Die medizinische Versorgung wird am 16. März nicht zusammenbrechen. Davon kann zum derzeitigen Stand der Informationen ausgegangen werden. Diese beruhigende Einschätzung vermittelte Alexander Schmidtke, Geschäftsführer der Regiomed-Kliniken, am Dienstag gegenüber Journalisten. Doch in den Tagen und Wochen danach steht offenbar schon noch ein Fragezeichen über der medizinischen Versorgung - nicht nur in der Region.

Für Alexander Schmidtke steht fest: "Wir brauchen unsere Mitarbeiter, ob geimpft oder ungeimpft." Anders sei die medizinische Versorgung nicht gesichert. Schon jetzt bereitet ein hoher Krankenstand unter den Beschäftigten der Regiomed-Kliniken über alle Standorte hinweg Probleme. "Wenn uns dann noch zehn oder 15 Prozent der Mitarbeiter wegfallen, können wir die medizinische Versorgung nicht mehr aufrecht erhalten", sagt Schmidtke.

Dass die Impfpflicht große Herausforderungen mit sich bringt, bestätigt Dr. Frank Wellmann, der diesen Bereich zu managen hat. Seit sie beschlossen wurde, sehe er sich vielen Fragen von Mitarbeitern gegenüber. Berechtigte Fragen, auf die schwer zu antworten ist, denn: "Wir bekommen fast täglich neue Umsetzungshinweise." Klar scheint bis jetzt eines: Am 16. März kommen alle wie gewohnt zur Arbeit. Ungeimpfte absolvieren wie bisher vor der Arbeit ihren Test. Doch in den Wochen zuvor musste das Unternehmen den Status der Beschäftigten abfragen - und alle Ungeimpften an das Gesundheitsamt melden. "Das Amt kann dann ein Tätigkeitsverbot erlassen", sagt Alexander Schmidtke. Das kann angesichts der Zahl der zu bearbeitenden Fälle dauern. Bis das Verbot ausgesprochen wird, dürfen Betroffene arbeiten. Gilt es, wird ihnen nicht gekündigt. "Sie können ja jederzeit geimpft sein oder genesen und die Arbeit dann wieder aufnehmen", sagt Schmidtke. Gehalt bekommen sie aber nicht, während das Verbot gilt.

Noch während des Pressegesprächs kam ein neuer Hinweis, diesmal von der Thüringer Krankenhausgesellschaft. Offenbar konnten sich die Gesundheitsminister der Länder darauf einigen, dass der neue Totimpfstoff des US-Herstellers Novovax nach seiner Zulassung im Februar vorrangig an Beschäftigte des Gesundheitswesens verabreicht werden soll. Mehr noch: Wer glaubhaft versichert, sich damit impfen zu lassen, soll in einer Übergangszeit weiter arbeiten dürfen. Eine große Hoffnung, denn aus Gesprächen mit ungeimpften Mitarbeitern wissen die Verantwortlichen bei Regiomed, dass viele nur Vorbehalte gegenüber den mRNA Impfstoffen haben, nicht gegenüber einer Impfung an sich. So könnte zumindest ein Teil der Ungeimpften in Arbeit gehalten werden.

Anonymes Schreiben

In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt und das offenbar von ungeimpften Regiomed-Mitarbeitern kommt, machen die Verfasser deutlich, dass sie keine Impfgegner sind, sondern nur die mRNA-Impfstoffe ablehnen. Sie gehen allein für den Standort Coburg von 140 bis 150 Beschäftigten aus, die von einer Freistellung betroffen sein könnten. Sie fordern die Klinikleitung auf, sich hinter ihre Beschäftigten zu stellen und beim Gesundheitsamt darauf zu drängen, dass von einem Tätigkeitsverbot abgesehen wird. Schließlich würden die ungeimpften Mitarbeiter täglich getestet. Daher könne von einer Gefährdung der Patienten nicht gesprochen werden.

"Es lässt uns in keiner Weise kalt, was am 16. März passiert", betont Coburgs Ärztlicher Direktor Dr. Georg Breuer und: "Wir werden alles tun, damit die Mitarbeiter weiter arbeiten dürfen. Das sind Menschen, die sich seit Jahrzehnten um unsere Patienten sorgen und die alle Wellen der Pandemie hoch engagiert mit bewältigt haben."

Kein Notfallplan

Einen Plan für den Fall erheblicher Personalausfälle gibt es nicht, sagte Alexander Schmidtke. Zu wenig ist bekannt, über die Situation nach dem 15. März. Doch klar ist, Zusatzkräfte werden nicht zur Verfügung stehen. Bereits jetzt fehlen bundesweit 35 000 Kräfte in Pflegeberufen. In einem Schreiben an die Mitarbeiter wirbt der Betriebsrat des Klinikums Coburg, sich impfen zu lassen: "Nicht einen dieser Menschen wollen wir als Kollegin oder Kollegen verlieren, weder durch eine Covid19-Erkrankung noch durch ein Tätigkeitsverbot."