Der HSC 2000 hat in den vergangenen Jahren "Bekanntschaft mit dem Finanzamt machen müssen", hat Vorstandssprecher Stefan Apfel am Donnerstagabend bei der Hauptversammlung des Vereins gesagt. Eine Bekanntschaft der sehr unangenehmen Art, denn die Steuerbehörde fordert in den nächsten beiden Jahren 259 000 Euro von dem Verein.

Um künftig Steuernachzahlungen zu vermeiden, hat sich der Vorstand von der Mitgliederversammlung die breite Zustimmung für eine neue gesellschaftliche Struktur geben lassen: Statt der HSC Coburg GmbH wird es eine HSC Coburg GmbH & Co. KG geben.

Die Ursachen für die Steuernachforderungen liegen in der Vergangenheit und haben die Vorgänger der jetzt wiedergewählten Vorstandsriege zu verantworten.

In den Verträgen zwischen dem Verein und seiner GmbH aus den Jahren 2006 und 2007 sieht das Finanzamt eine steuerschädliche Betriebsaufspaltung. "Zur steuerlichen Optimierung", so heißt es im Bericht von Stefan Apfel, seien damals alle Werbungs- und Vermarktungsrechte in die HSC GmbH ausgelagert worden. Seinerzeit hatten sich die Verantwortlichen auch beraten lassen, aber es gab wohl einige Lässlichkeiten.


Kiesewetter versagt Zustimmung

Der Unternehmer Theo Kiesewetter, einst Präsident der IHK Coburg, sprach am Mittwoch in der HUK-Arena von "Konstruktionsfehlern" in den Verträgen. Unter anderem sollen notarielle Beurkundungen versäumt worden sein. Er allein versagte seine Zustimmung zu dem neuen Konstrukt, weiter gab es drei Enthaltungen unter den 70 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern.

Die Lizenzgebühr, die die HSC GmbH an den Verein zahlt - dessen Haupteinnahmequelle, stellt für die GmbH eine Betriebsausgabe dar. Aber weil der gemeinnützige Verein HSC 2000 als Besitzunternehmen und daher mit maßgeblichen Einwirkungsmöglichkeiten auf die HSC GmbH von den Steuerprüfern erachtet wird, sind die Lizenzgebühren eine gewerbliche Einnahme und der Verein muss Gewerbesteuer entrichten.


Catering brachte 100 000 Euro

Bei immerhin knapp 155 000 Euro in der Saison 2015/2016 laut Kassenbericht, ist dies ein Drittel davon. Weiter monierte das Finanzamt "fehlende Grundaufzeichnungen im Bereich des Caterings", so Stefan Apfel. Das Catering brachte dem Verein weitere 100 000 Euro brutto in die Kasse. Auch langfristige Darlehen über knapp 300 000 Euro drücken die Stimmung bei den Verantwortlichen des HSC. Davon aber werden 130.000 Euro in Anteile des Vereins an der in Kürze gegründeten Kommanditgesellschaft umgewandelt, teilte HSC-Justitiar Marten Beck mit.


Apfel: "Kein Straftatbestand"

Vorstandssprecher Stefan Apfel wies am Donnerstagabend daraufhin, dass bei beiden Steuerprüfungen kein Straftatbestand offenbar wurde und es auch keine Beanstandungen bei den Lohnzahlungen und der Sozialversicherung gegeben habe. Die zweite Prüfung erfolgte im vergangenen Jahr, nachdem der Verein Einspruch gegen das Ergebnis der ersten Betriebsprüfung eingelegt hatte. Es folgte dann eine Einigung mit dem Finanzamt. "Das sicherte die Existenz des HSC", stellte er fest.

Die Lösung sieht der HSC-Vorstand in der Neugründung der HSC Coburg GmbH &Co. KG mit exakt definierten Anteilen des Vereins. Damit, so erläuterte Steuerberater Mathis Neumann, sei die Betriebsaufspaltung nicht mehr gegeben und der Verein habe auch weiterhin ein Mitspracherecht. Schon vollzogen ist, dass auch die 2. Mannschaft sowie das Catering in die HSC GmbH überführt sind. So geht Schatzmeister Michael Häfner davon aus, dass dem negativen Vereinsergebnis von 42.000 Euro im nächsten Geschäftsjahr ein ähnliches, aber positives Ergebnis folgt.


Mit neunköpfigem Aufsichtsrat

In der HSC Coburg GmbH & CO KG wird es einen neunköpfigen Aufsichtsrat geben, dem zwei Mitglieder des Vereinsvorstandes angehören werden sowie sieben Kommanditisten. Diese sollen aus der Wirtschaft sowie der Politik kommen, Geld und Sachkenntnis in die Firma tragen. Die neue gesellschaftsrechtliche Struktur des Vereins hat bei der Jahresversammlung Theo Kiesewetter kritisiert. Er konnte sich mit dem Antrag, das Thema in einer eigens dafür anberaumten Mitgliederversammlung zu behandeln, nicht durchsetzen. Die neue Struktur an sich befürwortete er, wollte aber den Einfluss des Vereins nicht geschmälert wissen. Nach den Worten von Vorstandssprecher Stefan Apfel prüfe er Regressforderungen an die damals Verantwortlichen, "aber die Chancen sind sehr gering".


Neuwahlen und höhere Beiträge

Die Führungsriege Der HSC Coburg setzt auf Kontinuität und geht mit einem fast unveränderten Vorstand in die nächsten beiden Jahre. Einstimmig wiedergewählt wurden am Mittwoch bei der Jahresversammlung Vorstandssprecher Stefan Apfel, als 1. Schatzmeister und neuer Sportlicher Leiter Michael Häfner, Jugendleiter Jens Pussert, Kevin von Heyking als neuer Schülerleiter, 1. Spielleiter Ralf Baucke, 2. Spielleiter Winfried Schäftlein, Justitiar Marten Beck, Schriftführerin Iris Bilek, 2. Schatzmeister Holger Neumann sowie die Kassenprüfer Ralf Bilek und Wolfgang Brettschneider.

Straubel für Balken Hakan Balkan gibt den Posten des Organisations-Vorstandes ab und konzentriert sich auf die Sponsorenwerbung. Für ihn kommt auf dieser Position neu in den HSC-Vorstand der Lautertaler Bürgermeister Sebastian Straubel.

Mit 39 Ja-, zwölf Neun-Stimmen und neun Enthaltungen legte die Hauptversammlung für die aktuell 412 HSC-Mitglieder neue Jahresbeiträge zum 1. Juli des nächsten Jahres fest. Erwachsene zahlen dann 75 statt wie bislang 60 Euro, Jugendliche 45 Euro (36 Euro), Kinder 30 Euro (22), Familien 135 Euro (110).