Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen jeden" zur Bundestagswahl sind im Grund denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten genau eine Frage nach eigener Wahl stellen. Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller zudem noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Heute will Martin Böhm (AfD) etwas von Doris Aschenbrenner (SPD) wissen.

Martin Böhm: Sie ist Verkäuferin, er Handwerker. Für ein Kind gibt es 192 Euro Kindergeld. Die Nachbarn, ein Ärzteehepaar, nutzen den Steuervorteil des Kinderfreibetrags. So erhöht sich faktisch deren Kindergeld auf bis zu 257 Euro. Wie erklären Sie hier soziale Gerechtigkeit?
Doris Aschenbrenner: Das ist eine Milchmädchen-Rechnung, da Sie Steuervorteile und Kindergeld in einen Topf schmeißen. Kindergeld bekommen beide bislang in derselben Höhe. Die SPD möchte künftig ein nach Einkommen und Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld einführen und für Alleinerziehende verbessern, welches Kindergeld und Kinderzuschlag zusammenführt. Um Eltern mit niedrigen Einkommen zu unterstützen, gibt es schon heute einen Kinderzuschlag. Viele nutzen ihn nicht - fast immer aus mangelnder Information. Wir wollen, dass der Kinderzuschlag allen zu Gute kommt, für die er gedacht ist. Weniger Bürokratie führt über diesen einen einfachen Weg dazu, dass zusätzlich fast eine Million Kinder von unserer Politik konkret profitieren.
Dann geht es um Steuergerechtigkeit. Die SPD hat ein Konzept vorgelegt, das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit mittleren und kleinen Einkommen bei Steuern und Abgaben entlastet. Dabei legen wir einen Schwerpunkt auf Familien und Alleinerziehende. Starke Schultern können und müssen mehr als schwache tragen. Deshalb machen wir keine Steuerentlastungen mit der Gießkanne! Das von der AfD vorgeschlagene Steuerkonzept nach dem Stufenmodell würde nachweislich die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich noch weiter vergrößern.
Wir möchten insbesondere die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt unterstützen, die ein sehr geringes Einkommen haben. Sie zahlen nur geringe oder gar keine Einkommenssteuer, sind aber besonders belastet durch Sozialabgaben. Daher führen wir eine Beitragsentlastung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein, die zwischen 451 Euro und 1300 Euro verdienen. Hier sollen sie aber gleichwohl die vollen Rentenansprüche erwerben.
Durch all diese Maßnahmen werden insbesondere Familien mit geringerem Einkommen stärker unterstützt.
Martin Böhm: Dass Sie hier zwischen staatlichen Leistungen und Steuervorteilen unterscheiden, lässt die nötige Schärfe im Blick vermissen. Beides sind Taschen einer Hose, die vom Steuerzahler zuvor gefüllt werden müssen.
Schwache Schultern sollen direkt profitieren. Das geht mittels höherem Grundfreibetrag und durch Harmonisierung sowie Senkung der Umsatzsteuer im Bereich der Daseinsvorsorge. Und genau das ist unsere Agenda!

Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen vom jeweiligen Kandidaten und sind redaktionell weder gegenrecherchiert, noch in irgendeiner Weise bearbeitet. Auf eigenen Wunsch beteiligt sich der CSU-Kandidat und amtierendes Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach nicht an "Jeder gegen jeden."