Emilie zählt stolze 16 Monate Lebensalter. Aber die typisch-fränkische Lebensart am Fuß der Fränkischen Krone hat die junge Dame schon verinnerlicht: Auf dem Coburger Klößmarkt und dem Schoß von Papa Stefan lässt sich Klein Emilie einen Rutscher mit Soß' schmecken.

"Selbstverständlich mag sie Klöße, Soße und natürlich auch Braten", sagt ihre Mama. Also ist ein Besuch des Coburger Klößmarktes Pflicht. Und es ist keine Frage, dass bei der jungen Coburger Familie immer wieder für den Sonntagmittagstisch Kartoffeln geschält, gerieben, gekocht und mit einem Quirl zu goldgelbem Teig geschlagen, um schließlich zu Klößen geformt zu werden. "Das gibt es bei uns schon öfters", sagt Christin und zeigt ein strahlendes Lachen. Die Gabel hat Emilie fest in ihrer kleinen Faust. Auch wenn das Besteckteil mitunter einige kleine Umwege vom Teller zum Mund nimmt, mit der Zeit wird die Portion immer kleiner.

Einerlei ob es stürmt oder regnet, die Sonne scheint oder Wolken den Himmel bedecken, oder - wie am Wochenende die Temperaturen die 30-Grad-Marke mühelos und deutlich übersteigen, Kloß und Soß', dazu eine leckere Roulade, ein Schäufele, Entenbrust, Hirsch-, Kalbsrahm- und Sauerbraten gehen immer. Dafür reiht sich der Bewohner des Fränkischen gerne in lange Menschenschlangen ein. Die Zahl der Anstehenden ist ein Zeichen für Qualität: "Da steh'n a Hauf'n", so eine Besucherin zu ihrer Bekannten am Samstag auf dem Coburger Marktplatz, "da isses b'stimmt gut", so die bestechende kulinarische Logik.

Wobei der weltoffene Oberfranke auch vor Neuerungen nicht zurückschreckt: Klöß-Detsch mit Lachs oder Klöß-Cordon bleu werden auf den sonntäglich heimischen Mittagstisch eher selten aufgetragen, aber am Biertisch zwischen Rat- und Stadthaus siegt Neugier über Tradition. Nicht nehmen aber lässt sich der Feinschmecker-Franke die Soße. Davon kann er nicht genug haben und für manchen nicht so versierten Freizeit-Tellerträger erweist sich der Weg über das heiße Pflaster als ein eben solches - auch im übertragenen Sinn. "Bröckele" - in Butter angeröstete Brötchenwürfel - sind auf den meisten Tellern zu sehen, gehen sie doch mit Kloß, Soß' und Braten eine perfekte Geschmacksverbindung ein.


500 Stück? Das reicht nicht!

"Es waren schon einige Rouladen, die wir zubereitet haben", sagt Manfred Ertlschweiger vom Restaurant Kräutergarten grinsend. Bereits am Wochenende vor dem dreitägigen Kulinarium begann das Füllen und Anbraten. Wie viele Rouladen es waren, bleibt das Geheimnis des Küchenchefs, "aber 500 Stück reichen bei weitem nicht".
Viele Portionen bereiten während dieser drei Tage doppelte Freude: Zuerst beim Kauf auf dem Marktplatz und dann Stunden später am heimischen Tisch. Nicht wenige Klößmarkt-Besucher haben gerade zur Mittagszeit einen Topf dabei oder lassen sich eine Mahlzeit einpacken.

Währenddessen bahnt sich ein kleines Drama am Tisch der Familie Höhne aus Creidlitz an. Für den vierjährigen Tom ist Kümmel nämlich (noch) nicht das favorisierte Gewürz. Aber Vater Sven ist um eine pragmatische Lösung nicht verlegen: "Dann wechseln wir wir eben, dann hast du Rahmsoße." Gesagt, getauscht, gegessen. Zur Abkühlung angesichts der hochsommerlichen Temperaturen ging es anschließend zum nahen Albertsplatz mit seinen Wasserfontänen.