Muss das Landestheater Coburg noch länger auf seine Generalsanierung warten? Wird die mit großem Aufwand geplante Ausweichspielstätte namens "Globe" plötzlich doch noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt?

Ein Blick auf die Tagesordnung des Stadtrats bot am Donnerstag reichlich Stoff für Vermutungen und Theatereffekte, wie sie sich ein erfahrener Regisseur wünschen mag - wahlweise als Komödie oder Tragödie.

Auslöser war ein Antrag der Stadtratsfraktion der Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC), der plötzlich wieder eine erneute Verschiebung der Generalsanierung oder gar Alternativen zur Generalsanierung ins Gespräch zu bringen schien.

Ausführliche Sachvorträge

Am Ende aber gab es dann doch ein überraschend klares Ergebnis: Einstimmig bekannte sich der im Frühjahr neu formierte Stadtrat in einem Grundsatzbeschluss zur Fortsetzung des eigentlich bereits beschlossenen Projektes namens Globe, das als dauerhafte Kultureinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entstehen soll (siehe Info-Box unten). In ausführlichen Sachvorträgen hatten zuvor Gerald Hellmuth als Leiter des Bauinvestcontrollings der Stadt Coburg,

Hochbauamtsleiter Peter Cosack und Projektleiter Marcel Ebert den aktuellen Planungsstand erläutert und zudem erklärt, warum bereits im vergangenen Jahr gefasste Planungsbeschlüsse nochmals in Details geändert werden mussten.

So erklärte Gerald Hellmuth beim Blick auf die Kostenentwicklung, warum das Gesamtprojekt Globe mit drei Nebengebäuden aktuell mit rund 33,8 Millionen Euro zu Buche schlägt. Denn neben den Kosten für das Globe und seine drei Nebengebäude in Höhe von knapp 24,2 Millionen Euro kommen beispielsweise knapp 3,6 Millionen Euro für die Gestaltung der Außenanlagen und den Umgriff.

Dass beispielsweise die Itz am Rande des Globes für die Besucher wirklich erlebbar werden soll, werde Kosten in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro verursachen. Derweil belaufen sich die gesamten Planungskosten auf 3,95 Millionen Euro.

Barrierefreiheit ist wichtig

Die Herausforderungen der Planung stecken oft im Detail - von der Barrierefreiheit auf allen Etagen bis zum wichtigen Aspekt der Sichtlinien im Saal.

Diese detaillierte Überarbeitung der Planung führte einerseits zur Kostensteigerungen. Andererseits wurden aber auch Einsparpotenziale entdeckt - beispielsweise bei der markanten Fassadengestaltung. Weil die Lamellen schmaler als ursprünglich geplant realisiert werden sollen, können rund 80.000 Euro an Kosten eingespart werden, wie Projektleiter Marcus Ebert erläuterte.

Vom Probenraum bis zu den sanitären Anlagen - "hier soll kein Luxus entstehen", betonte Ebert und versprach zugleich: "Wir wollen größtmögliche Flexibilität in der Nachnutzung berücksichtigen." Nach den Sachvorträgen und vor dem einstimmigen Votum freilich stand eine klare und differenzierte Aussprache. Nachdem die Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC) mit ihrem Antrag im Vorfeld der Stadtratssitzung reichlich Diskussionsstoff geliefert hatte, schob Fraktionsvorsitzender Jürgen Heeb in der Sitzung ein Bekenntnis zum Landestheater und zum Globe nach: "Pro Coburg steht zum Neubau des Globe als Interimsspielstätte, weil das Projekt in der Planung schon sehr weit fortgeschritten ist und wichtig sein wird für die Weiterentwicklung des Güterbahnhofareals."

Coburgs früherer Oberbürgermeister Norbert Tessmer, inzwischen SPD-Fraktionsvorsitzender, hielt derweil ein flammender Plädoyer für das Landestheater und das Globe: "Wir stehen vor den umfangreichsten Baumaßnahmen seit der Eröffnung des Landestheaters 1840." Nicht erst seit dem Wasserschaden von 2013 sei bekannt, "dass die Bausubstanz des Landestheaters mehr als verbraucht ist".

Am Ende wurde Tessmer sogar drastisch: "Das Landestheater verfällt. Es ist seit 25 Jahren in einem Zustand, der immer weniger den gesetzlichen Auflagen entspricht." Eindringlich warnte Tessmer: "Die Gefahr des Zerlaberns ist sehr groß". Hans-Herbert Hartan (CSU) bekannte sich ebenso unmissverständlich zum Globe wie beispielsweise Gerhard Amend (CSB) und Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste) sowie Wolfram Haupt (Grüne).

