"Leider müssen wir am 31. 12. schließen, weil das Lebenswerk von Wilhelm und Manfred Thein verkauft wurde" - diesen Satz hatte Irida Speigel auf eine Tafel geschrieben, die Ende Dezember am Gebäude in der Kasernenstraße 9 hing. Das "Lebenswerk", das war die von Wilhelm Thein gegründete Metzgerei, die Irida Speigel 2016 von ihrem langjährigen Chef Manfred Thein übernommen hatte. Beim "Verkauf" ging es darum, dass die Immobilie in der Kasernenstraße einen neuen Eigentümer bekommen hat - dessen Pläne, so Irida Speigels Darstellung auch im Tageblatt vom 31. Dezember, deckten sich aber nicht mit den ihrigen.

Zwei Wochen später ist der Satz längst von der Tafel weggewischt. Die Gemüter, die sich rund um die Geschäftsschließung auch in den sozialen Medien geradezu erhitzt hatten, haben sich allerdings noch nicht so ganz beruhigt. Das wiederum ärgert allen voran Andree Schneider: Er bildet zusammen mit Maik Fuhrmann die Bau Manufaktur Coburg GmbH - und bei ihr handelt es sich um den neuen Eigentümer des Gebäudes in der Kasernenstraße. "Wir sind keine fremden Baulöwen", möchte er im Gespräch mit dem Tageblatt klar gestellt wissen. Stattdessen handele es sich um eine in Coburg gegründete Firma, die um den "Werterhalt von Traditionsbauten" wisse und vor allem auch darin Erfahrung habe, "Wirtschaftsgebäude für die Zukunft nachhaltig mit Leben zu füllen". Der Firmensitz der Bau Manufaktur befindet sich im Hinterhaus der Kasernenstraße 9, das ebenfalls gekauft wurde.

Umbaupläne haben Schneider und Fuhrmann sowohl für dieses Hinterhaus, in dem mehrere Wohnungen entstehen sollen, als auch für das Vorderhaus in der Kasernenstraße. Doch genau an dieser Stelle kommt nun die Sache mit dem "Lebenswerk" ins Spiel - frei nach Shakespeare könnte die Frage auch lauten: Thein oder nicht Thein?

Etablierten Anlaufpunkt erhalten

Während Irida Speigel es für sich reklamiert, das "Lebenswerk" von Manfred Thein 2016 anvertraut bekommen zu haben, stellt Andree Schneider die Situation etwas anders dar: "Uns hat die Erbin, Frau Manuela Thein, mit dem Ziel angesprochen, die Familiengeschichte des Traditionsbetriebes weiterzuführen." Die "Vision" von Manfred Thein sei die Erweiterung des Sortiments um Backwaren und eventuell einen Gastrobereich gewesen. Und auf genau dieser Basis solle nun "sein Lebenswerk" weitergeführt werden. Schneider und Fuhrmann wollen in der Kasernenstraße 9 einen "neuen Treffpunkt" schaffen. Denn "der Thein" sei an dieser Stelle nun einmal als traditioneller Anlaufpunkt für die tägliche Versorgung etabliert. "Das möchten wir gerne fortsetzen!"

Schneider betont, dass man auch gerne die Zusammenarbeit mit Irida Speigel fortgesetzt hätte. Doch ein Angebot, den Pachtvertrag "zu gleichen Konditionen" zu verlängern, habe diese leider ausgeschlagen. Irida Speigel war am Donnerstag für eine Stellungnahme zu dieser Darstellung nicht zu erreichen. Derweil räumte Andree Schneide auf Nachfrage ein, dass die von Irida Speigel betriebene Metzgerei "selbstverständlich" für die Dauer des geplanten Umbaus hätte geschlossen werden müssen.

Laut Schneider sei man derzeit bereits in Gesprächen mit potenziellen neuen Pächtern. Nach Abschluss dieser Gespräche werde einer "Fortsetzung des Unternehmens Thein, wenn auch voraussichtlich unter einem anderen Namen, ganz sicher nichts im Wege stehen".

Irida Speigel wiederum erzählt gerne von einer Karte, die ihr Manfred Thein 2016 schrieb: "Ich bin stolz, dass Du mein Lebenswerk übernimmst!" Jetzt sucht Irida Speigel Räume, in denen sie - vielleicht schon Mitte 2021 - die "Metzgerei Thein" wiedereröffnen kann.