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Scherneck
Fußball

Mit dem Drahtesel zum "Club"

Im Rahmen der Aktion "Mittendrin statt nur am Fernsehen" besucht der TSV Scherneck deutsche Bundesligastadien. Am Freitag, 10. Mai, geht es auf dem Fahrrad zum Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Borussia Mönchengladbach.
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Gehen wieder auf Tour (v. li.): Clubfan Maik Büchner sowie die Organisatoren Sven Siegel und Andreas Wedel vom TSV Scherneck. Foto: privat
Gehen wieder auf Tour (v. li.): Clubfan Maik Büchner sowie die Organisatoren Sven Siegel und Andreas Wedel vom TSV Scherneck. Foto: privat
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"Die Idee entstand am Stammtisch", gibt Andreas "Andy" Wedel vom TSV Scherneck unumwunden zu. Wedel, zugleich Spielleiter der Alten Herren, fehlte etwas im Verein: "Wir haben uns gefragt, wie wir den Zusammenhalt im TSV stärken können. Spät in der Nacht setzten wir uns in den Kopf, alle Stadien der aktuellen Bundesligisten zu besuchen."

Eine "Bierlaune-Idee"

Das war im Winter 2008, also vor über elf Jahren. Damals im Sportheim mit dabei war Sven "Siegi" Siegel: "Der in der Bierlaune geborene Gedanke reifte schnell zu einem Konzept."

Am 23. Mai 2009 hieß es dann zum ersten Mal "Mittendrin statt nur am Fernsehen! Mit dem TSV Scherneck die Fußball-Bundesliga erleben". Das Premierenspiel war gleich ein Hochkaräter zweier Traditionsklubs, im Borussia-Park empfing Mönchengladbach den Namensvetter aus Dortmund. Endergebnis 1:1. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Borussen-Vereine mit großer Vergangenheit begründete gleichzeitig die neue Tradition der Schernecker: zwei Mal pro Jahr ging es fortan mit dem Bus auf große Reise zu den Bundesligastadien Deutschlands. Dabei setzen sich die Aktionen in zweierlei Hinsicht von Fanclub-Fahrten ab.

Bunt gemischte Fankultur im Bus

Zum einen ist die Fankultur des TSV bei den Stadionbesuchen bunt gemischt. "Zwar einen uns die schwarz-gelben Vereinsfarben, aber ich liebe den HSV, Andy unterstützt Gladbach, es fahren viele Bayern-, Nürnberg-, Dortmund-Fans und so weiter mit", stellt Sven Siegel klar.

Darüber hinaus gehe es für die beiden Schernecker um mehr als das reine Stadionerlebnis. "Bei Fanclub-Fahrten geht es oft zum Spiel und direkt nach Abpfiff wieder auf Heimreise. Wir versuchen uns bei jedem Spiel vorher unters Volk zu mischen", so Wedel.

Dadurch entstanden über die Jahre einige an interessanten und kuriosen Anekdoten, die die beiden in bester Erinnerung behalten haben. "In Bremen ging es mit einem Dampfer auf der Weser zum Spiel gegen Frankfurt, direkt am Stadion war eine Anlegestelle", weiß Siegel zu berichten. In Leverkusen stand 2012 vor der Partie gegen Nürnberg eine Stadionbesichtigung auf dem Programm. Dabei hätten die hiesigen Sicherheitsleute auch Jürgen Gelsdorf, seines Zeichens Coach der Werkself, genauer unter die Lupe genommen. Siegel: "Ich habe gerufen, ihr spinnt doch! Das ist euer eigener Trainer!"

Weihnachtsmarkt mit Marschall

Auch eine Begegnung mit Olaf Marschall blieb Andreas Wedel gut in Erinnerung. Vor dem Spiel auf dem Betzenberg zwischen Kaiserslautern und Schalke, mischte sich die Schernecker Reisegruppe unters Volk in der Innenstadt und traf prompt auf dem Weihnachtsmarkt auf Olaf Marschall, eine Legende der "Roten Teufel".

