Saisonende oder Play-off-Viertelfinale? Am Ostersonntag sollte spätestens um 18 Uhr Klarheit für den BBC Coburg herrschen - eigentlich. Aus eigener Kraft verpasste die Mannschaft von Trainer Valentino Lott den Sprung in die nächste Runde. Die Niederlage gegen die WWU Baskets Münster fiel mit 71:91 (33:50) deftig aus.

Die nötige Schützenhilfe aus Stahnsdorf blieb (vorerst) aus, da die Partie gegen den FC Bayern München II kurzfristig abgesagt werden musste. Wie die Bayern mitteilten, war beim routinemäßigen Corona-Schnelltest am Spieltag ein positiver Fall im erweiterten Staff-Umfeld entdeckt worden. Wolfgang Gremmelmaier, Geschäftsführer des BBC Coburg, ist nicht glücklich über die Konstellation: "Ich bin der Meinung, dass die letzte Runde in so einem Play-off-System auf jeden Fall zeitgleich gespielt werden sollte."

Die Mannschaft und der Betreuerstab der Bayern begaben sich nach dem positiven Test in Selbstisolation. Wann die Partie nachgeholt werden kann, steht daher noch nicht fest. Der Start der zweiten Play-off-Runde ist nach aktuellem Stand für Freitag, 16. April, geplant.

ProB, Play-offs

BBC Coburg -

WWU Baskets Münster 71:91

(16:24, 17:26, 14:20, 24:21)

Bis zur Austragung der fehlenden Begegnung der Play-off-Gruppe 2 hängen die Coburger in der Luft oder befinden sich in einem Limbus, wie es Coach Valentino Lott ausdrückt. "Es ist momentan schwer für mich, mit den Gefühlen umzugehen. Für uns war es wichtig zu gewinnen, das haben wir nicht geschafft. Jetzt sind wir vom Kopf her raus und brauchen eine Pause. Aber wir müssen auch schauen, dass wir weiterhin Basketball spielen", sagt Lott.

Die Vorzeichen für einen Heimsieg und damit das sichere Weiterkommen waren aus Coburger Sicht nicht gut. Neben dem erkrankten Chris Wolf, der sein Team auf der Bank unterstützte, und Mateo Seric gingen Leon Bulic, Adrian Bergmann und Sven Lorber nach ihren Bänderverletzungen nach nur einer beziehungsweise keiner Trainingseinheit ohne Rhythmus in die Partie.

Die Gäste dagegen präsentierten sich von der ersten Minute an wie eine gut geölte Maschine. Die Coburger versuchten die Münsteraner mit wechselnden Defensiv-Varianten vor Probleme zu stellen, doch diese zerlegten sowohl die Zonenverteidigung als auch die Ganzfeldpresse des BBC. Auch offensiv kamen die Hausherren nicht ins Rollen, da die WWU Baskets sehr aufmerksam in der Rückwärtsbewegung waren.Trotzdem schienen die Coburger nach anfänglichen Schwierigkeiten zu Beginn des zweiten Viertels gut im Spiel. Bergmann ackerte gut unter den Korb und verkürzte auf 22:26. Münster machte das BBC-Momentum aber zunichte, indem sie noch einen Gang höher schalteten.

Jasper Günther (14 Punkte, fünf Assists) führte umsichtig Regie und fand immer wieder seine freien Nebenleute, die sich an diesem Nachmittag aber auch kaum eine Chance entgehen ließen: 14 von 26 Dreierversuchen (54 Prozent) fanden ihr Ziel. Mit einem 11:2-Lauf zog Münster vor der Halbzeitpause schon fast vorentscheidend davon (24:37). Die Coburger wehrten sich zwar im dritten Viertel nach zwischenzeitlich mehr als 20 Punkten Rückstand nochmals und kamen immerhin auf 14 Zähler (43:57) heran.

Doch mit der Qualität der WWU Baskets, sowohl im individuellen Bereich als auch im Kollektiv, konnte der BBC unter diesen personellen Voraussetzungen letztlich einfach nicht Schritt halten. "Ich bin nicht enttäuscht von unserer Leistung, denn wir mussten als Team viel wegstecken. Gegen eine Mannschaft, die im Play-off-Modus ist, ist das schwer zu kompensieren", sagt Lott.

"Münster war heute einfach die bessere Mannschaft. Wir haben zumindest gekämpft und versucht, den Kopf nicht hängen zu lassen." Das hat auch Power Forward Daniel Urbano nicht, der aufgrund der zahlreichen Ausfälle auf den großen Positionen die vergangenen Tage besonders gefordert war. "Wir hatten drei Spiele in acht Tagen. Man hat gemerkt, dass wir kaputt waren", erklärt der 25-Jährige. "Es war nicht einfach. Die großen Spieler von Münster wiegen alle 10, 15 Kilo mehr als wir, da muss man ordentlich dagegenhalten. Wir sind eher die agilen ,Big Man', die von außen attackieren."

Stahnsdorf ist BBC noch etwas schuldig

Für den Einsatz von Urbano & Co. - nicht nur in dieser Partie - hat sich Geschäftsführer Gremmelmaier direkt nach der Partie in der Kabine bedankt. "Das vielleicht letzte Spiel darf unsere Runde nicht kaputtmachen. Die Mannschaft hat insgesamt eine tolle Saison gespielt. Wir sind insgesamt zufrieden. Uns hat es einfach zum falschen Zeitpunkt mit Verletzungen erwischt", so Gremmelmaier.

Und noch ist die Saison für den BBC ja noch nicht vorbei. Denn die Stahnsdorfer, die aus Coburger Sicht unbedingt gegen die Bayern gewinnen müssen, sind den Vestestädtern eigentlich noch etwas schuldig. Vor einer Woche traten die Coburger gegen die zu spät eintreffenden Brandenburger an, obwohl das Spiel nach den Liga-Regularien bereits für den BBC gewertet hätte werden können. "Ja, wir waren sehr nett und höflich", sagt Lott und grinst. "Ich hoffe, dass die Stahnsdorfer noch einen Play-off-Sieg haben wollen und hart dafür arbeiten."

Spieler des Spiels

Leon Bulic wurde nach seinem Bänderriss und keinem einzigen Mannschaftraining von Coach Valentino Lott ins kalte Play-off-Wasser geworfen und zeigte eine ordentliche Leistung: 15 Punkte und 3 Rebounds in knapp 25 Minuten Spielzeit.

Die Basketball-Statistik

Coburg: Bulic (15 Punkte/2 Dreier), Plescher (15/2), Ebert (12/2), Baggette (6/1), Lorber (6), Urbano (6), Bergmann (6), Seric (3/1), Sonnefeld (2), Dippold, Wobst

Münster: Baues (15/2), Günther (14/2), J. König (12/4), Reuter (9/2), Delpeche (9), Coffin (9/1), Grühn (8/2), Weß (8), Hänig (4), A. König (3/1), Pahnke

Gesamtwurfquote: Coburg 43 Prozent (26 Treffer/61 Versuche), Münster 55 (35/64)

Dreierquote: Coburg 28 Prozent (8/29), Münster 54 (14/26)

Freiwurfquote: Coburg 79 Prozent (11/14), Münster 64 (7/11)

Rebounds: Coburg 28 (21 defensiv/7 offensiv), Münster 36 (28/8)

Ballgewinne/-verluste: Coburg 4/12, Münster 5/13

Assists: Coburg 20 / Münster 26

Fouls: Coburg 17 / Münster 21