235:165! Das ist weder eine Tordifferenz und schon gar kein außergewöhnliches Basketball-Ergebnis. Nein, diese Zahlen geben den ungefähren Blutdruckwert von Stefan Finzel bei Bezirksliga-Heimspielen wider: "Ja, ich gebe zu, ich war da immer meganervös. Doch jetzt ist ja der ganz große Druck Gott sei Dank weg. Wir müssen nicht gleich wieder aufsteigen."

Beim Auftaktkick ging's gleich zur Sache

Die Qualität und auch die Quantität des aktuellen Spielerkaders von Landesliga-Aufsteiger SC Sylvia Ebersdorf sollte allerdings auch in der Saison 2021/2022 ausreichen, um auch in der Landesliga Nordwest ganz oben mitmischen zu können. Davon überzeugten sich am Donnerstagabend zahlreiche Anhänger, Funktionäre und Medienvertreter. Beim lockeren Auftaktkick nach der öffentlichen Teampräsentation ging es nämlich bereits flott zur Sache.

Neuzugang Omar Rahmani (27) ließ Routinier Tobias Dalke gleich dreimal über die Klinge springen, der vom Ligakonkurrenten FC Coburg verpflichtete Flügelflitzer Fabian Carl (24) verteilte bei einem seiner unnachahmlichen Soli gleich zwei Beinschüsse und der von vielen Fans als "Königstransfer" bezeichnete Tayfun Özdemir (31) winkte zweimal abwertend ab, als sein Sturmkollege Fabian Bergmann zu Alleingängen ansetzte und dabei in der dicht gestaffelten Abwehr hängen blieb.

Kurth und sein 4:2:3:1-System

Teamspirit - sicher eine von vielen Baustellen, die auf Trainer Dieter Kurth warten. Der beobachtete mit Argusaugen das wilde Treiben auf dem recht stumpfen Grün ohne jeden Kommentar, während sein Co-Trainer Michael Eberhardt 70 Meter weiter bereits ständig taktische Anweisungen gab.

Genau dazwischen auf der Sportheim-Tribüne legte der graubärtige Ex-Profi Jörg Dittwar (150-Bundesligaspiele für den 1. FC Nürnberg und der beim SC Sylvia Ebersdorf für die Jugendarbeit verantwortliche Koordinator) gemütlich die Füße hoch. Ob er das in der Bezirksliga bewährte 4:2:3:1-System des ehemaligen Regionalliga-Coaches Dieter Kurth auch in der Landesliga spielen lassen würde? Kurth schwört jedenfalls auf diese Spielweise: "Damit hatten wir Erfolg, dafür haben wir die richtigen Spieler, also weshalb sollen wir das ändern?" Er hat nahezu alle die von ihm geforderten Wunschspieler bekommen. Ob noch ein "Knipser" aus Jena zum ohnehin schon breiten Kader dazustößt, entscheidet sich frühestens nächste Woche. "Vielleicht studiert der junge Mann in den USA, mal abwarten". Mehr verraten Kurth und die SC-Verantwortlichen über den Ausnahmestürmer, den sie noch an der Angel haben, bisher nicht.

Ihr etatmäßiger Stoßstürmer, Tim Knoch, wird nach einem Kreuzbandriss bis Saisonbeginn jedenfalls noch nicht fit. "Wir haben genügend andere Burschen, wie Fabian Bergmann, Bastian Pöche, Neuzugang Lukas Werner (29) oder Andy Böhnlein, die ganz vorne drin spielen können." Dem ehemaligen Trainer der SpVgg Bayreuth, des VfL Frohnlach, des FC Eintracht Bamberg und Sportlichen Leiter des FC Schweinfurt muss ob dieser Auswahl sicher nicht bange werden.

Kurth hätte die Punkterunde zwar lieber klassisch in der Landesliga gespielt - also in einer 18- oder 19-Liga mit Hin- und Rückspielen - doch auch dem neuen System steht der aus Gompertshausen im Landkreis Hildburghausen stammenden Fußball-Fachmann offen gegenüber: "Natürlich wollen wir unter die ersten vier Mannschaften kommen, um dann um die Spitzenplätze mitmischen zu können."

Es herrscht also jede Menge Optimismus bei den "Schwarz-Weißen". Aber Gerhard Friedrich ist auch Realist. Der Vereinschef, der als Vorsitzender gemeinsam mit Hans-Günter Siller schon seit mehreren Jahren die Fäden zieht, tritt aus voller Überzeugung immer wieder gerne auf die Euphoriebremse. "Für mich sind drei Punkte hier entscheidend: Eine nachhaltige Jugendarbeit, allerdings nicht auf Spitzenniveau, ein vernünftiger, dauerhafter Unterbau in Form einer intakten Reserve-Mannschaft, und ein Landesliga-Spielerkader, in dem immer auch noch Ebersdorfer mitkicken", sagt der Metzgermeister aus Ebersdorf.

Mit einigen Lokalmatadoren

Alle drei Voraussetzungen seien derzeit bei den Sylvianern erfüllt. Die Zuschauer dürfen sich neben etablierten Spielern vor allem auch auf junge Lokalmatadoren freuen. Nicht nur den aus Großganstadt stammenden Fabian Carl, auch Sergen Dinc (18/zuletzt A-Jugend Eintracht Bamberg) und Tayfun Özdemir haben Ebersdorfer Wurzeln. Apropos Fans: "Wir hoffen auf einen Schnitt von 250 pro Heimspiel", stapelt Friedrich etwas tief. Geht es nach den Vorstellungen von Hauptsponsor Stefan Finzel, dann dürfen es gerne etwas mehr sein. Dass ab Juli deutlich mehr Zuschauer den Weg ins schmucke Stadion am Hügelsee finden als sein dann sicher wieder recht hoher, erster Blutdruckwert, dürfte jedenfalls sicher sein.