Die Zuschauer hatten am Sonntagnachmittag durchaus ihren Spaß am HSC Coburg. Und das obwohl der Tabellenletzte der 1. Handball-Bundesliga vor 505 Zuschauern gegen den frischgebackenen deutschen Pokalsieger TBV Lemgo Lippe in der HUK-Arena mit 23:27 (9:10) den Kürzeren zog. Entscheidend für die Niederlage war eine Torflaute zwischen der 15. und 30. Minute, als dem Team von Trainer Alois Mraz nur ein Treffer gelang.

1. Bundesliga

HSC 2000 Coburg gegen

TBV Lemgo 23:27 (9:10)

Nur drei Spieler aus der gegen Lemgo beginnenden Startformation werden in der Zweitliga-Saison noch das Coburger Trikot tragen: Kapitän Andreas Schröder, Torschützenkönig Florian Billek und Linksaußen Milos Grozdanic. Torwart Konstantin Poltrum, Pontus Zetterman, Stepan Zeman und Pouya Norouzinezhad bestritten dagegen ihr drittletztes Heimspiel für "Gelb-Schwarz". Vor allem Poltrum und der derzeit auffallend aktiv agierende Pouya trumpften in der Anfangsphase auf (4:1/8.). Während das HSC-Trainerduo Alois Mraz und Jan Gorr an der Seitenlinie immer wieder applaudierte und ihre Mannen freudestrahlend anfeuerten, war Lemgos Coach Florian Kehrmann schnell bedient. Der ehemalige Weltklasse-Rechtsaußen, der mit der deutschen Nationalmannschaft Olympia-Silber gewann, Welt- und Europameister wurde, hatte bei einem 3:6-Rückstand schon nach gut zwölf Minuten enormen Redebedarf.

Aber auch Lemgos Auszeit bremste den HSC-Elan vorerst nicht. Die Coburger spielten locker und ohne jeden Druck auf. Mit bestens gelaunten Fans im Rücken war Spielfreude pur spürbar - von der Verkrampfung, fehlendem Selbstvertrauen oder der Nervosität vergangener Tage war nichts zu sehen. Mit derart viel Gegenwehr und geistiger Frische hatte der frischgebackene Pokalsieger ganz und gar nicht gerechnet (8:4/15.). Doch die Szenerie änderte sich zum Entsetzen der bestens gelaunten Zuschauer schlagartig!

Die Gäste nahmen den Kampf an, verteidigte aufmerksamer und zwangen Coburg mit einer stabilen 6:0-Abwehr öfters ins Zeitspiel. Der HSC verlor völlig den Faden, blieb über zehn Minuten ohne Torerfolg. Das Team um den von Kehrmann auf die Bank geholten Ex-HSCler Marcel Timm verkürzte ohne dabei zu glänzen auf 7:8 (26.). Höchste Zeit für eine "kurze Denkpause".

Mraz und Gorr hatten sich kurz davor intensiv besprochen und forderten während der Auszeit endlich wieder mehr Biss und Zug zum Tor von ihren Spielern.

"Dauerbrenner" Dominik Kelm beendete den Fluch und brachte Coburg mit einer tollen Kreisläufer-Flugeinlage wieder in Front (9:8/27.). Zu einer Pausen-Führung reichte das aber nicht, denn in Unterzahl kassierten die Gastgeber tatsächlich noch zwei Treffer (9:10). Dieser erste Durchgang hatte also Symbolcharakter für die gesamte Saison. Dem Team fehlt die Konstanz, der HSC steht eben nicht umsonst am Tabellenende. Ein Tor in den zweiten 15 Minuten der erste Hälfte - sicher ein Armutszeugnis. Zumal noch in eigener Halle.

Wieder eine starke Anfangsphase

Stimmung, Tore, Tempogegenstöße - die ersten Minuten nach dem Wechsel gehörten wieder den Coburgern. Gut möglich, dass der stets die Contenance bewahrende tschechische Cheftrainer seinen Mannen in der Kabine die Meinung geigte und von ihnen die selbe Einstellung wie zu Spielbeginn forderte. Nach 40. Minute führte der HSC tatsächlich wieder mit 15:13 und die gut 500 Zuschauer sorgten für eine tolle Stimmung im Coburger Sporttempel. Trotz der nach wie vor zahlreichen technischen Fehler auf beiden Seiten hatten die Zuschauer Spaß an diesem Duell (15:15). Der HSC betrieb für jedes Tor einen enormen Aufwand, blieb dabei oft genug in den flinken Armen der Lemgoer hängen, gab aber zu keinem Zeitpunkt klein bei. Co-Trainer Gorr wechselte den Torwart und der "frische Oldie" Jan Kuhlanek brachte mit zwei Paraden zusätzlichen Schwung in die Aktionen der "Gelb-Schwarzen". Zweimal hatten Zetterman und Schröder die Chance den 18:21-Rückstand aus der 49. Minute in der Crunchtime zu egalisieren, doch die beiden Rückraumschützen hatten ihr Visier zu hoch eingestellt. Mit zwei Tempogegenstößen gelang dem deutschen Pokalsieger die Vorentscheidung (20:23/55.). Diesen Drei-Tore-Vorsprung ließen sich Kehrmann, Timm & Co. letztlich nicht mehr nehmen.

Die Statistik

HSC Coburg: Poltrum (ab 45. Kulhanek) - Pouya (2), Sproß (n.e.), Kelm (1), Nenadic, Billek (3), Mustafic (n.e.), Zetterman (6), Schikora (n.e.), Zeman (6), Grozdanic (1), Schröder (4), Neuhold

TBV Lemgo: Zecher /Johannesson - Elisson (6/1), Villaplana (1), Simak (5), Carlsbogard (1), Schagen (2), Timm, Hangstein (1), Zerbe (6), Guardiola (3), Geis, Reimann, Baijens (2)

Schiedsrichter: Sascha Schmidt / Richard Cesinge

Zeitstrafen: 3 / 3 (Nenadic, Zeman, Schröder)

Siebenmeter: 0/1 (Elisson verwandelt gegen Poltrum)

Beste Spieler: Schröder, Zeman / Elisson, Zerbe