Ortseinfahrt Großwalbur. Die Hühner laufen über den Sportplatz, eine Frau zupft ihre Balkonpflanzen, ein alter Mann gießt seinen Vorgarten. Sommerstille mit Vogelgezwitscher und den ein oder anderen Plausch übern Zaun. Von Weitem rattert ein Traktor heran. Landidylle pur.

An einen Kinderspielplatz denkt erst mal keiner. Das beschauliche Dorf genügt sich selbst.
Aber hier irgendwo muss doch der Spielplatz sein, der sogar schon in den benachbarten Ortschaften für Gesprächsstoff sorgt. Die Wiesenfelder haben tatsächlich einen Ausflug dorthin gemacht... Eine ältere Frau weist mir den Weg. Hinterm Kindergarten, direkt neben einem Wohnhaus, nicht sehr groß, leuchtet die grüne Rutsche. Mehr noch: Auf einem Sandhügel glänzt ein silberfarbener Bagger, der zum Buddeln einlädt. Auf der Schaukel können Kinder von eins bis zwölf sicher ihre Nase in den Wind halten. Eine Natursteinmauer lädt zum Balancieren ein und ein Holztipi bietet Rückzugsmöglichkeiten für alle Altersgruppen.

Eine tolle Truppe

Auf dem Klettergerüst mit Hängebrücke halten Steffen Schunk, Heiko Löhnert, Christian Brückner, Timo Kräußlich und Sabrina Koch Ausschau. Sabine Dorscht kommt mir entgegen und gibt mir eine dicke Pressemappe mit allem, was ein Journalistenherz begehrt: Zahlen, Fakten, Namen... eine Zeitschiene und ausführliche Informationen über die Elterninitiative, das Vorhaben und die Umsetzung. Schnell wird klar, dass es sich hierbei um ein durchdachtes und professionell umgesetztes Projekt handelt, das sicherlich seinesgleichen in der Region sucht.
Angefangen hatte alles im Dezember 2013. Die Großwalburer waren es leid, dass sich am Kinderspielplatz nichts mehr tut. Eine alte Rutsche war kein wirklicher Anziehungspunkt mehr. Eine kleine Gruppe junger Väter und Mütter gründete deshalb die Elterninitiative "Attraktiver Spielplatz Großwalbur" und brachte ihre Idee bei der Versammlung des Bürgervereins ein. Im ersten Halbjahr 2014 wurden Ideen und Eindrücke gesammelt, ein Grobplan erstellt und der Kostenplan erarbeitet.

Ziel war es, die veranschlagten maximalen Gesamtkosten von 20 000 Euro nicht zu überschreiten. Finanziert werden sollte über Zuschüsse, Spenden, aus Überschüssen von Veranstaltungen (Tombola) und natürlich durch Eigenleistungen.

Kosten im Rahmen halten

Gesagt getan: 14 000 Euro wurden eingeholt, die Eigenleistungen sind mit rund 6000 Euro veranschlagt.
Im Juli 2014 gab der Gemeinderat die Freigabe zur Umsetzung. Das Team machte sich an die Arbeit. Ein Bauzeichner hatte sich bereit erklärt, ehrenamtlich mitzumachen und bei der Erarbeitung eines professionellen Konzepts mitzuwirken.Die Spielgeräte wurden ausgewählt, ein Detail- und Zeitplan erstellt. Schließlich konnte im Frühjahr diesen Jahres mit dem Abriss der Altgeräte und Fundamente begonnen werden.

Schaufeln und schuften aus Spaß

Das Grundstück musste ausgebaggert und abgestützt werden. Neue Fundamente, Einfassungen, Grünanlagen und Fallschutz waren die nächsten Schritte. Noch am Mittwoch schaufelten und rechten die Männer den Rindenmulch und Sand. Schließlich soll alles ja auch schön aussehen.

Was aber kommt auf das gepflasterte Karré hinten links? "Da bauen wir noch den Elternunterstand - mit Sitz- und Essgelegenheiten für die gesamte Familie", sagt Sabine Dorscht und die Truppe drumrum grinst schon.
Die Elterninitiative hat erreicht, was sie sich vorgenommen hatte: Einen Spielplatz für die ganze Familie zu schaffen, das Gemeinschaftsgefühl im Ort zu stärken, mit Spaß und Freude bei der Sache zu sein und am Ende auf ihr Werk stolz zu sein. Die Männer und Frauen haben bei der Umsetzung die Aspekte Qualität, Nachhaltigkeit und Schlichtheit berücksichtigt und es geschafft, Spielspaß und Natur zusammen zu führen. "Es war toll zu erleben, wie wir überall auf offene Ohren stießen und unterstützt wurden, ob vom Gemeinderat, anderen Vereinen, örtlichen oder auch regionalen Unternehmen", sagt Christian Brückner. Timo Kräußlich unterstreicht die vorbildliche und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister, dem Bauhof und der Gemeindeverwaltung.
Einzig die Eigenleistung dürfte höher liegen als ursprünglich gedacht. "Das kommt immer drauf an, wie man es rechnet", sagt Steffen Schunk, zuständig für Finanzen und Materialorganisation. Auf die Uhr habe bei der Arbeit keiner geschaut.
Der Eindruck vom Anfang bestätigt sich: Das Dorf genügt sich selbst.