"Ich bin hier, um zu gewinnen": Ein Satz, der Coburgs Neuzugang Anell Alexis im Laufe des Interviews mehrmals über die Lippen geht. Eine Einstellung, die kaum verwundert, wenn man sich die Erfolge seines Vaters Wendell zu Gemüte führt. Der heute 53-Jährige spielte von 1996 bis 2002 bei Alba Berlin und prägte die Ära des damaligen Serienmeisters mit. Sechs deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und vier Auszeichnungen zum Wertvollsten Spieler der Saison hamsterte Alexis hierzulande ein und gilt nicht nur deswegen als einer der besten Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Sein Spitzname: Der "Iceman". Eine Bezeichnung, die sich spätestens nach einem spielentscheidenden Dreier in einem Finalspiel 2001, als sich Alexis vor dem Wurf noch die verrutschte Hose zurechtrückte, etabliert hat. Mittlerweile ist der US-Amerikaner längst wieder in seiner Heimatstadt New Jersey und ist dort als Manager in einem Krankenhaus tätig. Wendell und seine panamaische Frau Nixia haben drei Söhne: Anell (27), Davide (24) und Julian (21).

Wie sein Vater, ist auch Anell seit drei Jahren Basketball-Profi. Vor zwei Wochen wurde der 2,01 Meter große Flügelspieler vom BBC Coburg unter Vertrag genommen. Die Besonderheit: Aufgrund seines fünfjährigen Aufenthalts in Deutschland (1997 bis 2002) nimmt Alexis keinen Ausländerplatz ein, sondern zählt als sogenannter "Local Player".
Mit dem Tageblatt sprach er in nahezu einwandfreiem Deutsch über seine Erfahrungen in Panama, seine Beziehung zu Deutschland und seinen Vater.

Herr Alexis, durch die neue Local-Player-Regelung wurden Sie schlagartig für viele ProB-Ligisten sehr interessant. Wussten Sie von dieser Regel?
Anell Alexis: Als mich Coburg im Juni zum ersten Mal kontaktierte, wusste ich noch nichts davon. Ein alter Schulfreund, der mittlerweile als Basketball-Agent in Deutschland arbeitet, hat mir dann später davon erzählt. Eine sehr interessante Regel...

Wie viele Interessenten aus der ProB gab es außer dem BBC Coburg?
Ich hatte Kontakt zu etwa einer Handvoll anderer deutschen Mannschaften. Aber am Ende des Tages habe ich mit dem Coburger Angebot am wohlsten gefühlt.

Warum?
Ich habe hier einfach den Eindruck, dass wir viele Spiele gewinnen können. Von klein auf habe ich gelernt, dass das Wichtigste im Sport der Teamerfolg ist. Du kannst tolle individuelle Statistiken auflegen, aber wenn dein Team nicht gewinnt, bedeutet das nicht viel. Wenn du aber in einem erfolgreichen Team mittelmäßige Statistiken auflegst, wirst du trotzdem die Anerkennung bekommen, die du dir wünschst.

Wie sehr wurden Sie von Ihrem Vater inspiriert?
Sehr, ich habe ja aus direkter Nähe miterlebt, was er alles erreicht hat. Als kleiner Junge hat er mir eine Menge Sachen erklärt und mir immer wieder gesagt: Alles ist besser, wenn du gewinnst. Er hat mir mitgegeben, dass ich immer fokussiert und konsequent in meinen Handlungen sein muss. Und in unserer Familie ist man es einfach gewohnt zu gewinnen. Auch ich habe an der High School viel gewonnen, am College dann aber weniger. Seitdem ordne ich dem Teamerfolg alles unter. Mein Ziel ist es auch hier, die Meisterschaft zu gewinnen.

Wird Ihr Vater Sie in Coburg besuchen?
Ja, das hat er mir bereits zugesagt. Wann das aber genau sein wird, werden wir sehen.

Sie waren bis 2014 am College, dann waren Sie eine Saison nicht aktiv. Warum?
Ich habe bis November 2014 für die Nationalmannschaft von Panama gespielt. Dann habe ich einen Vertrag beim ProA-Team Ehingen Urspring unterschrieben. Leider hatte ich aber Probleme mit der Arbeitserlaubnis, deshalb hat es letztlich nicht geklappt und ich habe in der Saison nicht gespielt.

