Die "March Madness" hält die komplette US-Sportnation traditionell einen guten Monat in Atem. Die größten Hallen des Landes sind beim "Big Dance" stets ausverkauft, die TV-Einschaltquoten steigen ins Unermessliche - im Pandemie-Jahr 2021 gilt natürlich nur Letzteres. Im "verrückten März" ermitteln die 68 besten Basketball-College-Teams des Landes im K.o.-Modus ihren Meister. Den kompletten Turnierbaum zu tippen, ist für viele Basketballfans in den USA ein Muss. Alle 67 Spiele korrekt zu tippen, hat bislang noch niemand geschafft. Würde das jemals einem Menschen gelingen, dürfte dieser selbst bei einem kleinen Wetteinsatz für sein Leben ausgesorgt haben.

Ähnlich schwierig zu tippen dürften die 42 Partien der diesjährigen Play-offs in der ProB zu tippen sein. Auch wenn hierzulande alles eine Nummer kleiner ist und es weniger verrückt zugeht, an Spannung, Intensität und interessanten Talenten wird es jedenfalls nicht mangeln. Dass Deutschlands dritthöchste Spielklasse als eine Art Ausbildungsliga seit längerer Zeit als unberechenbar gilt, musste auch Martin Vogel, Pressesprecher des BBC Coburg, mal wieder feststellen. Der langjährige Basketball-Journalist tippte vor der Saison für das Tageblatt die Hauptrundenplatzierungen in der ProB Süd und orakelte dabei nur bedingt kongruent. Während er bei Dresden (1. Platz statt 7.) und Koblenz (7. statt 2.) wie viele andere Experten danebenlag, konnten sich seine Tipps bei Erfurt (12.) oder auch Coburg (2. statt 1.) sehen lassen.

Neue Runde, neues Glück: Martin Vogel nimmt die vier Play-off-Gruppen für diese Zeitung unter die Lupe. Die beiden Erstplatzierten qualifizieren sich für die nächste Runde. Jeder spielt in den beiden Gruppenphasen einmal gegen jeden. Das Halbfinale und das Finale werden jeweils in Hin- und Rückspielen ausgetragen.

Gruppe 2 (mit BBC Coburg)

"Stahnsdorf fällt von den vier Teams vielleicht ein bisschen ab, ist aber auch eine interessante Mannschaft. Was Münster in den letzten Jahren aufgebaut, finde ich äußerst beeindruckend. Sie haben eine tolle Truppe und eine wirklich starke Hauptrunde gespielt. Vor Corona hatte Münster bis zu 3000 Zuschauer in der Halle, das gibt es sonst nirgendwo sonst in der ProB.

Im letzten und vorletzten Jahr hieß es, dass die Mannschaft gar nicht aufsteigen wolle. Dieses Jahr habe ich noch nichts dergleichen gehört. Ich gehe davon aus, dass sie hochgehen würden, wenn sie es sportlich schaffen. Bei den Bayern ist unklar, ob in den Play-offs die BBL-Spieler Sasha Grant oder Matej Rudan auflaufen werden. Während der Hauptrunde waren sie hauptsächlich bei der ersten Mannschaft. So weit ich weiß, ist es nicht das Ziel der Bayern, aufzusteigen, also werden sie wohl weiterhin den Akteuren das Vertrauen schenken, die bisher gespielt haben. Die Bayern haben eine Qualität gezeigt, die ich ihnen vor der Saison nicht ganz zugetraut hätte. Dass sie gut spielen können, haben wir in Coburg leidvoll erfahren müssen. Unseren Jungs traue ich zu, dass wir alle drei Spiele gewinnen und auf in die nächste Runde einziehen. Stahnsdorf gewinnt maximal ein Spiel und Münster sehe ich gegenüber den Bayern leicht favorisiert."

Gruppe 1

"Bochum ist neben Dresden mein Topfavorit und wird sich in dieser Gruppe durchsetzen. Dahinter würde ich auf Karlsruhe setzen. Eine Mannschaft, die etwas unkonventionell spielt, aber über viel Qualität und Erfahrung verfügt und an einem guten Tag jedem Team in der Liga gefährlich werden kann."

Gruppe 3

"Dresden hat in der Hauptrunde eine beeindruckende Konstanz an den Tag gelegt - auch nach der zwischenzeitlichen Quarantäne. Da können wir stolz darauf sein, so eine Mannschaft geschlagen zu haben. Eine tolle Saison spielt Lennart Larysz, er ist einer der besten Guards der Südstaffel. Der Gruppensieg geht nur über Dresden.

Das Rennen dahinter ist offen. Die Ulmer waren brutal stark in die Saison gestartet, dann flachte die Formkurve etwas ab. Wenn sie an die Leistungen der ersten Saisonhälfte anknüpfen, kann ich mir Ulm als Zweitplatzierten gut vorstellen. Bei Sandersdorf sind zwei Spieler besonders interessant: der Ex-Coburger Yasin Turan und Djordje Pantelic, ein Center mit super viel Bundesliga-Erfahrung."

Gruppe 4

"Für mich die offenste Gruppe. Da könnten beim direkten Vergleich ein, zwei Punkte entscheiden. Koblenz ist vom Potenzial her kein typischer Tabellensiebter. Da stehen ehemalige Bundesliga-Spieler wie Oliver Clay im Kader, die aber teils noch nie aufgelaufen sind. Die Koblenzer können die größte Überraschung werden, wenn sie ihr Potenzial abrufen und als Team zusammenfinden. Salopp gesagt: Bei Koblenz wird es darauf ankommen, wie sich alle leiden können. Bei Gießen wird es darauf ankommen, wer alles fit ist. Wenn Tim Uhlemann zurückkehrt, bildet er mit Johannes Lischka und Donte Nicholas mit knapp 60 Punkten im Schnitt das individuell beste Trio der Liga."