Im Original erzählt das Kinderbuch "Der kleine Lord" eine rührende Geschichte mit einem späten Happy End. Eine Geschichte mit einem späten, dafür aber besondern berührenden glücklichen Ende sollte auch die Inszenierung des "Kleinen Lords" am Landestheater Coburg werden.

Jetzt aber wird aus der Neuinszenierung, die am Samstag (Beginn: 14 Uhr) Premiere am Landestheater feiert, ein ungetrübtes Happy End nur auf der Bühne. Denn im Zuschauerraum wird das ausdrücklich als Familienstück ins Programm genommene Produktion in der Textfassung von Ulrike Schanko ein besinnliches Theatervergnügen mit unerwünschten Einschränkungen.

Kein Einlass für ungeimpfte Kinder ab 12

Schließlich gelten seit dieser Woche auch im Landestheater die 2G-Regelungen mit den daraus resultierenden Einschränkungen. Die aber bedeuten: Kinder ab 12 Jahren, die nicht geimpft oder genesen sind, dürfen nicht ins Haus. Aus dem Weihnachtsklassiker für die gesamte Familie ohne Altersbegrenzungen wird zwangsweise ein lückenhaftes Erlebnis.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Theaterkasse bringt die neue Regelung reichlich zusätzliche Arbeit. Denn sie müssen Familien, die den "Kleinen Lord" wirklich als Familienstück erleben wollen, erklären, was eigentlich nicht zu erklären ist - dass ungeimpfte Kinder ab 12 Jahren derzeit nicht ins Theater dürfen. Auch wenn sich die Stornierungen für die Premiere bislang noch in Grenzen gehalten haben - am Landestheater geht derweil die Sorge um, dass die strikte neue Regelung Schulklassen regelrecht spalten oder ganz vom Besuch einer Vorstellung abhalten könnte.

Rege Ticket-Nachfrage

Aus Sicht der theaterpädagogischen Arbeit fühle sich die neue Regelung "schon fast an wie ein gebrochenes Versprechen, dass kulturelle Teilhabe für Kinder zwingend erforderlich ist", erklärt Christin Schmidt, Theaterpädagogin am Landestheater: "Natürlich befinden wir uns in einer Ausnahmesituation, aber dies wird, meiner Meinung nach, auf den falschen Rücken ausgetragen." Schmidts Befürchtung: Das Problem werde in die Familien und Schulklassen hingetragen, "die in dieser Pandemie eigentlich zum Symbol des Zusammenhalts für die Kinder und Jugendlichen geworden sind".

Die Nachfragen nach Tickets für das Familienstück war nach Auskunft des Theaters bislang gut, wenn auch nicht ganz so intensiv wie in den Jahren vor der Corona-Krise. Aber auch in diesem Jahr gibt es schon einige unter den rund 50 Vorstellungen, die bereits jetzt fast ausgebucht sind - bevorzugt Aufführungen am frühen Vormittag, die bei Schulklassen beliebt sind.

"Ich bedauere sehr, dass die Ausnahmeregelungen für Theatergruppen und Sport hier keine Anwendung finden", sagt Intendant Bernhard F. Loges auf Nachfrage: "Das Weihnachtsmärchen ist für alle da und wir könnten im Theater - gegebenenfalls auch mit Masken - doch eine Form der Sicherheit finden."

Dabei ist die Vorgeschichte dieser Produktion bereits die Geschichte einer Neuinszenierung mit allerlei Hindernissen. Ursprünglich sollte "Der kleine Lord" bereits vor einem Jahr Premiere in Coburg feiern. Doch der erneute Lockdown ab Ende Oktober 2020 machte einen dicken Strich durch diese Rechnung. Dabei spielt das jährliche Familienstück zur Weihnachtszeit stets eine zentrale Rolle in den Planungen der Theaterleitung - für Intendant Bernhard F. Loges ebenso wie für den Kaufmännischen Direktor Fritz Frömming.

Schließlich beschert das Familienstück der Theaterkasse für gewöhnlich sichere Einnahmen von Mitte November bis Anfang Januar.

Holger Seitz führt Regie

Mit der Verpflichtung von Holger Seitz als Regisseur hatte die Theaterleitung eigentlich die Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte geschaffen. Immerhin hatte Seitz mit seiner temporeichen Inszenierung von "Robin Hood" bereits 2019 bei den Sommerfestspielen im Hofgarten bewiesen, dass er familientauglich Regie zu führen versteht.

Coburgs Intendant Bernhard F. Loges sieht freilich über den "Kleinen Lord" hinaus negative Auswirkungen der neuen Einschränkungen unter den Vorzeichen von 2G: "Das Publikum fasst gerade wieder Vertrauen zum Theater als gesellschaftliches Ereignis. Die aktuelle pandemische Entwicklung und die sich beständig ändernden Regelungen helfen hier nicht dabei, dieses zu festigen."