Seit vier Jahren spielt der BBC Coburg in der dritthöchsten deutschen Basketball-Spielklasse. Viermal mussten die Coburger am ersten Spieltag auswärts antreten, viermal setzte es zum Auftakt eine Niederlage. Im September 2017 verlor der BBC bei den Baskets Schwelm (71:80), 2018 und 2019 jeweils bei der TG s. Oliver Würzburg (56:69 und 88:100) und im vergangenen Jahr bei den EPG Baskets Koblenz (85:103). Ein Spieler aus dem aktuellen Coburger Team war bei allen vier Auftaktniederlagen dabei: Kapitän Christopher Wolf.

Am Samstag um 19.30 Uhr startet der 26-Jährige, der nach seiner Krebserkrankung sein Pflichtspiel-Comeback feiern wird (Das Tageblatt berichtete gestern ausführlich), mit seiner Mannschaft bei den Gießen 46ers Rackelos einen neuen Anlauf. "Ich würde schon mal gerne mit einem Sieg starten, aber Gießen wird gleich ein taffer Gegner, den ich unter den Top 4 der Liga sehe."

ProB Süd

Gießen 46ers Rackelos - BBC Coburg

Ein ähnliches Schicksal wie Chris Wolf ereilte vor acht Jahren auch dem wichtigsten Spieler der Gießener, Johannes Lischka. Beim 34-Jährigen war im November 2013 ein Hirntumor festgestellt worden, der operativ entfernt wurde. Der damalige deutsche Nationalspieler schaffte zwar danach den Sprung zurück in die Bundesliga, kam aber nicht mehr an seine alte Leistungsstärke heran. Im November 2015 verabschiedete sich Lischka vom Berufsbasketball. Zwei Jahre später kehrte er zu seinem Heimatverein Gießen zurück und spielt seitdem nebenbei in der zweiten Mannschaft in der ProB Süd.

Vier Spielzeiten, in denen sich Lischka auch immer wieder heiße Duelle mit seinem Positionskollegen Chris Wolf lieferte. "Wir werden bestimmt einen kurzen Austausch haben beim Spiel", meint Wolf. Auf dem Parkett sieht der 26-Jährige Schwerstarbeit auf sich, BBC-Center Leon Bulic & Co. zukommen. "Lischka und Tim Uhlemann sind mit ihrem Zusammenspiel das meiner Meinung nach beste ,Big-Men-Duo' der Liga. Die beiden zu stoppen wird ganz schwierig, komplett aus dem Spiel kann man sie nicht nehmen."

Die Struktur beider Kader ist sehr ähnlich. Drei, vier Leistungsträger mit einer gewissen Erfahrung und dazu jede Menge hungrige Talente. Bei Gießen ergänzt der 23-jährige US-Amerikaner Kienan Walter die erfahrene Garde, die restlichen Akteure sind allesamt erst 20 Jahre oder jünger. Bei Coburg bilden Wolf, Bulic, Rückkehrer Princeton Onwas und Sven Lorber das Gerüst. "Für viele unserer Jungs wird es das erste Profispiel sein. Ich hoffe, dass mehr Vorfreude als Nervosität da ist, wobei Nervosität völlig normal wäre", erklärt Wolf.

Der BBC-Kapitän ist es aus den vergangenen Spielzeiten gewohnt, mit vielen jungen Akteuren zusammenzuspielen, die Dimension in diesem Jahr ist aber nochmals eine andere. Mit Aufbauspieler Calin Nita, Center Lukas Passarge (beide 16) und Flügelspieler Joshua Schönbäck (17) stehen sogar drei U18-Spieler im BBC-Aufgebot.

"Wir haben super Jungs, die richtig Bock haben. Aber man darf die Mannschaft nicht mit der aus dem letzten Jahr vergleichen, als wir quasi zehn Profis hatten. Jetzt haben wir vier Profis und viele Jugendspieler, die auf Profi-Niveau spielen beziehungsweise spielen werden", sagt Wolf und fügt an: "Wir werden diesmal nicht um die beiden ersten Plätze mitspielen, dafür sind Mannschaften wie Dresden oder Koblenz zu stark. Aber ich und wir alle wollen in die Play-offs. Den Stress mit dem Abstiegskampf muss ich nicht haben."

Einen Satz, den die Gießener sicherlich unterstreichen würden. Für das Farmteam des Bundesligisten Gießen 46ers ist es genauso wie für die Oberfranken ein Kaltstart. Während der BBC am ersten ProB-Spieltag "offiziell" spielfrei hatte, ist das geplante Spiel der Mittelhessen ausgefallen, da Gegner Elchingen sich kurzzeitig komplett aus der Liga zurückgezogen hatte.

46ers-Trainer Patrick Unger geht das erste Pflichtspiel mit Demut an: "Alles in allem ist Coburg eine Mannschaft, die schnell und aggressiv spielt. Der Fokus liegt auf unserer Entwicklung und dem Basketball, den wir spielen wollen. Wir wollen einfach ein gutes Teamplay aufs Feld bringen."

Kuriose Randnotiz: Die Partie am heutigen Abend in der Sporthalle Ost ist der Startschuss für drei Duelle zwischen Gießen und oberfränkischen Teams binnen vier Tagen. Am Sonntag gastiert Medi Bayreuth an gleicher Stelle bei der Gießener Bundesliga-Mannschaft, am Sonntag spielt jene in der Brose-Arena in Bamberg. Die Zuschauer werden bei allen Partien eine gewichtige Rolle spielen. "Es ist schön, dass zum ersten Mal wieder Fans dabei sind. Aber man muss sich natürlich erst wieder dran gewöhnen, wenn Pfiffe und Buhrufe bei den Freiwürfen kommen", sagt Wolf.

Partie im Livestream

Und wird es mit einem Auftaktsieg klappen? "Eigentlich muss es bei mir beim fünften Mal mal klappen. Aber ganz nüchtern betrachtet müssen wir bei einer Top-Mannschaft wie Gießen nicht gewinnen. Aber schön wäre es schon. Motiviert sind wir auf jeden Fall." Die Partie wird im Livestream auf der Gießener YouTube-Seite (youtube.com/LTiGiessen46ers) übertragen.