Es ist ein verkorkster Saisonstart für die Zweitliga-Handballer des HSC 2000 Coburg. Vier von bisher sechs Spielen gingen verloren. Mit nur vier Punkten stehen die "Gelb-Schwarzen" auf dem 13. Tabellenplatz und damit weit weg vom Saisonziel - mit den Topteams um den Aufstieg spielen.

Was sagt die Vereinsführung zu diesem Fehlstart? Genießt der tschechische Cheftrainer, dessen Zwei-Jahres-Vertrag am Ende der Saison in Coburg ausläuft, noch Rückendeckung oder muss er sogar in dieser Woche noch gehen? Kommt es am Samstag in der HUK-Arena gegen Hamm zum "Schicksalsspiel" für Alois Mraz?

Einbruch in der zweiten Hälfte

Der Ablauf ist immer wieder der gleiche. Nach einer relativ guten ersten Halbzeit mit einer klaren Führung verliert die Mannschaft die Übersicht und wird vom Gegner regelrecht überrollt. So auch am Samstagabend beim Mitabsteiger HSG Nordhorn-Lingen. Nach einem zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Vorsprung und der Pausenführung von 14:9 hieß es nach dem 12:18-Negativlauf im zweiten Durchgang am Ende 29:26 für den Gegner. In allen bisherigen sechs Spielen verloren die Coburger den zweiten Durchgang deutlich und offenbarten dabei große Defizite. Zwar schließt der Cheftrainer konditionelle Probleme seiner Spieler kategorisch aus, doch selbst bei den beiden bisher einzigen Siegen hatte der Gegner den längeren Atem. Gegen Gummersbach (30:27) führte der HSC 17:10 zur Pause - es folgte ein 13:17. Gegen Dormagen (28:27) stand es nach der ersten Hälfte 17:14 - Coburg rettete den Vorsprung gerade noch über die Zeit, Endstand 28:27. Bei den Niederlagen in Rostock (27:29) und in Essen (23:26) warfen die Gegner ebenfalls auf der Zielgerade mehr Tore und zeigten deutlich mehr Power als die stark nachlassenden Vestestädter. Zufall?

"Wir sind maßlos enttäuscht"

Vorstandssprecher Stefan Apfel reagiert so: "Wir sind maßlos enttäuscht und überhaupt nicht zufrieden mit der Situation. Nach der guten Vorbereitung haben wir uns den Start natürlich ganz anders vorgestellt." Apfel hält aber nichts davon, die Schuld an der Misere jetzt nur an einer Person festzumachen. Die Gesamtsituation sei entscheidend, alles müsse hinterfragt werden: "Wir haben nicht nur einen Trainer, sondern ein Trainerteam. Wie hat sich die Mannschaft entwickelt, wie jeder einzelne Spieler? Wie verhalten sich die Jungs? Wie diszipliniert treten sie auf? Wie gehen sie mit Drucksituationen um?"

Aufsichtsrat muss entscheiden

Apfel will mit seinen Vorstandskollegen und vor allem mit dem Aufsichtsrat ("Der ist letztlich entscheidend"/O-Ton Apfel) in den nächsten Tagen verstärkt analysieren und dann fundierte Entscheidungen treffen. Am Sonntagmittag konnte der Vorstandssprecher gegenüber unserer Zeitung nichts ausschließen. Auch nicht ob Alois Mraz beim nächsten Spiel am Samstag noch auf der Trainerbank des HSC sitzt.

Allerdings fordert der ehemalige Torhüter, dass die Kritiker, die vor allem in den sozialen Netzwerken massiv unterwegs seien, die "Kirche im Dorf" lassen sollten. Bei den Mitabsteigern in Essen und jetzt in Nordhorn ("Die Leistung unserer Mannschaft war gar nicht so schlecht"/O-Ton Apfel) könne man durchaus verlieren - nicht aber in Rostock und schon gar nicht zu Hause gegen Hüttenberg. Ein konditionelles Problem schließt er bei Zweitligaprofis aus, viel mehr vermutet er ein psychisches Problem: "Es ist eine Kopfsache. Manche Spieler treffen in Drucksituationen einfach die falschen Entscheidungen."

Jetzt ist Jan Gorr gefordert

Apfel räumt aber auch ein, dass er und seine Vorstands- und Aufsichtsratskollegen relativ weit weg von der Mannschaft seien: "Jetzt ist vor allem Jan Gorr gefordert. Als unser Geschäftsführer ist er für das operative Geschäft verantwortlich. Er führt bereits Gespräche und wird die Situation in dieser Woche genau aufarbeiten."

Ganz wichtig ist Apfel dabei ein fairer Umgang mit Mraz: "Alois ist ein toller Mensch. Tadellos und sympathisch. Der Trainer verdient unseren absoluten Respekt. Wir werden jetzt zuallererst mit ihm reden und hinterfragen, wo er nachjustieren kann."

Bereits im Frühjahr dieses Jahres stand Mraz nach einer Negativserie in der 1. Liga auf der Kippe. Doch damals entschieden sich die HSC-Entscheidungsträger nach einer Krisensitzung mehrheitlich nicht für die von verschiedenen Seiten geforderte Beurlaubung. Mit einem zusätzlichen Motivationsschub wollten die Klub-Oberen damals das wankende HSC-Schiff wieder auf Kurs bringen. Ohne Erfolg. Denn auch das Engagement von Ex-Trainer Jan Gorr, der an der Seite von Mraz auf die Trainerbank zurückkehrte, brachte nicht die erhoffte Kehrtwende. Das Team stieg sang- und klanglos als Tabellenletzter ab. Diese Variante ist in der aktuellen Situation jedoch unwahrscheinlich, Apfel schließt sie für sich persönlich sogar aus.

Nur drei Trainer seit 2012

In diesem Zusammenhang verweist der Vorstandssprecher jedoch auf die Tatsache, dass der HSC Coburg seit 2012 erst drei Trainer hatte. "Das war früher anders. Da hat der Klub auch schon einmal vier Cheftrainer während einer Saison beschäftigt." Aber natürlich, so Apfel abschließend, würden auch die nackten Zahlen zur Aufarbeitung gehören. Und die fehlenden Punkte und die aktuelle Platzierung im hinteren Drittel der Tabelle würden nicht nur gehörig Druck erzeugen, sondern würden eben auch zur Wahrheit gehören.