Als der Frohnlacher Kevin Hartmann bereits wenige Minuten nach Anpfiff des Testspiels gegen den SV Bosporus Coburg nach einem Zusammenprall zu Boden geht, sich den Kopf hält und benommen ausgewechselt werden muss, ist ein kollektives Raunen unter den rund 50 Zuschauern im Willi-Schillig-Stadion wahrnehmbar.
Der sehnliche Wunsch "verletzungsfrei durch die Saison kommen", der 30 Minuten zuvor von den Frohnlacher Verantwortlichen bei der Präsentation der Neuzugänge schon fast gebetsmühlenartig mehrmals geäußert wurde, scheint sich schon vor Beginn der Landesliga-Saison (15. Juli) nicht zu erfüllen.

War die VfL-Personaldecke bereits in der letzten Saison in der Bayernliga aufgrund zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle von Leistungsträgern äußerst dünn, stehen Trainer Oliver Müller nun in der Landesliga noch weniger Alternativen zur Verfügung. Drei Neuerwerbungen stehen acht Abgänge gegenüber.
Während Daniel Alles, Jannik Schmidt (beide zum FC Coburg), Maximilian Pfadenhauer (FC Lichtenfels), Joel Werner (SV Großgarnstadt) und Philipp Schubert (SV Friesen) bereits im Mai oder früher als Abgänge fest standen, waren Lukas Scheler, Fabian Fischer (beide TSV Heldritt) und Lukas Schuster (FC Coburg) fest für die anstehende Spielzeit eingeplant.

Dieses Trio hätte sich mit einer festen Zusage für die nächste Saison in den Sommer verabschiedet, so der 1. Vorsitzende Ulrich Kossack. Vor zwei Wochen dann die für die Verantwortlichen überraschende Kehrtwende. "Es ist äußerst ärgerlich, wenn Spieler definitiv zusagen, dann aber verschwinden. Das ist mehr als enttäuschend und spricht nicht für den Charakter der Spieler", sagt Kossack. Aufgrund der kurzfristigen Absagen sei es auch nicht mehr möglich, bis zum 30. Juni Ersatz zu verpflichten.

"Und es wäre auch schäbig von uns, wenn wir jetzt kurzfristig Spieler von anderen Vereinen wegholen", erklärt Michael Werner. Der Frohnlacher Spielleiter versuchte in persönlichen Gesprächen die Spieler noch einmal umzustimmen - ohne Erfolg.

Enttäuscht ist Werner nicht nur vom Verhalten der drei Akteure, sondern auch von einem Verein, der sich laut seiner Aussage, weigere, die Ausbildungsentschädigung zu bezahlen.


Transfers im Winter möglich

So stehen den Frohnlachern vorerst nur 15 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Verstärkung soll es höchstens in Form von zwei Talenten aus der eigenen A-Jugend geben. "Wenn sich in der Winterpause Möglichkeiten ergeben, werden wir da zuschlagen", sagt Werner.

Die drei Neuzugänge, die am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, stammen allesamt aus der Kreisliga. Die Brüder Amadeus und Marc Schramm kommen von der TSG Niederfüllbach, wo beide bisher ihre komplette Fußball-Karriere verbracht haben.

Marc Schramm soll offensiv auf den Außenpositionen für neuen Schwung sorgen. "Ich freue mich auf die Möglichkeit, jetzt noch einmal höherklassig Fußball zu spielen und hoffe auf viel Spaß mit den Jungs", sagt der 22-Jährige, der in Coburg BWL studiert. Sein zwei Jahre älterer Bruder Amadeus wird für Entlastung in der Defensive sorgen.


Trawally ist der Hoffnungsträger

Das Sturmproblem der letzten Saison (lediglich 23 Treffer in 34 Spielen) soll der 18-jährige Sayko Trawally lösen. Der Gambier ist zwar bereits seit zwei Jahren in Deutschland, hat aber noch keine Aufenthaltsgenehmigung, sondern lediglich eine Aufenthaltsgestattung. Wie lange diese noch gültig ist, sei von der zuständigen Ausländerbehörde nicht zu erfahren, erklärt Spielleiter Michael Werner. Sportlich hat sich Trawally bereits bestens eingelebt. Beim Kronacher Kreisligisten TSV Weißenbrunn erzielte der Angreifer in 29 Spielen 22 Treffer und gab acht Torvorlagen.

Trawally trug sich direkt bei den beiden ersten Testspielerfolgen der Frohnlacher (jeweils 2:0 gegen TSV Greding und SV Ketschendorf) in die Torschützenliste ein. Auch beim 1:0-Sieg gegen den SV Bosporus Coburg am Dienstag deutete er mit viel Einsatz und Laufarbeit sein großes Potenzial an. "Er muss natürlich körperlich noch zulegen, man muss schauen wie er die Härte in der Landesliga annimmt", sagt Kossack.

Als neue Chance und einen Wiederbeginn sieht der VfL-Vorsitzende den Abstieg in die Landesliga: "Wir haben in dieser Klasse eine gute Chance, den anderen Mannschaften Paroli zu bieten. Ich erwarte, dass wir zumindest einen einstelligen Platz erreichen." Von den vielen Lokalderbys in der Landesliga Nordost erhofft sich Kossack vor allem eine Steigerung des Zuschauerschnitts. Für das heiße Nachbarschaftsduell gegen den TSV Sonnefeld, das bereits am 2. Spieltag, den 19. Juli stattfindet, rechnet er mit rund 800 Zuschauern. Zum Vergleich: Der beste Besuch in der letzten Saison lag bei 285 Fans gegen den FC Sand.


"Erst einmal in Liga ankommen"

Trainer Oliver Müller zeigt sich zwar zufrieden mit der bisherigen Vorbereitung und den drei Siegen in den Testspielen, ist aber bei der Formulierung des Saisonziels sehr vorsichtig: "Die Zielsetzung lautet Klassenerhalt, da wir einfach zu dünn besetzt sind. Wir müssen erst einmal in der Liga ankommen."



VfL-Fahrplan

Verbands-Pokal Samstag, 1. Juli, 17 Uhr, bei der SpVgg Selbitz.

Testspiele Mittwoch, 5. Juli, 18.30 Uhr, bei der SpVgg Lettenreuth; Sonntag, 9. Juli, 17 Uhr, beim SV Friesen.

Landesliga Sonntag, 16. Juli, 17 Uhr, beim SV Memmelsdorf; Mittwoch, 19. Juli, 19 Uhr, gegen den TSV Sonnefeld; Samstag, 22. Juli, 17 Uhr, beim SV Mitterteich.