"Wir wollen hier nicht mehr weg. Ich bin mittlerweile schon ein vollwertiger Bayer, auch wenn das hier in Franken ja immer so eine Sache ist", schmunzelt der gebürtige Berliner Simon Bertram. Seit vier Jahren hat der 30-Jährige seinen Lebensmittelpunkt in Oberfranken, gemeinsam mit seiner Frau Teresa wohnt er in Bamberg, wo er für drei Jahre im Jugendprogramm von Brose Bamberg tätig war. "Wir waren sehr glücklich, dass wir durch das Coburger Angebot hier bleiben konnten. Wir planen hier sogar auf lange Sicht ein Haus zu bauen. Meine Frau kommt aus München, meine Verwandten wohnen in Berlin, so sind wir hier genau in der goldenen Mitte", sagt Bertram.

Vor 14 Monaten kam der erste Familiennachwuchs auf die Welt. Söhnchen Yannis tut es seinem Papa schon jetzt gleich. "Jedes Wochenende rennt er schon in irgendeiner anderen Halle herum, er liebt es. Wir haben zu Hause acht Bälle, alles Basketbälle. Was anderes kennt er gar nicht", erzählt Bertram. Auch seine Frau Teresa teilt die Leidenschaft zum orangenen Leder. Die Münchnerin spielte früher selbst höherklassig und geht nach der Geburt ihres Kindes in der Bezirksoberliga für den SC Kemmern II auf Korbjagd. "Meine Frau ist so bisschen meine Rückversicherung. Gerade in der jetzigen Phase zeige ich ihr viele Videos von möglichen neuen Spielern und frage sie, wie findest du den?" Wenn Bertram außerhalb seiner Basketballtätigkeiten mal Zeit findet, geht er gerne ins Kino oder setzt sich an sein Klavier. "Ich hatte damals sogar meine eigene Band in Berlin, die so semi-erfolgreich unterwegs war."

Im Interview mit dem Coburger Tageblatt spricht Bertram über den letzten Schritt zum Titel und verrät die ersten Personalien für die neue Saison.

Herr Bertram, durch die "Hackeraffäre" und den damit immer noch unklaren Spielausgang der Heimpartie gegen Treuchtlingen zieht sich die Meisterschaft länger hin als gedacht. Wie froh sind Sie, den Aufstieg am Samstag mit einem Sieg auch rechnerisch perfekt zu machen?
Simon Bertram: Ich bin vom Naturell her schon ein ziemlich ungeduldiger Mensch. Es fällt mir schwer, Sachen aufzuschieben oder sich auf andere zu verlassen. Von daher ist es in der Situation gerade schon sehr anstrengend, da sich die Liga nicht klar positionieren kann. Es ist alles im Schwebezustand und du kannst nichts daran ändern. Ich bin Samstag einfach nur froh, wenn die ganze Geschichte vorbei ist - wenn es denn vorbei ist. Denn das wird auch wieder keine leichte Aufgabe, Jena ist eine unangenehme Mannschaft. Wir müssen schauen, dass wir diese Hürde überspringen, und dann können wir feiern.

Das Meisterschaftsrennen war lange Zeit sehr eng. Zuletzt hat ihr Verfolger Treuchtlingen doch sehr geschwächelt. Haben Sie damit gerechnet?
Ich glaube, dass die Niederlage in Coburg für sie der Knackpunkt war. Danach war bei Treuchtlingen die Luft bisschen raus, das Momentum war auf unserer Seite. Seitdem haben sie Spiele verloren, die sie normalerweise nicht verlieren würden.

Die Planungen für die ProB-Saison laufen bereits. Sie haben noch ein Jahr Vertrag. Bislang coachten Sie alleine an der Seitenlinie, im nächsten Jahr sollen Sie Unterstützung von einem hauptamtlichen Assistenztrainer bekommen. Haben Sie bereits Kandidaten im Auge?
Wir sprechen gerade mit einem Trainer aus Finnland, Elias Räisänen. Er ist bei Muki Basketball tätig, einem reinen Jugendverein in Finnland. Ich hab ihn in Berlin bei einem Turnier kennengelernt, als ich in Bamberg die U13 trainiert habe. Wir haben gegeneinander gespielt und mich hat beeindruckt, wie sie gespielt haben und wie die Spieler ausgebildet waren. Vor einer Weile hat er mich durch Zufall auf Facebook wieder gefunden, wir haben etwas geschrieben und ich habe ihn gefragt, ob er sich das vorstellen könnte. Mittlerweile war er bereits zu Besuch und auch beim Auswärtsspiel in Herzogenaurach. Er möchte auf jeden Fall, wir möchten - jetzt müssen wir uns nur noch einig werden, was das Finanzielle angeht.

