Es war fünf vor zwölf beziehungsweise fünf vor acht als am Samstagabend drei Kleinbusse aus Stahnsdorf auf den Parkplatz der HUK-Arena einbogen. Eigentlich hätte in diesen Minuten gerade die zweite Halbzeit zwischen dem BBC Coburg und den TKS 49ers beginnen sollen. Doch die Hälfte der Akteure war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im Inneren der Halle, sondern sprang in Trainingsanzügen aus den Bussen und sprintete Richtung Seiteneingang der Arena. Handgestoppte acht Minuten später erfolgte der Jump des ersten Play-off-Spiels.

Der Grund für die Verspätung: Die Gäste aus dem Süden Berlins standen auf der A9 Richtung gleich zweimal über längere Zeit in einem Stau. Statt knapp vier Stunden Anreise benötigten die Stahnsdorfer gut sechseinhalb Stunden für die gut 360 Kilometer.

ProB, Play-offs

BBC Coburg -

TKS 49ers Stahnsdorf 85:61

(27:11, 6:20, 21:24, 31:6)

Der äußeren Widrigkeiten zum Trotz hatte sich der Hauptrundensiebte der Nordstaffel über drei Viertel lang sehr ordentlich verkauft, ehe die Coburger sich in den letzten zehn Minuten in einen Rausch spielten. Mit einem 31:6 im vierten Viertel entschied der BBC eine eigentlich enge und umkämpfte Partie noch deutlich mit 85:61 (33:31).

Dass die Begegnung überhaupt noch ausgetragen wurde, ist auch dem Sportsgeist der Coburger zu verdanken. Denn laut der Spielordnung beträgt der Toleranzbereich für Spielverspätungen lediglich 30 Minuten. Heißt: Um 19.30 Uhr hätte der BBC auf den Sieg am grünen Tisch pochen können. Der vermeintliche Spielverlust der Gäste war sogar schon auf dem Spielbogen eingetragen. Die kulanten Coburger gewährten den Stahnsdorfern jedoch weitere 30 Minuten, die sie dann mit Sprintqualitäten sowohl auf der Autobahn als auch zu Fuß gerade so einhalten konnten. "Auch für unsere Mannschaft war die Situation nicht leicht, denn keiner wusste, ob er heute noch spielen muss", erklärt BBC-Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier. "Wenn du so lange in der Halle bist, es ist schwer, die Spannung hochzuhalten. Aber die Jungs haben die Situation gut gemeistert."

Das Warm-up der Coburger war möglicherweise das längste aller Zeiten, was man vom Kader an diesem Abend nicht behaupten konnte. Neben den bereits länger fest stehenden Ausfällen von Kapitän Chris Wolf, der sein Team trotz seiner laufenden Chemotherapie in der Halle unterstützte, Leon Bulic und Adrian Bergmann gesellte sich kurzfristig auch noch Shooting Guard Sven Lorber (umgeknickt) zum Lazarett dazu.

Stahnsdorf pokert bei Aufstellung

In der Anfangsphase fiel die kleine BBC-Rotation aber natürlich noch nicht ins Gewicht. Nicht wirklich überraschend kamen die Gäste ohne jeglichen Rhythmus aufs Parkett und verloren alleine im ersten Viertel acht Bälle (insgesamt 24). Ein gefundenes Fressen für das Team von Trainer Valentino Lott, deren Philosophie es ist, nach guter Verteidigung das Spiel schnell zu machen und im Fastbreak zu einfachen Punkten zu kommen. Und das gelang den Coburgern mit acht Ballgewinnen in den ersten zehn Minuten lehrbuchmäßig. Über 6:0 und 15:4 zog der BBC auf 27:11 davon.

Es machte den Anschein, als bahne sich für die Gastgeber um die gut aufgelegten Doppellizenzspieler Mateo Seric und Elias Baggette ein lockeres Trainingsspiel an. "Wir wollten Coburg mit jungen Leuten in unser Startaufstellung überraschen, während sich die Spieler aus unserer Starting Five noch ein bisschen warm machen und sich eingewöhnen können", erklärte der Stahnsdorfer Scharfschütze Sebastian Fülle (20 Bundesliga-Spiele für Alba Berlin). "Das ging vielleicht nicht ganz auf, aber ein Versuch war es wert."

