Es bahnte sich eine neue Fanfreundschaft am Freitagabend an: "Ruft ganz Coburg zusammen, wir feiern ein Fest", brüllte einer der beiden Kommentare der TKS 49ers Stahnsdorf ins Mikrofon. Die Brandenburger waren wenige Minuten vor Spielende gerade mit vier Punkten in Führung gegangen. Stahnsdorf stand im Nachholspiel der ProB-Play-offs ganz dicht vor einer Sensation - einem Heimsieg über den FC Bayern München II. Dieser hätte bedeutet, dass der BBC Coburg in der Play-off-Gruppe 2 der ProB als Tabellenzweiter doch noch die Runde der letzten acht Teams erreichen würde.

Einige Coburger Verantwortliche und Fans fieberten am Freitagabend im Facebook-Livestream mit und konnten ihren Augen nicht trauen. Nach zwei erfolgreichen Freiwürfen führten die TKS 49ers 23 Sekunden vor der Spielende mit 76:71 - da kann doch gar nicht mehr schiefgehen?

Die jungen Bayern, die auf ihren Topwerfer Jason George, der am Abend zuvor Euroleague in Mailand gespielt hatte, verzichten mussten, wirkten nervös. Sie verwarfen 14 von 34 Freiwürfen und schienen auch im Setplay im letzten Viertel kein Rezept gegen die wie Löwen kämpfenden Stahnsdorfer zu finden.

Da bei den Gastgebern mit dem US-Amerikaner Malik Toppin und dem Litauer Karolis Babkauskas die zwei wichtigsten Offensivspieler fehlten, wuchsen alle deutschen Akteure förmlich über sich hinaus. Nur nicht in den letzten 23 Sekunden. Die Stahnsdorfer schliefen bei einem der zahlreichen vergebenen Freiwürfe der Münchner beim Rebound und kassierten einen Dreier zum 76:75. Trotzdem hatte der Tabellensiebte der Hauptrunde der ProB Nord immer noch alles in der eigenen Hand. Doch Stahnsdorf ließ sich von der Ganzfeldverteidigung der Bayern beeindrucken und schmiss den Gästen das Spielgerät in die Hände.

Österreicher trifft ins Coburger Herz

Der überragende Österreicher im Bayern-Trikot, Erol Ersek, traf zwei Sekunden vor der Sirene einen weiteren Dreipunktewurf - ins Herz der Stahnsdorfer, die faktisch bereits vor dem Spiel ausgeschieden waren, und ins Herz der Coburger. Mit dem 78:76-Auswärtssieg, dem zweiten Erfolg im dritten Gruppenspiel, schaffen die Bayern den Einzug in das Play-off-Viertelfinale. Für den BBC Coburg ist die ProB-Saison, die erfolgreichste der Vereinsgeschichte, damit beendet.

Auch Wolfgang Gremmelmaier, Geschäftsführer des BBC Coburg, verfolgte das Drama im Livestream. Zwei Minuten nach dem bitteren K.o. war auch er wie alle anderen, die es in den zwei Stunden zuvor mit dem BBC gehalten haben, noch fassungslos. "Das war typisch Bayern, von den Großen bis zu den Kleinen, von den Fußballern bis zu den Basketballern", sagte er mit etwas Galgenhumor am Telefon. "Das war schon ärgerlich. Aber höchsten Respekt vor Stahnsdorf. Chapeau. Die haben gekämpft bis zum Schluss, die wollten gewinnen. Glückwunsch an die Bayern. Letztlich sind sie verdient weitergekommen, weil sie gegen uns gewonnen haben. Das war das entscheidende Spiel."

Während es für den FC Bayern München II nun am Sonntag um 16 Uhr mit einem Gastspiel bei den WWU Baskets Münster mit der zweiten Play-off-Gruppenphase weitergeht, beginnt für das Team von Trainer Valentino Lott eine lange Sommerpause. Sicherlich dürften trotz des unglücklichen Saisonendes aber die positiven Eindrücke überwiegen. Die Mannschaft um Aufbauspieler Constantin Ebert soll nach Möglichkeit weitgehend zusammengehalten werden.