Die Mitarbeiter erfuhren es am späten Montagnachmittag bei einer Betriebsversammlung: FM Munzer hat Insolvenz angemeldet. Iris Munzer-Bukhari, die Inhaberin des Polstermöbelherstellers, machte im Gespräch mit dem Tageblatt aber deutlich, dass die Aussichten, die Firma fortführen zu können, "sehr gut" seien.

So solle das Insolvenzverfahren, das am vergangenen Freitag eingeleitet worden ist, für einige umfangreiche Neustrukturierungen genutzt werden. "Es geht darum, bestimmte Prozesse effektiver zu gestalten", erklärte Iris Munzer-Bukhari.

Durch das Insolvenzverfahren sind alle Löhne und Gehälter der 130 Mitarbeiter für zunächst drei Monate gesichert. Doch auch in der Vergangenheit hätten die Mitarbeiter da keinerlei Grund zur Klage gehabt, wie die Inhaberin betont: "Wir haben immer alle Löhne und Gehälter sowie auch sämtliche Lieferantenrechnungen bezahlt." Dennoch, so räumt Iris Munzer-Bukhari ein, gebe es Verbindlichkeiten, die es nun abzubauen gelte. Als Ursache für die Verbindlichkeiten nennt sie die strukturellen Schwierigkeiten in der gesamten Möbelbranche.

Firmen wie FM Munzer, die ausschließlich in Deutschland produzieren, sind einem knallharten Wettbewerb ausgesetzt. Die Konkurrenz aus Fernost und zuletzt auch immer mehr aus Polen kann ihre Produkte seht viel billiger auf dem Markt anbieten. Dem setzt FM Munzer - wie die anderen, noch verbliebenen Polstermöbler in Oberfranken auch - eine hohe Qualität entgegen.


Erfahrener Insolvenzverwalter

Weil dies auch künftig die Strategie sein soll, läuft die Produktion vorerst ganz normal weiter. Derweil wird Jochen Zaremba seine Arbeit aufnehmen: Der Rechtsanwalt aus Nürnberg ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. "Wir haben ganz bewusst ihn gewählt, weil seine Erfolgsquote bei Insolvenzverfahren bei 80 Prozent liegt", erklärte Iris Munzer-Bukhari.

Wer hingegen an dem Sanierungsvorhaben nicht mehr beteiligt sein wird, ist Imaan Bukhari. Der langjährige Geschäftsführer und Ehemann von Iris Munzer-Bukhari ist vor zwei Wochen aus dem Unternehmen ausgeschieden.


Bürgermeister in Sorge

Derweil drückt vor allem auch Weidhausens Bürgermeister Markus Mönch die Daumen, dass die Restrukturierung von FM Munzer gelingt. "Man kann nur hoffen, dass dieses Insolvenzverfahren ein Neuanfang wird", sagte er am Montagabend auf Tageblatt-Anfrage, "denn alles andere wäre eine Katastrophe."

Markus Mönch gibt zu bedenken, dass sehr viele Existenzen am Fortbestand der Firma hängen. Er sagt deshalb auch: "Ich hoffe, dass die Verantwortlichen in den nächsten Wochen und Monaten alles daran setzen, so viele Arbeitsplätze wie nur möglich zu retten."



Magdalena Neuner und Timo Boll sind Markenbotschafter der Firma

Geschichte Die Firma Munzer wurde 1949 von Fritz Munzer gegründet - seine Initialen "FM" sind bis heute Bestandteil des Firmennamens. Heute wird das Unternehmen in dritter Generation von seiner Enkeltochter Iris Munzer-Bukhari geführt. Am Stammsitz in Weidhausen werden aktuell 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Philospohie
FM Munzer setzt auf "Made in Germany". Auf der Internetseite heißt es: "Wir produzieren in Deutschland, wir leben in Deutschland und wir lassen uns weitestgehend aus der oberfränkischen Region beliefern. Made in Germany ist für uns kein Lippenbekenntnis, sondern Überzeugung! Und das seit über 65 Jahren."

Botschafter Mit Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner (Biathlon) und Tischtennis-Ass Timo Boll hat FM Munzer zwei prominente Markenbotschafter. Timo Boll war in den vergangenen Jahren auch oft zu Tischtennis-Veranstaltungen in Coburg und im Coburger Land zu Gast - gespielt wurde dann immer um den "FM Munzer Cup".