Subsidiarität ist der etwas sperrige Ausdruck für ein Prinzip, das vom Grundsatz her mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zum Ziel hat. Aber gelingt das in der Praxis tatsächlich oder sind Kirchen, Verbände und Vereine nicht eher überfordert durch wachsende Aufgaben? Damit beschäftigt sich der sogenannte Stammtischsonntag am 29. Juni um 19 Uhr im Haus Contakt. "Wir haben dazu Politiker und Vertreter der Kirchen eingeladen", kündigt Dieter Stößlein vom evangelischen Bildungswerk an. Die Gesprächsteilnehmer werden unter dem Motto "Nah an der Sache - nah am Menschen" darüber diskutieren, "wie das soziale und bürgerliche Leben in einem freiheitlichen und demokratischen Staat" funktionieren kann.

"Am Sonntag wird bayernweit über das Miteinander von Politik und Kirche gesprochen", ergänzt Dieter Stößlein.
Diese Gespräche seien Teil des Programms im Themenjahr "Reformation und Politik".

Pflegenotstand und Asylpolitik

Gegenstand der Betrachtung wird unter anderem der Pflegenotstand sein. Auf die schwierige Situation der Pflege wurde auch in Coburg in den zurückliegenden Wochen, zuletzt mit dem Aktionstag am 12. Mai, öffentlich hingewiesen. Fragen der gerechten Finanzierung, der Arbeitsbedingungen und Personalmangel stehen für einen ganzen Katalog von Herausforderungen. Die Frage sei auch, welche Zukunftsmodelle es gibt und ob ganzheitliche Gesundheits- und Betreuungsnetzwerke eine Lösung für Kommunen sind, die der demografische Wandel hart trifft, stellt Dieter Stößlein fest. Oder die Situation in den Kindertagesstätten: Als Folge des Subsidiaritätsprinzips hat der Staat hier eine Reihe von Aufgaben in die Trägerschaft von Kirchen, Verbänden und Vereinen übertragen. Wachsende Kinderzahlen, Sanierungs- und Umbaubedarf in vielen Einrichtungen und neue Herausforderungen durch das Recht auf einen Kindergartenplatz müssen bewältigt werden.

Auch bei der Betreuung von Asylbewerbern, deren Zahl wieder steigt, gehen die Kommunen gern Kooperationen, vornehmlich mit der Diakonie und der Caritas, ein. Oder wie steht es um Investitionen in die Bildung? Gerade in diesem Bereich werde die Übernahme durch nichtstaatliche Stellen zunehmend in Frage gestellt. Dennoch erwarte die Politik von den Kirchen und Verbänden ein hohes soziales Engagement. "Was passiert, wenn das soziale System destabilisiert wird und die Subsidiarität nicht mehr funktioniert?"

Zu dieser Frage werden sich am Sonntag der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, die Referentin für Sozial- und Gesellschaftspolitik im Kirchenamt der EKD, Cornelia Coenen-Marx, Carl-Christian Dressel vom Justizministerium in Erfurt, Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Coburg, Franz Schön und Dekan Christoph Liebst äußern. Die Moderation übernimmt Heiner Gremer vom Bayerischen Rundfunk.