Der Tambacher Sommer im Rahmen des HUK-Coburg Open Air-Sommers ist eine Erfolgsgeschichte und verspricht das auch für dieses Jahr zu bleiben. Vom 21. Juli bis 5. August sind im stimmungsvollen Schlosshof vertraute Künstler und Bands, durchaus große Namen zu erleben; den ambitionierten Überraschungsfaktor wie in den Anfangsjahren kann sich Veranstalter Wolfgang Friedrich allerdings nicht mehr leisten.

Ein Stück weit schlägt ihn wohl der eigene Erfolg, die Überzeugungskraft seines Konzeptes, hat er doch im engsten Umfeld Nachahmer gefunden, fast schamlos, möchte man sagen. Mit gleichem Konzept hat der Veranstaltungsservice Bamberg nur wenige Kilometer weiter in Schloss Eyrichshof bei Ebern, dazu im gleichen Zeitraum, ein ebensolches Rock- und Pop- und Liedermacher-Festival aufgezogen. "Klar bin ich total sauer, das gebe ich aber nicht zu", lächelt Wolfgang Friedrich selbstironisch. "Das ist voll abgekupfert, aber als Kaufmann und Veranstalter weiß ich, dass es eben keinen Bestandsschutz gibt."

Auf der Plassenburg in Kulmbach läuft Ähnliches. Das Banzer Festival war schon immer in diesem Zusammenhang zu sehen. Das Coburger Schlossplatz-Open Air spiele mit seinen weit größeren Fassungsvermögen in anderer Kategorie, doch die sonstigen oberfränkischen Festivals, da geht es überall um die gleichen Namen, das gleiche potenzielle Publikum.

So treten heuer Willy Astor und Werner Schmidtbauer sowohl in Banz als auch in Tambach auf, innerhalb von wenigen Tagen. Deren Management hält Friedrich für rücksichtslos. Der Tambacher Sommer war aber schon in der Werbung, als das Banzer Programm bekannt wurde.

Und je mehr die Leute auch in unserer ländlichen Region geboten kriegen, desto zurückhaltender scheinen sie Neuem, Ungewohnten gegenüber zu werden. Zumal der Vergnügungsetat bei den meisten durchaus beschränkt sein dürfte, während gleichzeitig manche Veranstalter mittlerweile erstaunliche Eintrittspreise verlangen. Und erhalten.


Spurensucher

Bisher brauchte sich die Rödentaler Veranstaltungsagentur allerdings nicht zu verstecken; im letzten Jahr zog sie 14 000 Besucher nach Tambach. Auch wenn Friedrich den experimentellen Geist der früheren Jahre aufgeben musste, ein Spurensucher ist er geblieben. Zu spüren, ob sich da ein Künstler entwickelt, einer Band mit zum Durchbruch zu verhelfen, das ist nach wie vor seine Leidenschaft. Michael Patrick Kelly, den Friedrich schon im letzten Jahr brachte, "ist heu er der Shootingstar". LaBrassBanda tobten schon beim Tambacher Sommer, als noch keiner etwas von solch verrücktem Musikmix wusste und noch kein Geld mit ihnen zu verdienen war.

Tatsächlich aber wird "das Pokern um die Künstler immer abgefahrener", schüttelt Friedrich den Kopf über die eigene Branche, die explodierenden Gagen und Preise. Friedrich betont, dass er nach wie vor um moderate Eintrittspreise bemüht sei und dass Kinder wie eh und je bei ihm freien Eintritt haben.

Es wurmt ihn aber schon, wenn er zu hören kriegt: Du bringst ja mittlerweile immer wieder die "Leichen". "Jaaa, wenn das die Leute so wollen. Die Erste Allgemeine Verunsicherung ist seit Weihnachten ausverkauft. Zu Neuem überredest du die Coburger nur schwer. Ich muss das schließlich auch kaufmännisch sehen. Dem absolut Neuen fühle ich mich nicht mehr verpflichtet." Weshalb die Leute im Tambacher Schlosshof wieder einmal auch Haindling zu hören kriegen. Die sind ja nicht schlecht.

Willy Astor & Freunde eröffnen am Freitag, 21. Juli, mit ihrem "Sound Of Islands", melodischen Klanginseln und weltmusikalischem Anspruch das Festival.

Seiler und Speer aus Österreich geben am 22. Juli ihr Tambach-Debüt. Der Komiker Christopher Seiler und der Filmemacher Bernhard Speer karikieren mit Schmäh und böser Romantik den Alltag. "Ham Kummst" heißt ihr Gassenhauer.

Schmidbauer & Kälberer bringen am 23. Juli den Roots-, Reggae- und Latin-Musiker Wally Warning aus München mit (Beginn bereits um 19.30 Uhr)

Die Erste Allgemeine Verunsicherung, kurz EAV, feiert ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum am 28. Juli auch in Tambach. Ihre Hits waren "Märchenprinz", "Banküberfall" oder "Küss die Hand, schöne Frau".

Michael Patrick Kelly lässt dagegen am 29. Juli neue Töne hören. Der Musiker avancierte als Kinderstar Paddy mit der Kelly Family vom Straßenmusiker zum Stadion-Act. Als Komponist und Produzent der Band schrieb er einen Großteil der Songs, darunter den Welthit "An Angel". Nach sechsjähriger privater Sinnsuche im Kloster und dem Studium der Philosophie und Theologie kehrte Kelly ins Rampenlicht zurück.

Haindling kommen am Freitag, 4. August, zurück in den Schlosshof, zum 35-jährigen Bühnenjubiläum der sechsköpfigen Kombo um Hans-Jürgen Buchner. Haindling stehen für multiinstrumentale Weltmusik und markanten Klangzauber.

LaBrassBanda gibt es am Samstag, 5. August. Die Barfuß-Truppe um Stefan Dettl verbindet bayerische Volksmusik mit Ska, Punk, Techno, Reggae und Brass. Zum zehnjährigen Bandjubiläum wird es mit "Around The World" ein neues Album geben.

Info Die Konzerte beginnen um 20.30 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Für Kinder bis 12 Jahre ist der Eintritt in Begleitung eines Erziehungsberechtigten frei. Karten in den bekannten Vorverkaufsstellen, so auch beim Coburger Tageblatt sowie bei der Konzertagentur Friedrich in Rpödental, Telefon 09563/ 30820. Internet: www.konzertagentur-friedrich.de.