"Das wird interessant auf dem Flug am Montag. Der, der verliert, wird sich sicher ein paar Sprüche anhören müssen", sagte Kevin Krawietz vor dem Finale am Hamburger Rothenbaum gegen seinen Doppel-Partner bei Olympia, Tim Pütz. Und während des Matches am Sonntagvormittag stellte sich heraus, dass Krawietz es sein wird, der während des Flugs nach Tokio "Trashtalk" über sich ergehen lassen muss. Denn der Witzmannsberger Tennisprofi und sein rumänischer Partner Horia Tecau mussten sich nach einem aufopferungsvollen Kampf im Finale des ATP-Turniers mit 3:6, 7:6 (7:3), 8:10 Tim Pütz und den Neusseländer Michael Venus geschlagen geben. Krawietz hat somit nach seinen Finalsiegen bei den ATP-Turnieren in München und Halle den dritten Triumph auf deutschen Boden in diesem Jahr knapp verpasst.

Mit drei deutlichen Zwei-Satz-Erfolgen waren "Kracau" zuvor noch ins Endspiel spaziert. Am Samstag hatten Krawietz/Tecau im Halbfinale keinerlei Mühe mit dem US-Amerikaner Jamie Cerretani und dem Mexikaner Hans Hach Verdugo (6:3, 6:4).

Krawietz und Tecau mit großer Moral

Am Sonntag erwischten weder Krawietz noch Tecau zunächst ihren besten Tag, bewiesen aber im zweiten Satz nach einem zwischenzeitlichen 1:5-Rückstand Moral. Nachdem "Kracau" im sechsten Spiel des zweiten Satzes ihr zweites Break (jeweils zu 15) kassiert hatten, hätte in Hamburg wohl kaum jemand mehr auf das topgesetzte Duo gewettet. Doch ohne Druck gelang Krawietz/Tecau das Rebreak, das dem Deutschen und den Rumänen nochmals Aufwind gab. Das zweite Break in Folge holten sich "Kracau" sogar ohne Gegenpunkt. Im zehnten Spiel stand es dann bei eigenem Service Einstand. Aufgrund der "No-Ad-Regel" gab es nur zwei Möglichkeiten: Turniersieg für Pütz und Venus oder 5:5-Ausgleich. Letzteres war der Fall. Krawietz und Tecau kämpften sich also tatsächlich noch in den Tiebreak des zweiten Satzes und nutzten dort ihr Momentum aus (7:3).

Aber nach dem Tiebreak war bereits vor dem Match-Tiebreak. Und dieser war an Spannung kaum zu überbieten. Die ersten drei Punkte gingen an Pütz und Venus, ehe das deutsch-rumänische Duo mehr an Sicherheit gewann und zum 5:5 ausgleichen konnte. Nach dem 6:6 gelangen Pütz und Venus drei Punkte in Folge. Drei Matchbälle waren die Folge. Zwei konnten "Kracau" noch abwehren, den dritten verwandelten ihre Kontrahenten zum Turniersieg. Während sich Pütz und Venus über ein gemeinsames Preisgeld von 33 180 Euro freuen können, müssen sich Krawietz und Tecau mit ihrer Final-Teilnahme mit 24 970 Euro begnügen.

Zeit durchzuatmen werden weder Krawietz noch Pütz haben. Der Olympia-Flieger Richtung Tokio hebt am Montag ab. Am kommenden Samstag und Sonntag steht dann die erste Doppel-Runde auf dem Programm. Neben Krawietz und Pütz bilden Alexander Zverev und Jan-Lennard das zweite deutsche Herren-Doppel in Japan.