Es schaudert uns noch immer. Die Französische Revolution fraß in kürzester Zeit 200.000 Menschen und ihre eigenen Kinder, wie es Georg Büchner in seinem gewaltigen Erstling "Dantons Tod" formulierte. Es schaudert uns vor allem, weil die damals in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß von Radikalität und Gewalt, in einem Krieg der Ide en explodierenden gesellschaftlichen Grundfragen bis heute virulent sind.

Was ist erlaubt bei der Durchsetzung einer guten Idee? Wo beginnt der Fanatismus. Die Überzeugung, dass der Zweck die mörderischen Mittel heiligt, dürfen wir mittlerweile wieder wöchentlich im eigenen Land spüren, nicht nur bei den ja allerdings auch nicht mehr fernen Islamisten.

Das Landestheater bringt am Ostersamstag Georg Büchners dramatischen Geschichtssturm in der Regie von Schauspielchef Matthias Straub zur Premiere. Georg Büchner (1813 - 1837) wollte, kaum 40 Jahre nach den Ereignissen, die noch immer allen sehr präsent waren, ein getreues geschichtliches Abbild liefern und arbeitete in großem Umfang mit wortwörtlichen Texten und Zitaten, Teilen aus tatsächlich gehaltenen Reden. Matthias Straub will ihm da durchaus folgen, die Hintergründe der französischen Revolution nahe bringen in einer Art verdichtetem Dokudrama. "Die Aktualität und Brisanz sind so offensichtlich, dass wir keine aufgesetzten Modernismen brauchen", erklärt er seine Marschrichtung.

In historisch andeutenden Kostümen auf zeitloser Grundlage wird im Bühnenbild von Till Kuhnert mit den immer weiter nach vorne rückenden, offenen, rohen Bühnenbauten die Welle der imaginierten Gewalt auf den Zuschauer zurollen.

Bei der Darstellung der verschiedenen Positionen durch die Vielzahl der auftretenden Personen aber hat Straub massiv gekürzt und fokussiert, wohl um mehr als ein Drittel des Büchnerschen Textes. Es geht ihm vor allem darum, "das Fulminante dieser Zeit" spürbar werden zu lassen, die Grunderschütterung, die bis heute wirkt.

Büchner setzt bereits ganz zum Schluss an, in der letzten Woche vor der Hinrichtung Dantons, der die Revolution ja selbst maßgeblich mit vorangetragen hatte. Während der "tugendsame" Robespierre eine tugendsame Gesellschaft herstellen will, in dem er alle Gegner eliminieren lässt, steht der durchaus dem sinnlichen Leben zugetane Danton für eine gemäßigtere Position: "Die Revolution muss aufhören und die Republik muss anfangen."
Es kommt nochmals zur Auseinandersetzung, in der es Danton gelingt, Robespierre moralisch zu erschüttern. Was sein Todesurteil ist. Zwar gewarnt, flüchtet Danton nicht. Auch wenn er immer wieder - wie vor dem Revolutionstribunal - die Stimmung mit gewaltiger Rede für sich wenden kann, ist er längst zerrüttet von der Einsicht in die Sinnlosigkeit, in die Gewalttätigkeit und Grausamkeit des Menschen.

Matthias Straub will das Stück aus der Wucht der klaren klassischen Sprache heraus wirken lassen, puren Realismus vermeidend, stattdessen in einer übersteigerten Statik in die verschiedenen Position eindringen: "Das sind große Worte, die hier hin und her fliegen."

Der früh gereifte Georg Büchner, der 1835 "Dantons Tod" in fünf Wochen verfasst und dann selbst fliehen muss vor der hessischen Justiz, nutzte die realen Ereignisse für seine Untersuchung der Frage nach dem Scheitern der Revolution. Er sah die Bösartigkeit des Menschen schonungslos, trotz seiner Jugend. Dass er 1837 gerade 23-jährig an Typhus stirbt, erschüttert bis heute. "Warum sind gutwillige Menschen nicht fähig, diplomatische Lösungen zu finden? Wie sehr wird Politik bestimmt aus persönlicher Vorprägung?. Das sind bis heute die Grundfragen," fasst Straub zusammen.

Das Stück Georg Büchners Drama "Dantons Tod", das 1835 herauskam und erst 1902 in Berlin uraufgeführt wurde, galt zunächst als unspielbar, fordert mittlerweile aber mit seinen großen Monologen und heftigen Wortgefechten die Schauspieler-Ehre heraus.

Die Produktion

Inszenierung Matthias Straub, Bühnenbild Till Kuhnert, Kostüme Carola Volles, Dramaturgie Carola von Gradulewski. Premiere: Samstag, 26. März, 19.30 Uhr im Großen Haus.

Darsteller Nils Liebscher (Danton), Ingo Paulicik (Camille Desmoulins), Tom Wild (Hérault-Séchelles), Niklaus Scheibli (Philippeau), Thorsten Köhler (Robespierre), Benjamin Hübner (St. Just), Oliver Baesler, Stephan Mertl, Thomas Straus, Sarah Zaharanski, Andreas Lindemann.