbewerbe nachfrage, gibt es ähnliche Erfahrungen. Die Kinder machen schon noch Musik, wir leiden an der Musikschule auch nicht an Schülermangel, aber die Bereitschaft, sich konsequent auf einen solchen Wettbewerb vorzubereiten, selbst wenn das Potenzial da ist, die geht ein bisschen verloren. Das ist vielleicht nicht bloß schulisch bedingt, vielleicht ist das einfach auch ein Zeichen der Zeit.

Registrieren Sie bei den Schülerzahlen der Musikschule ähnliche Tendenzen?
Bei der Musikschule Coburg eigentlich gar nicht. Es gibt weiterhin viele Menschen, die Musik machen, aber eher nebenbei. Man kommt einmal in der Woche in die Musikschule und übt dafür.

Wie sieht die Schülerzahl der Musikschule Coburg gegenwärtig aus?
Mit Kooperationen mit Kindergärten und Grundschulen sind wir bei knapp über 500.

In welchen Altersgruppen bewegen sich Ihre Schüler?
Letzten Endes von eineinhalb Jahren bis zum Pensionär. Es herrscht ja ein bisschen das Vorurteil, Musikschule sei nur ein Angebot für Kinder und Jugendliche. Wir sind aber offen für alle Altersgruppen. Musizieren macht ja eigentlich erst richtig Spaß, wenn man miteinander musiziert. Das aber bedeutet Zusatztermine, Zusatzproben für ein Ensemble. An dieser Bereitschaft fehlt es dann manchmal.

Seit wann beobachten Sie die rückläufige Tendenz bei "Jugend musiziert"?
Beim Thema Ensemble merken wir das schon seit drei, vier Jahren.

Was lässt sich gegen diese Tendenz rückläufiger Teilnehmerzahlen unternehmen?
Uns ist es wichtig, vor allem auch den Eltern die Angst zu nehmen, für die Musik fehle die Zeit, wenn der Wechsel der Kinder ans Gymnasium ansteht. Wir raten den Eltern dann, es doch einfach auszuprobieren, ob die Zeit für das Musizieren nicht vielleicht doch noch ausreicht. Wir Instrumentallehrer können uns mit unseren Anforderungen ja auch an die Möglichkeiten der Kinder anpassen und darauf einstellen. Schließlich ist es ja nicht so, dass jeder, der ein Instrument spielen lernt, ein Solist werden soll. Es geht doch hauptsächlich um die Kontinuität. Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher gern musiziert, ist es doch traurig, wegen der Schule damit einfach aufhören zu sollen.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit diesen Argumenten die Eltern tatsächlich erreichen?
Da müssen wir schon noch viel Überzeugungsarbeit investieren.

Wird sich Ihrer Einschätzung nach die Negativtendenz bei "Jugend musiziert" in den nächsten Jahren fortsetzen?
Das glaube ich nicht. In diesem Jahr liegt es vielleicht einfach auch an den ausgeschriebenen Kategorien. Es sind viele Ensemble-Kategorien ausgeschrieben. Ich denke, dass es auch wieder eine gegenläufige Tendenz geben wird. Vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm, dass es nicht mehr so viele Teilnehmer in der Breite gibt. Die geringeren Teilnehmerzahlen sind sicher nicht unbedingt ein Beleg dafür, dass es weniger Talente gibt.