Kein Finanzierungsstopp

Allerdings gab Haupt zu bedenken, dass Kultur nicht nur aus dem Landestheater bestehe und es durch die Kosten der Generalsanierung nicht zu massiven Einschnitten in anderen Bereichen kommen dürfe. Hartan bemühte sich zudem, Bedenken zu zerstreuen, der Freistaat könne im Zeichen der Corona-Krise bereits verbindlich gegebene Finanzierungszusagen in Frage stellen: "Es gibt keinen Finanzierungsstopp für diese Maßnahme."

Für diese Einschätzung berief sich Hartan auf eine Nachfrage des Seßlacher Landtags-Abgeordneten Martin Mittag (CSU) im zuständigen Ministerium.

Rund um die geplante Interimsspielstätte namens Globe

Chronologie

27. November 2018 Sondersitzung Stadtrat: geplanter Baubeginn September 2019, Fertigstellung Sommer 2021, geschätzte Kosten damals: 23,9 Millionen Euro. Davon entfallen auf das Globe 19 Millionen Euro (inklusive Bühnentechnik für 2,9 Millionen Euro). Noch nicht eingerechnet damals: Kosten im Außenbereich.

23. Mai 2019 Der Stadtrat beschließt den Bau einer Interimsspielstätte namens Globe - beschlossen wird zudem der Bau von drei Nebengebäuden: Zwei davon sind erforderlich, weil das Theater sie braucht, um alles, was zum Theaterbetrieb gehört. Für das dritte, dem der Stadtrat eigens zustimmte (es kostet schätzungsweise 1,3 Millionen Euro), hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Bedarf angemeldet.

6. Mai 2020 Bei der Vorstellung des Spielplans 2020/2021 im Landestheater erklärt der neu gewählte OB Dominik Sauerteig zum Globe: "Diese Entscheidung ist auf meiner Prioritätenliste sehr weit oben angesiedelt."

Fakten

Zahl der Sitzplätze Je nach Nutzung und entsprechender Bestuhlung schwankt die Zahl der Sitzplätze im Globe. Bei Schauspiel-Aufführungen stehen bis zu 487 Plätze zur Verfügung, bei Opern und Musiktheater bis zu 407 Plätze. Bei einer Nutzung für Vorträge und Tagungen kann die Bestuhlung auf bis zu 567 Plätze ausgeweitet werden.

Raumkonzept Im Globe sind keine separaten Proberäume vorgesehen. Proben sollen wie auch aktuell im Probenzentrum des Landestheaters im Hahnweg sowie in weiteren dezentralen Probenräumen stattfinden, die auch heute schon zum Einsatz kommen. Nur bestimmte Hauptproben beispielsweise auf der Großen Bühne im Globe statt. In den Nebengebäuden zum Globe finden während der Nutzung als Ersatzspielstätte beispielsweise Büros der Intendanz und der Theatertechnik sowie Requisitenräume Platz, die ortsnah zum Spielbetrieb angeordnet sein müssen.

Baubeginn Wenn alle Gewerke wie geplant ausgeschrieben und vergeben werden können, wird ein Baubeginn im Herbst 2020 angestrebt.

Bauzeit Derzeit wird mit einer Bauzeit von rund 600 Arbeitstagen und somit gut zwei Jahren gerechnet. Aktuell ist von einem Fertigstellungstermin Ende 2022 auszugehen. Das Gebäude soll dann direkt an das Landestheater als Ersatzspielstätte übergeben werden.

Zuschuss

Der Freistaat Bayern beteiligt sich an der Finanzierung der Baukosten mit einem Pauschalzuschuss in Höhe von zehn Millionen Euro. Die restlichen entstehenden Kosten trägt die Stadt Coburg.

Hinzu kommen Sachspenden verschiedener Unternehmen aus der Region für dieses Projekt wie zum die Aufzugsanlage. Vor allem zu erwähnen ist die Grundlagenarbeit der Globe GmbH, die der Stadt kostenlos die Entwurfsplanung für das Globe und die Außenflächen überlassen hat.

Globe GmbH Die Firmen Brose, HUK-Coburg und Kaeser haben der Stadt Coburg als ihren freiwilligen Beitrag zur Unterstützung der Stadt- und Standortentwicklung eine unentgeltliche Zuwendung in Form von Planungsleistungen zur Errichtung einer dauerhaften Kulturstätte zukommen lassen. Die komplette Projektsteuerung für diese Planungsphasen lag ausschließlich in den Händen der Globe GmbH. Der Wert der Zuwendung wird mit rund drei Millionen Euro beziffert.