Was haben Sie stattdessen gemacht?
Trainiert, trainiert, trainiert und gehofft, dass ich eine Chance bekomme. Ich wusste nicht, wann die Chance kommt, aber ich wusste, dass ich bereit sein muss. Ich habe an meinen Schwächen gearbeitet und mich selbst gepusht. Aber es war ein sehr schweres und langes Jahr für mich.

Ende 2015 hat es dann geklappt: Sie spielten für die Eisbären Bremerhaven...
Ja, ich habe mit der Bundesliga-Mannschaft trainiert, aber habe nicht in der 1. Liga gespielt, da ich der siebte Ausländer war (Anm. d. Red.: In der BBL sind nur sechs Ausländer im 12er-Kader erlaubt). Ich war dann für die 2. Mannschaft in der Regionalliga im Einsatz.

Vergangene Spielzeit verschlug es Sie dann nach Panama, dem Heimatland Ihrer Mutter. Wie ist das sportliche Niveau dort einzuordnen?
Es war eine gute Saison für mich, es ist eine interessante Liga. Die besten zehn bis 20 Spieler der Liga spielen auf einem sehr hohen Niveau, aber danach sinkt die Qualität doch rapide. Mit rund 17 Punkten war ich der fünftbeste Scorer der Liga. Wir sind als Mannschaft schlecht gestartet, haben dann aber in den letzten sieben Spielen der regulären Saison nur eines verloren und es noch in die Play-offs geschafft. In der 1. Runde haben wir den Tabellenersten rausgeworfen, im Finale dann verloren. Aber dass wir es so weit schaffen, hätte niemand für möglich gehalten. Gerade in den Play-offs waren die Spiele sehr gut besucht. Basketball ist sehr populär in Panama und ständig am Wachsen. Die Nummer eins ist aber wie in Deutschland der Fußball. Man kann in Panama mit Basketball auch gutes Geld verdienen. Ich kenne Spieler, die dort 9000 US-Dollar pro Monat verdient haben. Problem ist allerdings die Infrastruktur der Liga, die muss sich verbessern.

Am Montag kam es zum Duell zwischen den USA, Ihrem Geburtsland, und Panama (Anm. d. Red.: 97:56 für USA), für die Sie bereits selbst im Nationalteam gespielt haben, bei der Basketball-Amerikameisterschaft. Wen haben Sie die Daumen gedrückt?
Ich habe das Spiel leider nicht gesehen, weil es hier erst nach Mitternacht kam. Aber ich habe mir natürlich die Statistiken angeschaut und mit Freunden darüber gesprochen. Das ist eine sehr schwere Frage. (lacht) Da muss ich noch überlegen. Fragen Sie mich später noch mal.

Wie gestaltet sich das tägliche Leben in Panama?
Viele sehen Panama als ein Dritte-Welt-Land an - aus meiner Sicht ist es das nicht. Ich habe zum Beispiel direkt neben einem riesigen Fünf-Sterne-Hotel gewohnt. Aber natürlich gibt es auch weniger gute Viertel, aber die gibt es überall auf der Welt.

War es für Sie eine Option, noch ein weiteres Jahr in Panama zu spielen?
Ehrlich gesagt, nein. Mich hat schon als Kind die Organisation und die Struktur in Deutschland fasziniert. Ich mag es, wie die Menschen hier ihrer Arbeit nachgehen. Vielleicht werde ich in einigen Jahren noch einmal in Panama spielen, aber aktuell ist das kein Thema.

Ist die 1. Bundesliga auf lange Sicht ein Thema für Sie?
Ich glaube schon, dass ich das Talent dazu hätte. Aber für mich ist nicht so entscheidend, in welcher Liga ich spiele, solange ich Spiele gewinne. Und ich bin auch kein Mensch, der in die Zukunft schaut. Ich lebe im Hier und Jetzt und konzentriere mich jetzt auf die Situation hier.

Zum Abschluss noch ein Versuch: Panama oder USA?
Panama!