Das schwache Abschneiden allerdings auf die neue Liga zu schieben, wäre zu einfach. Mannschaften wie Memmelsdorf oder Friesen beispielsweise sind mit dem Wechsel gut zurechtgekommen. In der vorherigen Saison hatte es für den FC Coburg im Nordosten mit Platz 15 ja nur zur Relegation gereicht, die aber erfolgreich bestritten werden konnte.
Pech aus Coburger Sicht war natürlich, dass sich Stürmer Tevin McCullough kurz vor Saisonstart einen Bänderriss am Sprunggelenk zuzog und damit wochenlang ausfiel. Auch Sertan Sener, eine weitere Stütze im Team, musste mit einem Mittelfußbruch lange zuschauen. Sener (11) konnte nur die Hälfte aller Spiele mit drei Toren absolvieren, McCullough stand nur sechsmal auf dem Platz und erzielte nur einen Treffer.
Ein generelles Manko ist, dass die vielen jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zwar gut ausgebildet sind, aber Zeit brauchen, um sich im Männerfußball zu bewähren. Einige junge Kicker mussten in der Hinserie viel Verantwortung übernehmen, was eine zum Teil schwere Bürde war. Die technisch guten jungen Akteure wollten zudem die meisten Situationen spielerisch lösen. "Unser Spiel war zumeist sehr schön anzusehen. Wir waren zumeist auch spielerisch die bessere Mannschaft. Aber unsere Gegner haben gekämpft, haben mehr Zweikämpfe gewonnen, und eben darauf kommt es auch an", analysiert Sportchef Grau. "So haben wir viele Spiele noch hergeschenkt, obwohl wir besser waren, und das hat uns sehr viele Punkte gekostet."
Die Misere hatte auch einen Trainerwechsel zur Folge. Lars Scheler wurde Ende September von seinem Amt entbunden. Doch auch ohne ihn lief es nicht unbedingt besser. Nach anfänglichen Erfolgen - am zweiten Spieltag stand der FC Coburg sogar auf Rang 2 - rutschten die Vestekicker immer weiter ab und hielten sich im zweiten Saisondrittel nur noch im Tabellenkeller auf. Scheler hatte aus 13 Spielen elf Punkte geholt (Schnitt 0,85). Danach übernahm der bisherige Assistent Frederic Martin. Unter dem Kommando des 32-Jährigen wurden sechs Zähler aus neun Partien eingefahren. Damit hat sich die Situation weiter verschärft.
Es gab aber auch Positives: beispielsweise, dass der einstige Torjäger Daniel Sam anbot, wieder auszuhelfen. Die Offerte nahm der Verein an. Der 35-Jährige war nach einem halben Jahr Pause körperlich fit, es fehlte allerdings noch die Bindung zum Team. Sam wurde fünfmal eingesetzt und erzielte zwei Treffer. "Daniel hat mit seinem Auftreten alleine schon einiges bewegt. Es war der richtige Schritt, ihn einzubauen”, so Grau.
Wohl keine Neuzugänge
Doch wie geht es jetzt weiter? Die Situation des FC Coburg ist sogar noch schwieriger als 2017. Damals stiegen die Vestekicker auch aus der Landesliga Nordwest ab, hatten damals aber nach 22 Spieltagen schon 25 Punkte auf dem Konto - acht mehr als heute. Die Wende soll und muss mit dem gleichen Kader wie bisher gelingen. Transfers sind keine geplant. "Wir halten natürlich bis Ende Januar noch Augen und Ohren offen und schauen, ob wir etwas machen können. Aber das ist im Winter immer ein schwieriges Unterfangen”, weiß Grau. Vielmehr will der Klub seine Philosophie, auf junge Spieler aus dem eigenen NLZ zu setzen, weiterverfolgen.
So wird der FC Coburg mit dem Start in die Restrückrunde am 7. März mit dem Heimspiel gegen den Tabellenvierzehnten TSV Lengfeld seine Serie starten müssen, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
FC Coburg in Zahlen
Platzierung: 17. Platz: 4 Siege, 5 Unentschieden, 13 Niederlagen = 17 Punkte Heimbilanz: 7 Punkte (2 Siege, 1 Unentschieden, 7 Niederlagen = Platz 18) Auswärtsbilanz: 10 Punkte (2 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen = Platz 14) Torverhältnis: 28:45 (12:24 Heimtore, 16:21 Auswärtstore) Beste Platzierung: 2 Schlechteste Platzierung: 18 Höchster Sieg: 3:0 bei den FT Schweinfurt Höchste Niederlage: 0:4 gegen den SV Friesen und gegen den FC Geesdorf Torreichstes Match: 2:4 beim VfL Frohnlach Torschützen: Adrian Guhling (5), Fabian Carl (5), Sertan Sener (4), Ricardo König (3), Daniel Alles (2), Eric Heinze (2), Daniel Sam (2), Marlon Schad (2), René Knie(1), Tevin McCullough (1) und Gökhan Sener (1) Elfmeter: 3 Elfmeter bekam der FC Coburg zugesprochen, Adrian Guhling (1/1), Daniel Sam (1/1) und Marlon Schad (0/1) traten an Zuschauer: 2443 gesamt (Schnitt 244, Vorjahr 133) Rekordbesuch: 980 gegen den VfL Frohnlach Minusrekord: 100 gegen den TuS Röllbach Rote Karten: 1, Adrian Guhling Gelb-Rot: 4, René Knie (2) und Yannick Teuchert (2) Einsätze (25 Spieler): Oleksandr Churilov (21), Eric Heinze (21), Ricardo König (21), Marlon Schad (19), Davide Dilauro (18), Gökhan Sener (18), Daniel Alles (18), Maximilian Weinreich (18), René Knie (18), Adrian Guhling (18), Fabian Carl (17), Lars Teuchert (15), Daniel Kimmel (14), Yannick Teuchert (14) Durchschnittsalter: 23,96 Jahre Trainer: Frederic Martin (seit 2. Oktober 2019)