1, 2 oder 3? Der Titel der bekannten Kinder-Quizshow müsste für BBC-Basketballer Steffen Walde noch um eine 4 erweitert werden. Denn egal mit wem man über die sportlichen Qualitäten des 24-Jährigen auch spricht, es dauert stets nur wenige Sekunden bis der Satz"kann von der 1 bis zur 4 alles spielen" fällt.

Der 1,89 Meter große gebürtige Bamberger ist auf dem Parkett flexibel einsetzbar, kann den Spielaufbau übernehmen (Position 1), auf dem Flügel agieren (2 und 3) oder als kleiner Centerspieler (4) unter den Körben aufräumen. Steffen Walde sei nicht auf ein oder zwei Positionen festzulegen, "er ist sehr vielseitig. Er ist sehr robust, in der Defensive kann er sowohl die kleinen als auch die großen Leute verteidigen. Das ist eine Qualität, die nicht viele haben", beschreibt BBC-Trainer Simon Bertram seinen Schützling.

Und wo sieht sich Walde selbst am besten aufgehoben? "Mir macht es in bestimmten Spielsituationen Spaß, den Ball nach vorne zu bringen, aber meine größten Stärken sehe ich auf dem Flügel."


Walde hält körperlich dagegen

Ausgerechnet in der körperlich fordernden ProA (2. Liga), wo Walde vor zwei Jahren eine Saison mit Baunach (Nachwuchsteam von Brose Bamberg) spielte, fand er sich vermehrt auf der Power-Forward-Position unter dem Korb wieder, musste teils gegen 20 Zentimeter größere Gegenspieler dagegenhalten.

"Steffen ist sehr taff, er ist von Körper her eine Gewalt. Er ist sehr ehrgeizig und zielstrebig, er versucht einfach, jedes Spiel zu gewinnen", sagt sein Teamkollege und guter Freund Kevin Eichelsdörfer. Walde spielte nicht nur für Baunach, sondern absolvierte auch die komplette Vorbereitung für Brose Bamberg, trainierte mit den besten Spielern Deutschlands und mit Andrea Trinchieri unter einem der besten Trainer Europas. "Da bekommt man schon Lust, mit den Jungs professionell zu spielen. Aber ich musste realistisch sein, in Bamberg war das schwer, da hätte ich früher einen anderen Weg einschlagen müssen", so Walde.

Bei Baunach war er in der ProA ein Rollenspieler und sollte als erst 22-Jähriger eine Art Mentor für die ganz jungen Talente sein. "Für eine solche Veteranenrolle fühlte ich mich noch etwas zu jung." Bertram ergänzt: "Steffen ist für mich mindestens ein ProA-Spieler, wenn nicht sogar ein Rollenspieler in der Bundesliga. Jetzt hat er seinen Fokus beruflich natürlich etwas anders gelegt."


Spagat zwischen Beruf und Sport

Nach seinem abgeschlossenen BWL-Studium machte sich Walde vor einem Jahr mit einer Sicherheitsfirma selbstständig. Gewöhnlich von 8 bis 19 Uhr sitzt er als Unternehmer im Büro, danach geht es von Bamberg zum Training nach Coburg. "Meine Freizeit ist natürlich sehr begrenzt. Aber dreimal Training in der Woche und ein Spiel am Wochenende ist machbar", sagt er. Ein Programm, das Walde auch in der nächsten Saison stemmen will: "Es gab bereits Andeutungen für eine Vertragsverlängerung, das Interesse ist grundsätzlich da. Aber jetzt müssen wir erst mal diese Saison erfolgreich zu Ende bringen."

Aller Voraussicht nach wird Walde dann mit dem BBC Coburg in der ProB an den Start gehen - als er im Sommer 2015 nach Coburg kam, war daran noch nicht zu denken. "Der damalige Wechsel in die 2. Regionalliga war auf dem ersten Blick ein Rückschritt. Aber für mich war klar: Wenn ich nach Coburg komme, steigen wir gleich auf", erklärt Walde. "Ich habe das BBC-Programm bereits vor meinem Wechsel verfolgt und war begeistert. Ich muss sagen, alles, was mir damals versprochen wurde, ist bisher auch eingetreten."

Grenzen könne man dem Basketball in Coburg kaum setzen. "Mittelfristig ist die ProA realistisch, der Sprung in die Bundesliga ist natürlich noch mal etwas ganz anderes", so Walde, der sich übrigens selbst gerne als "besten Nichtschützen" der Mannschaft bezeichnet. "Er nimmt relativ wenige Dreier, trifft diese aber recht hochprozentig", sagt Coach Bertram. "Wenn er offen ist, muss er mehr werfen. Gerade im Hinblick auf das nächste Jahr, wo er auf einem höheren Niveau noch etwas unberechenbarer werden muss."

Unabhängig von der Ligazugehörigkeit wird Walde auf dem Parkett ein temperamentvoller Spieler bleiben. Bertram sieht diese Eigenschaft aus zwei Perspektiven. "Die richtig großen Spieler diskutieren nicht mit den Schiedsrichtern, Steffen lässt sich da mit seinem Temperament in solchen Situationen zu oft aus dem Spiel nehmen. Gleichzeitig ist das Temperament natürlich auch seine Stärke, weil er daraus neue Energien zieht und sich denkt: Jetzt erst Recht."
Ein Motto, das sich am Sonntag beim Heimspiel gegen Leitershofen die komplette Mannschaft auf die Fahnen schreiben wird.


Das ist Steffen Walde:


Geburtsdatum 11. Juni 1992
Größe 1,89 Meter
Position Shooting Guard/Small Forward
Vorherige Stationen: TTL Bamberg, TSV Breitengüßbach, Baunach Young Pikes
Beruf Unternehmer in der Sicherheitsbranche
Statistiken 16/17 17,2 Punkte pro Spiel, 2,9 Rebounds und 3,0 Assists