Während der BBC Coburg als Meister der 1. Regionalliga Südost in den letzten Monaten mit Ausnahme der unfreiwilligen "Hacker-Affäre" (Verfahren noch immer in der Schwebe) vor allem für sportliche Schlagzeilen sorgte, schreibt der Titelträger der Südwest-Staffel, Wiiha Panthers Schwenningen, vor allem außerhalb des Parketts seine ganz eigene Geschichte.

Ähnlich souverän wie die Coburger marschierte Schwenningen durch die Regionalliga-Saison und steht seit mehreren Wochen als sportlicher Aufsteiger in die ProB fest (22 Siege und vier Niederlagen). Anders als der BBC verfolgten die Baden-Württemberger bei ihrer Mannschaftszusammenstellung eher den "Multikulti-Ansatz" mit acht EU-Ausländern, einem US-Amerikaner und nur zwei deutschen Spielern. Mit einer ähnlichen Kaderzusammensetzung möchte Schwenningen auch das Abenteuer ProB angehen. Aufgrund der aktuellen Ausländerregelung der Liga (drei von fünf Spielern auf dem Feld müssen einen deutschen Pass haben; siehe Infobox) ein vermeintlich schwieriges Unterfangen.


Klage mit guten Aussichten

Schwenningen sieht durch diese Regelung das EU-Recht verletzt. Mit einer Klage, die seit mehreren Monaten im Raum steht, möchte der Verein erreichen, dass EU-Ausländer mit deutschen Spielern gleichstellt werden. Die Chancen für einen positiven Ausgang stehen aus Sicht der Panthers gut. Die Ausländerregelung der ProB hat keine arbeitsrechtliche Grundlage und ist eher als eine Art freiwilliges Abkommen der Vereine anzusehen, um den deutschen Basketball-Nachwuchs zu fördern.

Eine Ligatagung zu dem Thema vor einer Woche hat wenig verändert. Die Liga hatte zwar an einem Kompromiss gebastelt, den die Schwenninger aber bereits ablehnten. Der Vorschlag der Liga: Aus den drei Spielern mit deutschen Pass, die auf dem Feld stehen müssen, sollen drei "Local-Player" werden. Das wären Spieler, die vor ihrem 15. Lebensjahr ein Jahr oder zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr drei Jahre lang in Deutschland ausgebildet wurden, aber keinen deutschen Pass besitzen müssen. Eine Neuerung, die Schwenningen nicht ausreicht. Der Aufsteiger sieht die EU-Arbeitnehmer weiter stark benachteiligt. Ein drohender Rechtsstreit kann sich lange hinziehen. Verhärtete Fronten, die die Kaderplanungen aller 24 ProB-Ligisten stark beeinflusst. "Es ist eine extrem schwierige Situation", sagt Matthias Haufer, Sportlicher Leiter beim BBC Coburg. "Da wir auch in der nächsten Saison in erster Linie auf deutsche Spieler setzen, hängt nicht unser kompletter Kader davon ab, aber einzelne Positionen natürlich schon."

Für die Coburger ist die Ungewissheit dahingehend ärgerlich, dass sie ihren Kader eigentlich sehr früh komplett haben wollten. "Ich habe mal aus Spaß gesagt, ich würde gerne, bevor ich Ende April in den Urlaub fahre, alles eingetütet haben", äußerte sich Trainer Simon Bertram kürzlich im Tageblatt-Interview.

Die Hausaufgaben im Hintergrund laufen zumindest auf Hochtouren. "Wir haben letzte Woche mit allen Spielern Feedback-Gespräche geführt und die Tendenzen bekanntgegeben", so Haufer. Die Tendenzen sind klar: Neben Fabian Franke und Daniel Stawowski sollen auch alle anderen Leistungsträger möglichst gehalten werden. Die Signale der Spieler seien grundsätzlich positiv, endgültige Abschlüsse soll es aber erst geben, wenn die Budgetplanung final steht. Auch Spieler aus dem diesjährigen Kader, die den zeitlichen Aufwand der ProB aufgrund ihrer Lebensplanung nicht mitgehen können, könnten trotzdem an den Verein gebunden werden. So beispielsweise Kapitän Andreas Albus und der gebürtige Coburger Michael Herold. "Beide werden - Stand jetzt - nächste Saison kürzer treten. Aber wir würden die Jungs gerne weiter einbinden, weil sie für die Teamchemie so wichtig sind", sagt Haufer, der sich für beide eine Rolle als "Standby-Spieler", die nur bei ausgewählten Partien zum Einsatz kommen, vorstellen kann.


Mehr System, weniger Athletik

Eine Hauptrolle soll nächste Saison - bei entsprechender Vertragsverlängerung - der Coburger Kalifornier Jordan Burris spielen. Ein Gedankenspiel der Liga, Nicht-EU-Spieler wie Burris komplett aus der ProB zu verbannen, wurde mittlerweile wieder zu den Akten gelegt - auch zur Erleichterung von Haufer: "Auch wenn es nach einem Klischee klingt, die US-Amerikaner sorgen für die Show. Davon ganz wegzugehen, würde ich dramatisch finden." Nach aktuellen Plänen der Liga sollen zwei US-Amerikaner im Kader und einer auf dem Feld erlaubt sein. In der laufenden Saison setzen einzelne ProB-Ligisten auf bis zu vier Amerikaner. Die zu erwartende Reduzierung der Nicht-EU-Spieler werde sich auch auf die Spielweise der Liga auswirken. "Das Spiel wird europäischer werden: mehr Teamplay, mehr Systembasketball und weniger Athletik", prognostiziert Haufer, der als ehemaliger Talentspäher und Spieleragent, den europäischen Spielermarkt genau im Blick hat. Die entsprechenden Listen des Sportlichen Leiters mit Kandidaten sind lang: Der Litauer Eividas Molosciakas, der letzten Sommer nach Coburg wechselte, hatte beispielsweise schon vier Jahre zuvor auf seinem Zettel gestanden. mg



Ausländerregelung in der ProB


Limitierung Um den deutschen Nachwuchs zu fördern, ist der Einsatz von ausländischen Spielern seit zehn Jahren in der 2. Basketball-Bundesliga per "Gentlemen's Agreement" reglementiert: In der ProB müssen bislang drei Spieler mit deutschen Pass auf dem Parkett stehen.

Fall Schwenningen Mit acht EU-Ausländern im Kader hat Schwenningen als Meister der 1. Regionalliga Südwest den sportlichen Aufstieg in die ProB geschafft. Die bisherige Ausländerregelung möchte Schwenningen nicht akzeptieren. Der Aufsteiger sieht das EU-Recht verletzt und droht seit längerem mit juristischen Schritten.

Entscheidung Vor einer Woche gab es in Gießen eine Ligatagung zu der Problematik. Die Presseinformation der Liga im Wortlaut: "Die 2. Basketball-Bundesliga bekannte sich gemeinsam mit Vertretern der 1. Basketball Bundesliga und des DBB zur Nachwuchsarbeit und Ausbildung von Spielern als wesentliche Aufgabe für ProA und ProB. Der Vorstand wurde beauftragt die bisherige Ausländerregelung in der ProB nicht mehr anzuwenden und eine diskutierte Alternative im Rahmen einer kommenden Gesellschafterversammlung umzusetzen. Aufgrund der aktuell ungeklärten Lage mit Schwenningen können keine weiteren Informationen bezüglich dieser Thematik herausgegeben werden."
Einen vermeintlichen Kompromissvorschlag der Liga hat Schwenningen bereits abgelehnt, eine zeitnahe Lösung ist noch nicht in Sicht.