Am 10. Juni 2017 setzte sich der HSC 2000 Coburg am letzten Bundesliga-Spieltag mit 29:26 gegen GWD Minden durch. Es dauert auf den Tag genau vier Jahre, bis die HSC-Fans am Donnerstag mit dem 27:27 gegen den HBW Balingen-Weilstetten in der HUK-Arena wieder einen Punktgewinn in der stärksten Liga der Welt bejubeln durften. Die bisherigen Erfolgserlebnisse in der laufenden Spielzeit, die Heimsiege gegen Erlangen und Stuttgart sowie Unentschieden gegen Ludwigshafen und Wetzlar, fanden bekanntlich ohne Fans in der HUK-Arena statt.

Die 450 Coburger Anhänger (550 waren zugelassen) hatten sich nach einer siebenmonatigen Handball-Pause sicher vorfreudig, aber nach den zuletzt gezeigten Leistungen sicher ohne große Erwartungen auf den Weg zur Lauterer Höhe gemacht. Und die Fans wurden von ihrem Team positiv überrascht. Die Mannschaft von Alois Mraz kämpfte leidenschaftlich, sprühte vor Spielfreude und ließ sich auch von Nackenschlägen (Rote Karten für Grozdanic und Zeman) nicht aus dem Konzept bringen. Zumindest über 40 Minuten bis zum 22:18 war das eine absolut bundesligareife Leistung - gegen einen Gegner, für den es im Abstiegskampf um alles geht. Ein Abend, den man als Sympathisant des Coburger Handballs aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann.

Ärgert man sich nach diesem spielstarken Auftritt umso mehr über verschenktes Potenzial in den zurückliegenden Monaten oder freut man sich, dass das Team sich auch nach dem besiegelten Abstieg nicht hängen lässt und sich mit Würde aus der Beletage verabschieden zu scheint?

Konstantin Poltrum, der sich im Sommer nach drei Jahren aus Coburg verabschieden wird, hat sich jedenfalls riesig über den Teilerfolg in Form eines Punktes gefreut. "Wir haben uns gesagt, wir machen das heute für uns und die Fans. Es war eine Wohltat in der Halle zu spielen. Alleine schon der Gänsehautmoment, wenn man einläuft. Das sind einfach die fünf Prozent mehr, die man braucht, um so etwas zu leisten", erklärte der 27-Jährige am Sky-Mikrofon.

Poltrum, der genauso wie viele seiner Teamkollegen im Saisonverlauf Konstanz vermissen ließ, war am Donnerstagabend einer der Garanten für das 27:27. 13 Bälle parierte der gebürtige Hesse - teils spektakulär. "Bei den freien Bällen gehört immer ein Quäntchen Glück dazu. Heute hat es funktioniert", so Poltrum.

Am Sonntag kommt der Pokalsieger

Ganz viel funktioniert hat zuletzt beim nächsten HSC-Gegner. Die Coburger empfangen am Samstag (16 Uhr, live bei Sky) in der Nachholpartie des 26. Spieltags nämlich keinen Geringeren als den neuen Pokalsieger, den TBV Lemgo-Lippe. Das Team um den ehemaligen Coburger Kreisläufer Marcel Timm hatte nach einer irren Aufholjagd im Halbfinale noch den THW Kiel ausgeschaltet, ehe im Endspiel ein relativ ungefährdeter 28:24-Sieg gegen Melsungen folgte.

Der erste Pokalsieg nach 19 Jahren setzte bei der Mannschaft von Coach Florian Kehrmann auch in der Liga neue Kräfte frei. Zwei Tage nach dem Triumph beim Final Four fegte Lemgo Nordhorn-Lingen mit 32:25 von der Platte, am Donnerstagabend folgte ein lockerer 31:23-Heimsieg über den Tabellennachbarn Bergischen HSC, gegen den man in der Hinrunde noch böse unter die Räder geraten war. Timm steuerte drei Treffer zum 15. Saisonsieg des Tabellenzehnten (35:31 Punkte) bei. Bester Torschütze war aber einmal mehr Linksaußen Bjarki Mar Elisson mit sieben Toren. Acht Einschläge mussten Poltrum und Jan Kulhanek in Lemgo gegen den Isländer hinnehmen.

Kehrmann erwartet schwere Aufgabe

Die klare 26:33-Niederlage der Coburger spiegelte zum Saisonauftakt nicht den Spielverlauf wider - nach 45 Minuten stand es noch 20:20. Vielleicht sind auch aufgrund dieser starken Dreiviertelstunde die Sinne beim Pokalsieger für das Aufeinandertreffen mit den Oberfranken geschärft. "Die Coburger können sehr befreit aufspielen, verspüren nicht mehr den großen Druck und spielen dadurch etwas gelassener und mit mehr Spaß", meint TBV-Trainer Florian Kehrmann. "Ich erwarte wirklich eine schwere Aufgabe. Das ist dann auch immer gefährlich für uns."

Die Aufgebote

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Poltrum, Dreyer - Nezhad, Sproß, Kelm, Nenadic, Billek, Mustafic, Schikora, Zetterman, Zeman, Grozdanic, Schröder, Neuhold

Trainer: Alois Mraz

TBV Lemgo-Lippe: Van den Beucken, Zecher, Johannesson - Elisson, Kogut, I. Guardiola, Simak, Carlsbogard, Schagen, Timm, Hangstein, Zerbe, G. Guardiola, Cederholm, Geis, Reimann, Baijens

Trainer: Florian Kehrmann

Schiedsrichter: Sascha Schmidt und Frederic Linker