Die Stadt Coburg ist der Oktoberspitzenreiter in der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Nicht bei der Arbeitslosenquote: Da sind die umliegenden Landkreise und die Stadt Bamberg mit ihrer Quote von 4,4 Prozent besser. Aber in Coburg ging die Zahl der Arbeitslosen am stärksten zurück: 1081 Menschen sind hier ohne Job, das sind 183 oder 14,5 Prozent weniger also noch im September. Deshalb liegt die Arbeitslosenquote in der Stadt Coburg nun bei 4,8 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 5,2 Prozent.

Damit sei die Fünf-Prozent-Marke in der Stadt Coburg zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder unterschritten worden, sagt Matthias Klar, der Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg.
Im Landkreis sieht es noch besser aus als im Stadtgebiet: Dort liegt die Arbeitslosenquote bei 3,1 Prozent (Vorjahr 3,2).


Spitze bei Wirtsxchaftskraft

Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, führt die niedrige Arbeitslosigkeit auf die gute Entwicklung der Unternehmen in der Region zurück. Er verweist auf das Bruttoinlandsprodukt, das Auskunft gebe über die Wirtschaftskraft einer Region. Das Bruttoinlandsprodukt in Coburg liege bei 77 925 Euro pro Einwohner "und damit auf einem Spitzenplatz in Bayern und auf Platz Eins in Oberfranken".

Mathias Eckardt, DGB-Regionalvorsitzender und Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit, richtet sein Augenmerk auf ganz andere Zahlen: "Mehr als ein Drittel der Arbeitslosen in der Stadt sind älter als 50, und fast ein Zehntel unter 25", sagt er. Bei den jungen Leuten schlagen aber auch die Migranten zu Buche, sagt Brigitte Glos, die Leiterin der Agentur für Arbeit. Eckardt hofft, dass einige der jungen Leute jetzt noch bei Nachbesetzungen von Ausbildungsstellen zum Zuge kommen.

Dass die Jugendarbeitslosigkeit nach wie vor relativ hoch ist, sieht auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) als Problem. Das werde im nächsten Jahr ein Schwerpunktthema der neuen Bildungsregion, kündigt er an. Tessmer sieht mehrere Faktoren am Werk, die zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen haben: die gute konjunkturelle Lage, die Politik. Auf letztere verweist auch Eckardt: Im Zuge des Projekts "Soziale Teilhabe" würden gezielte Maßnahmen für Hartz-IV-Empfänger angeboten. Dabei gibt es Lohnkostenzuschüsse von bis zu 100 Prozent als Anreiz für Arbeitgeber. Die Jobcenter Coburg und Kronach wurden in dieses Programm aufgenommen; laut Statistik gelten derzeit 57 Personen im gesamten Agenturbezirk wegen dieses Projekts nicht als "arbeitslos".


Unternehmen gefordert

Ab einer Arbeitslosenquote von weniger als drei Prozent reden die Statistiker von Vollbeschäftigung. Die ist in Nordwestoberfranken noch nicht ganz erreicht, wohl aber im Landkreis Bamberg, wo die Arbeitslosenquote aktuell 2,3 Prozent beträgt. Auch in Coburg machen sich Unternehmen bereits Gedanken, wie sie mit dieser "angespannten Situation" am Arbeitsmarkt umgehen, sagt Holger Brendel, Pressesprecher der HUK-Coburg Versicherungsgruppe. Noch könne die HUK-Coburg jede offene Stelle mehrfach besetzen, aber "wir sind uns bewusst, dass wir uns weiterhin anstrengen müssen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben". Dazu gehöre zum Beispiel, dass die HUK-Coburg das Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht oder dass die Beschäftigten über ein Zeitwertkonto Auszeiten nehmen oder früher in Ruhestand gehen können.

Derzeit fehlen im Wirtschaftsraum Coburg laut IHK-Fachkräftemonitor bereits 3 000 beruflich qualifizierte Fachkräfte. Besonders deutlich werde diese Lücke bei Berufskraftfahrern, in der Lagerlogistik, in der Gastronomie- und Hotelbranche, der Informationsverarbeitung aber auch bei gewerblichen Berufen wie Verfahrensmechaniker und Polsterer, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Schnabel. Gewerkschafter Eckardt hofft, dass der veränderte Arbeitsmarkt zu Verbesserungen für Arbeitnehmer führt: Weg von der Leiharbeit zum Beispiel. Denn in diesem Bereich seien noch sehr viele Menschen beschäftigt - gerade in Coburg, weil hier einige Leiharbeitsfirmen ihren Sitz haben.

OB Tessmer verweist darauf, dass die Region schon einiges tue, um für Fachkräfte attraktiver zu werden: Da gebe es die Aktion "zurück in die Heimat", "und wir bieten Bildung und Betreuung, Kultur und Wohnen im Alter", sagt er.