Um 19.30 Uhr Ortszeit war der Höhepunkt des Tages für die meisten Tennis-Fans in London vorüber: das Halbfinale der Herren zwischen Novak Djokovic und Denis Shapovalov auf dem Centre Court ging trotz guter Ansätze des Kanadiers letztlich glatt in drei Sätzen an den Serben. Während sich beim "Joker" in diesen Minuten die Anspannung legte, warteten in den Katakomben zwei Spieler und zwei Spielerinnen auf ihren großen Auftritt: dem Mixed-Halbfinale. Der Witzmannsberger Tennisprofi Kevin Krawietz sollte das Match mit seiner tschechischen Partnerin Kveta Peschke gegen die britischen Lokalmatadoren Joe Salisbury und Harriet Dart mit 2:6, 6:4, 4:6 verlieren.

Seinen ersten Auftritt auf dem Centre Court von Wimbledon im Herrenbereich vor einigen Tausend Zuschauern wird Krawietz wohl trotz der Niederlage nicht so schnell vergessen.

Salisbury/Dart treffen am Sonntag im Mixed-Finale auf die Sieger der Begegnung zwischen Desirae Krawczyk (USA)/Neal Skupski (Großbritannien) und Zhang Shuai (China)/John Peers (Australien).

1. Satz

Im Gegensatz zu Krawietz ist für Peschke der Centre Court gewohntes Terrain. Vor genau zehn Jahren gewann die Tschechin, die mit ihrem deutschen Trainer Torsten Peschke verheiratet ist, das Wimbledon-Finale im Damen-Doppel. Dass sie an gleicher Stelle im Jahr 2021 nochmals ein großes Match bestreiten würde, hätte sie wohl damals selbst nicht geglaubt. Immerhin feierte Peschke am gestrigen Freitagabend ihren 46. Geburtstag. Ihre immense Erfahrung schützte sie allerdings nicht davor, im ersten Satz das einzige Break zu kassieren.

Das mit Abstand meist umkämpfte und letztlich auch entscheidende Spiel des Satzes war das vierte. Bei Aufschlag Peschke stand es viermal Einstand. Die deutsch-tschechische Kombination wehrte zwei Breakbälle ab, ehe der dritte Versuch der Briten zum 3:1 glückte. Krawietz/Peschke schwankten in dieser Phase zwischen Genie und Wahnsinn. Der Witzmannsberger reagierte teils weltklasse am Netz, Peschke gelangen tolle Passierbälle. Doch andererseits spielten beide jeweils einen vermeintlich leichten Überkopf-Volley ins Netz. Den entscheidenden Punkt in diesem Spiel gab Peschke letztlich mit einem Doppelfehler ab. Beim Stand von 2:4 erzwangen Krawietz/Peschke bei Service Dart einmal Einstand, zu einem Break sollte es in dem Satz aber nicht mehr reichen.

2. Satz

Nach dem 1:0 für die Briten spielten sich Krawietz/Peschke in einen wahren Rausch und gewannen drei Spiele in Folge. Beim Stand von 3:1 schnupperte die deutsch-tschechische Kombi sogar am zweiten Break in Folge, doch ihre Kontrahenten zogen den Kopf gerade noch aus der Schlinge und hielten den Satz in der Folge einigermaßen offen. Mit abwechslungsreichen und teils auch spektakulären Ballwechseln begeisterten die vier Beteiligten die Tennisfreunde, die auf dem Centre Court ausgeharrt waren. Im achten Spiel wackelten Krawietz/Peschke dann, fanden aber in prekären Situationen immer wieder die richtigen Antworten. Peschke konnte letztlich ihr Service zum 5:3 halten. Nach 36 Minuten machte Krawietz mit einem souverän Aufschlagspiel den Deckel auf den zweiten Satz.

3. Satz

Um fortschreitender Uhrzeit, gegen 21 Uhr, sahen sich die Veranstalter genötigt, für künstliches Licht zu sorgen und das Dach zu schließen - das dauerte knappe zehn Minuten. Eine Pause, die Krawietz/Peschke anscheinend besser wegsteckten. Gleich im ersten Spiel erkämpften sie sich bei Service Salisbury zwei Breakbälle - konnten allerdings keinen nutzen. Beiden Doppeln merkte man im Verlauf des dritten Satzes die Müdigkeit an, doch der unbändige Wille, mit letzter Kraft ins Finale einzuziehen, war auf beiden Seiten unverkennbar. Bis zum 5:4 aus Sicht der Briten brachten beide Paarungen ihre Aufschlagspiele durch.

Krawietz hatte im zehnten Spiel bei seinem Service enormen Druck - und konnte diesem am Ende nicht standhalten. Beim Stand von 30:30 schlug er einen Rückhand-Volley im Vorwärtsgang ins Netz. Salisbury hatte den Matchball auf dem Schläger - traf aber zum Entsetzen der Engländer nur den Rahmen. Krawietz wehrte im Anschluss mit einem Überkopfball einen weiteren Matchball ab. Doch den dritten Versuch verwandelten Salisbury/Dart schließlich. Stehende Ovationen gab es nach 1:54 Stunden Spielzeit aber für beide Doppel.