Dieser war mit Reporter Rolf Fuhrmann vom Bezahlfernsehen unterwegs, der offenbar wenig von der Kontaktaufnahme der TSV-Delegation hielt. "Der Fuhrmann war überhaupt nicht begeistert, aber Olaf Marschall hat sofort gesagt, für seine Fans hat er immer Zeit", berichtet Wedel stolz.

Gefahr auf Schalke

In all den Jahren gab es aber auch hin und wieder brenzlige Situationen, wie etwa im Herbst 2015 bei der Partie Schalke gegen Ingolstadt. Schuld daran waren ausgerechnet die Vereinsfarben der Schernecker. "Wir waren in Gelsenkirchen und hatten noch Karten abzugeben. Bestimmt hätten wir die auch losbekommen, aber unsere schwarz-gelben Vereinsanzüge kamen leider gar nicht gut an..."

Das Ticket-Problem

Dass Karten übrig blieben, sei aber eher eine Ausnahme, durchschnittlich 20 bis 30 Teilnehmer schließen sich Wedel und Siegel bei den Bundesliga-Fahrten an. Das größte Problem sei bei der Planung neben der späten Terminierung der Spiele das Besorgen von Tickets an sich. "Wir sind kein Fanclub und werden daher zweitrangig bei der Vergabe von Eintrittskarten behandelt", erklärt Siegel.

Das mache es nicht immer einfach, aber bisher haben wir es immer geschafft, genug Tickets für unsere Mitstreiter bereitzustellen. "Wir müssen teilweise alle Register ziehen und bei den Zuständigen immer wieder nachbohren", pflichtet ihm Wedel bei.

Nachdem die Schernecker mittlerweile bereits 18 Stadien bundesweit besucht hatten, mussten sich die Initiatoren gewissermaßen auch selbst neu erfinden. "Wir sind alle ehemalige Kicker, manche spielen auch noch. Deswegen wollten wir bei unserer nächsten Fahrt selbst mal sportlich aktiv werden", erklärt Siegel. "Nicht alle waren von der Idee, mit dem Fahrrad bis nach Nürnberg zu fahren, begeistert", führt Wedel fort.

Deswegen werde wie auch im Normalfall eine Busreise zum Spiel angeboten. Doch immerhin 13 Teilnehmer hätten sich gefunden, die die Reise auf dem Drahtesel nach Mittelfranken antreten wollen. "Insgesamt soll es gemütlich zugehen und auch die ein oder andere Pause im Biergarten ist vorgesehen", so Siegel.

Das erste Teilstück werde am Morgen des 10. Mai in Angriff genommen werden, bis zur geplanten Unterkunft in Serlbach bei Forchheim werden rund 68 Kilometer zurückgelegt. Nach Übernachtung und Frühstück sei am Spieltag selbst nochmal eine Strecke von 45 Kilometern geplant.

Alles in allem werde die Tour - meist entlang der Regnitz - gut zu bewältigen sein, die Altersspanne der "Radler" liege zwischen elf und 60 Jahren, so Siegel. Zudem muss sich keiner vor der Heimreise fürchten, denn nach dem Spiel gehe es mit Bus samt Fahrradanhänger zurück in die Heimat. Während der Radtour bestünde bei Zwischenfällen auch die Möglichkeit, sich abholen zu lassen. Daneben fahre mit Bernd Trommer vom Roten Kreuz auch ein Ersthelfer selbst mit. Die Verantwortlichen sehen sich also insgesamt gut vorbereitet.

St. Pauli und Union Berlin

Die beiden fußballverrückten Schernecker sind auch nach dem "Club"-Spiel längst nicht am Ende ihrer Reise. "Auch wenn sie momentan nicht in der Bundesliga spielen, aber St. Pauli und Union Berlin sind möglicherweise unsere nächsten Ziele", nennt Siegel mit gewisser Vorfreude die Zukunftspläne.