Wie wichtig ist ein Co-Trainer auf diesem Niveau?
Wenn du die Geschichte etwas professioneller angehen willst, was wir ja hier in Coburg versuchen, ist es schon hilfreich, ein zweites Paar Augen zu haben: Jemanden, der seine Gedanken und Ideen einbringt. In dieser Saison habe ich die Spieler viel miteinbezogen, habe mich mit unterschiedlichen Spielern über Trainingsinhalte, Spielzüge und Körpersprache ausgetauscht. Das muss ich dem Team auch hoch anrechnen, dass sie es über die Saison mit mir als Berufsanfänger im Seniorenbereich so gut hinbekommen haben.

Mit welchen Spielern planen Sie für die nächste Saison?
Stawi (Anm. d. Red. Daniel Stawowski) und Fabi (Fabian Franke) haben noch Vertrag. Wir wollen das Kerngerüst der Mannschaft halten - die sieben, acht Jungs, die das Ganze heuer weitestgehend getragen haben. Ich will nicht bei null anfangen, ich möchte unsere Spielidee weiter ausführen und Qualität dazuholen, die das Ganze nochmals erleichtert. Die Rotation soll etwas breiter werden, wir wollen zwölf gleichwertige Jungs haben. Das ist die Absicht. Ob das am Ende realisierbar ist, ist immer die Frage. Unser Erfolg weckt natürlich auch Begehrlichkeiten. Wenn Mondpreise aufgerufen werden, können wir nicht mitgehen, da wir das Gefüge nicht sprengen wollen. Entgegen der Annahme von einigen Leuten wächst auch bei uns das Geld nicht auf den Bäumen.

Bis wann möchten Sie den Kader komplett haben?
Ich habe mal aus Spaß gesagt, ich würde gerne, bevor ich Ende April in den Urlaub fahre, alles eingetütet haben. Das ist gar nicht so unrealistisch, denn Matt (Anm. d. Red. Matthias Haufer, Sportlicher Leiter) und ich sind bei sowas immer relativ schnell. Ich sehe einen Spieler auf Video und nach zwei Minuten oder eigentlich schon nach einer Aktion kann ich sagen, ob ich ihn interessant finde. Bei uns beiden ist es so: Wenn wir uns für einen Spieler entschieden haben, tun wir alles dafür, den auch zu kriegen. Da gibt es auch keinen Plan B. Wir haben bereits Kandidaten im Blick, aber bis die Ausländerregelung der ProB (siehe Artikel rechts) nicht festgemacht ist, wäre es dumm, wenn wir etwas finalisieren würden - zumal die Budgetplanung noch nicht steht.

Welche Qualitäten muss ein Spieler abseits des Parketts mitbringen?
Bei Jordan (Anm. d. Red. Jordan Burris) und Eivis (Eividas Molosciakas) war es so, dass wir wirklich lange und viele Gespräche geführt haben. Wir hatten auch Spieler zur Auswahl, die talentierter waren, aber vom Charakterlichen einfach nicht gepasst haben. Ich möchte schon Spieler haben, die ein Verantwortungsbewusstsein besitzen und die Fähigkeit haben, sich selbst zu reflektieren. Es gab Kandidaten, die nicht mal einen High-School-Abschluss hatten. Das kann ein guter Basketballer und guter Typ sein, aber ich möchte Leute haben, die verstehen, worum es geht. Am Ende kann jemand noch so hoch springen, unsere oberste Prämisse lautet: Charakter vor Talent. Ich glaube, da haben wir dieses Jahr ganz gute Leute getroffen. Und ich hoffe, dass wir auch nächstes Jahr einige Goldklumpen finden werden.

Sind denn bereits im eigenen Nachwuchsbereich solche Goldklumpen unterwegs?
Ich habe in dieser Saison fünf Spiele der U20 gecoacht. Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Das sind alles liebe und engagierte Jungs. Aber der Sprung zur 1. Mannschaft ist momentan noch zu groß. Louis Herbst ist der Einzige, der in der 2. Mannschaft viel Spielzeit bekommt, weil er sich durchgebissen hat. Ich habe ihm in Aussicht gestellt, dass er im Sommer mittrainieren darf. Wir verfolgen das Ziel, etwas nachhaltiger zu arbeiten und unser Ziel ist es auf lange Sicht, Jugendspieler in die 1. Mannschaft bekommen.

Das Gespräch führte
Maximilian Glas