Mit den erfahrenen Akteuren um Fülle, den Litauer Karolis Babkauskas und US-Amerikaner Malik Toppin ging es für die Gäste im zweiten Viertel klar aufwärts. Die Coburger hatten nun im Positionsangriff riesige Probleme mit der etwas unorthodoxen Verteidigung der Gäste, die eine 1:3:1-Zone auspackten und den BBC zu zahlreichen schlechten Entscheidungen zwangen. Mehr als sieben Minuten waren die Gastgeber ohne Korberfolg geblieben, ehe Timo Dippold von der Freiwurflinie punktete. Nach einem 19:2-Lauf glichen die TKS 49ers aus (29:29, 28.). Die Coburger bekamen die 50:50-Bälle nicht mehr in ihre Hände, arbeiteten schlecht am defensiven Brett und agierten offensiv zu passiv gegen die Zone. "Attackieren!", hieß die Marschroute von Lott in einer Auszeit.

Auch nach der Halbzeitpause (33:31) wurde das BBC-Spiel zunächst nicht flüssiger - im Gegenteil. US-Center Toppin dominierte nun mit seiner Athletik in der Zone und brachte die Gäste fast im Alleingang mit vier Punkten in Front. Nach einer offensiven Coburger Dürreperiode (nur zehn Punkte zwischen Minute 10 und 24) übernahm im dritten Viertel der Erfahrenste, Constantin Ebert das Kommando. Mit drei getroffenen Dreiern binnen weniger Minuten brachte der Aufbauspieler das Momentum und Selbstbewusstsein zurück.

Letztes Viertel mit 25 Punkten gewonnen

Trotzdem deutete sich zu Beginn des letzten Viertels (54:55) ein Krimi an. Der blieb aber aus, da Topscorer Mateo Seric & Co. nun die Stahnsdorfer Defensive regelrecht sezierten, sicher trafen und defensiv die Intensität erhöhten. Ein 18:0-Lauf der Coburger machten die Hoffnungen der Gäste auf eine Überraschung zunichte. "Da hat uns vielleicht etwas die Konzentration oder Energie gefehlt. Aber ich würde das vierte Viertel nicht auf die Fahrt oder sonst irgendwas schieben, damit muss man umgehen können. Coburg hat nicht umsonst die ganze Saison über in der Südstaffel ganz oben mitgespielt", sagte Fülle und hatte noch Lob für den äußeren Rahmen übrig. "Das ist eine geile Halle, auch ohne Fans."

Worte, die sicher auch Wolfgang Gremmelmaier gerne hört. Der BBC-Geschäftsführer zeigte sich insgesamt zufrieden. "Für die Entwicklung einer so jungen Mannschaft ist es wichtig, auch mal ein Spiel zu gewinnen, in dem es zwischenzeitlich nicht so gut läuft. Das zeigt, wie viel Charakter in der Mannschaft steckt."

Die Basketball-Statistik

Coburg: Seric (24 Punkte/2 Dreier), Ebert (18/4), Baggette (14/1), Dippold (14/1), Urbano (10), Plescher (3/1), Sonnefeld (2), Mavridis, Wobst

Stahnsdorf: Toppin (17), Fülle (11/3), Giese (8/3), Babkauskas (7/2), Müller (6), Hildebrandt (5), Hampel (5), Wadehn (2), Stölzel, Schüler, Wagner, von Saldern

Gesamtwurfquote: Coburg 53 Prozent (29 Treffer/55 Versuche), Stahnsdorf 37 (20/54)

Dreierquote: Coburg 47 Prozent (9/19), Stahnsdorf 3 (7/22)

Freiwurfquote: Coburg 90 Prozent (18/20), Stahnsdorf 70 (14/20)

Rebounds: Coburg 31 (27 defensiv/4 offensiv), Stahnsdorf 34 (23/11)

Ballgewinne/-verluste: Coburg 13/14, Stahnsdorf 9/24

Assists: Coburg 24 / Stahnsdorf 14

Fouls: Coburg 19 / Stahnsdorf 18

Spieler des Spiels

Constantin Ebert war im dritten Viertel mit seiner Erfahrung zur Stelle, als der Korb für den BBC wie vernagelt schien und das Spiel auf des Messers Schneide stand. Mit drei wichtigen Dreiern brachte Ebert (18 Punkte, 7 Assists) die Coburger wieder auf Kurs. mg