Coburg
Vögel und Katzen retten

Wann muss man die Feuerwehr rufen?

Eigentlich gehört das Vertreiben von Federvieh nicht zu den typischen Szenarien, für die der Einsatz der Feuerwehr vorgesehen ist
Schwanenjagd mit Schaufel und Besen.
Schwanenjagd mit Schaufel und Besen. Foto: Feuerwehr Wiesentheid

Mal sachlich gesehen: Die Sache ist gut ausgegangen. Fünf Mitglieder der Feuerwehr und ein zufällig vorbeigekommener Fahrer eines Rettungsdienstfahrzeuges haben am Montagmorgen drei Schwäne weg von der vielbefahrenen Staatsstraße 2205 zwischen Coburg und Bad Rodach auf einen Acker getrieben. Tobias Zirnkilton, der Kommandant der Wiesenfelder Feuerwehr, muss lachen, als er von diesem Einsatz erzählt: "Sie haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen - die Schwäne nicht, die Einsatzkräfte auch nicht."

Für die Aktiven der Feuerwehr im Meederer Gemeindeteil war der gut halbstündige Einsatz keine große Sache. Da hat aber schon der Zufall ein bisschen mitgespielt, berichtet der Kommandant. Nur aufgrund der Urlaubszeit seien genug Einsatzkräfte daheim gewesen, um die Schwäne in Sicherheit zu bringen. Niemand habe seinen Arbeitsplatz verlassen müssen. "Zum Glück" - sagt dazu Kreisbrandrat Manfred Lorenz, der die Sache Kraft seines Amtes nicht ganz so locker sehen darf.

Am Ende zahlt die Gemeinde

Immerhin ist durch die Aktion kein finanzieller Schaden entstanden. Das wäre der Fall gewesen, wenn die Einsatzkräfte weg von der Arbeit zur Schwanen-Rettung gemusst hätten. Dem jeweiligen Arbeitgeber wäre dann eine Entschädigung für die entgangene Arbeitszeit zugestanden. "Die wäre dann ein Fall für die Gemeinde Meeder gewesen", sagt der Kreisbrandrat. Und das alles wegen dreier Vögel, die nicht einmal auf der Straße, sondern gemütlich in einem Graben daneben saßen. Ohne jetzt in alle Details des Einsatzes involviert zu sein, kann es sich der Kreisbrandrat grundsätzlich ganz gut vorstellen, dass man die Tiere auch ohne die Alarmierung der Feuerwehr über den Notruf hätte vertreiben können.

Große Ausrüstung haben die Wiesenfelder Feuerwehr-Aktiven jedenfalls nicht gebraucht. Tobias Zirnkilton lacht gleich nochmal und erzählt: "Naja, eine Ausrüstungssatz für Tierrettung haben wir ja in Wiesenfeld eh nicht." Also: Her mit Besen, Schaufel und Rechen und die Schwäne sanft, aber bestimmt, 250 Meter in einen bereits abgeernteten Acker getrieben. Ein paar Stunden nach dem Einsatz ist der Kommandant extra noch mal an die Staatsstraße gefahren und hat die großen Vögel dort immer noch vorgefunden. "Denen scheint's bei uns zu gefallen." Ob der Einsatz jetzt nötig oder nicht nötig gewesen ist? Auf diese Frage antwortet Tobias Zirnkilton ganz pragmatisch: "Sagen wir es so: Wenn was passiert wäre, wäre es ja auch schlecht gewesen."

Manfred Lorenz nimmt die Alarmierung zur Schwanen-Rettung dennoch zum Anlass, um noch mal an den gesunden Menschenverstand draußen bei der Bevölkerung zu appellieren. "Gefahr im Verzug" ist die Formulierung, die der Kreisbrandrat den Menschen mit auf den Weg gibt. Sei dies der Fall, dann könne, dürfe und müsse man auf jeden Fall die Feuerwehr rufen. "Gefahr im Verzug" sei ein Schwanen-Trio neben der Straße nicht unbedingt, eine ausgebüxte Kuh hingegen schon.

Coburgs Kreisbrandrat weiß mit seiner über 40-Jährigen Erfahrung aber auch: Früher waren die Feuerwehren halt auch die "Mädchen für alles". Und sie haben sich auch so verstanden. Aber alles geht halt nicht mehr für die Ehrenamtlichen, die sich bei allzu vielen am Ende überflüssigen Einsätzen auch ihren Arbeitgebern gegenüber in Erklärungsnot fühlen. Ein Beispiel: Für die Beseitigung einer Ölspur sollte heute eigentlich keine Feuerwehr mehr ausrücken. "Dafür sind wir prinzipiell nicht die richtigen Ansprechpartner", sagt Manfred Lorenz und verweist auf die Zuständigkeit der Straßenbaulastträger. Immerhin: Die (also Bund, Länder, Städte und Gemeinden) haben sich inzwischen auch darauf eingestellt, dass sie sich darum zu kümmern haben, wenn eine Straße verschmutzt ist.

Das war alles für die Katz'

Beim zweiten Klassiker der unnötigen Einsätze scheint es hingegen noch ein bisschen Nachholbedarf in der öffentlichen Wahrnehmung zu geben: Nein, die vermeintlich verirrte Katze auf dem Baum oder dem Hausdach ist kein Fall für die Feuerwehr! "Mehr als nur einmal im Jahr", sagt Manfred Lorenz, steht irgendwo im Landkreis eine Drehleiter vor einem Baum, auf dem eine Katze nicht mehr vor und zurück kommt. So ein Einsatz sei nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich, sagt der Kreisbrandrat: "Gerade im Umfeld von hohen Bäumen ist es mit der Standsicherheit der Drehleitern immer nicht ganz einfach." Nicht auszudenken, wenn es da nach einem Schaden heißen würde: "Und das alles für die Katz'."