Zwei Firmen, die auf der Spielwarenmesse gar nicht vertreten waren, haben für den meisten Gesprächsstoff unter den Händlern gesorgt. Erstens: Steiff. Der Stofftierhersteller wollte mit seinem Fernbleiben ein Zeichen setzen, weil die Messe - seiner Meinung nach - mittlerweile von fernöstlicher Massenware überschwemmt wird. Zweitens: Zalando. Der Online-Versandhändler, der sich bislang auf Schuhe und Mode beschränkt, plant wohl den Einstieg in die Spielzeugbranche. Das wird in einer Branche, die vom Internet ohnehin schon durcheinander gebracht wird, mit großer Unruhe gesehen.

"Der Wandel ist da", betont Michael Hopf von Haba aus Bad Rodach - "aber ob der Wandel auch für alle gut ist?" Im Gespräch mit Landrat Michael Busch (SPD), der am Montag allen heimischen Firmen einen Besuch abstattete, stellte Michael Hopf außerdem die provokanten Fragen: "Wie lange währt so eine Freude, etwas billig im Internet gekauft zu haben? Vielleicht bis zum nächsten Samstag, wenn man in der Innenstadt einen Kaffee trinken geht - und sich stört, dass die Innenstadt ausgestorben ist?"

Der Holzspielwarenhersteller Howa aus Neustadt hat auf die neue Entwicklung insofern reagiert, dass er einfach mitmacht und den Online-Direktverkauf inzwischen als zweites Standbein etabliert hat. "Wir verkaufen mittlerweile mehr als 50 Prozent unserer Ware übers Internet", erklärt Silke Hausdörfer. Die Renner seien Küchen und Werkbänke - entwickelt in Neustadt, produziert in China.

Bei Heunec aus Neustadt beträgt der Online-Anteil am Gesamt-Umsatz immerhin schon 20 Prozent - "Tendenz steigend", wie Barbara Fehn-Dransfeld erläutert. Und: Die Stimmung während der Messe sei sehr gut gewesen. Vielleicht aber auch deshalb, weil Heunec seine Plüschtiere zu 80 Prozent auf dem deutschen Markt verkauft. Da haben es Firmen, die international unterwegs sind, schwieriger. "Der südeuropäische Markt ist durch die Euro- und Schuldenkrisen fast komplett weggebrochen", sagt Ingrid Bernd-Hauser von der Neustadter Firma Fritz Canzler, die in Handarbeit (und zwar ausschließlich in Neustadt!) Biegepuppen und Biegefiguren herstellt. Während es Hoffnung gibt, neue Märkte in Osteuropa zu erschließen, sieht Ingrid Bernd-Hauser die Entwicklung mit dem Internet skeptisch: "Eine Puppe muss man doch vor dem Kauf anfassen - das geht nicht am Computer!"

Aus diesem Grund geht man bei Götz aus Rödental von einer zweigleisigen Zukunft aus: "Das mit dem Internet funktioniert nicht ohne Einzelhandel", glaubt Kai Günzel. Beispiel: Nur, wer in einem Geschäft eine schöne Puppe sieht, kann auch im Internet gezielt danach suchen. Eine Prognose, ob der seit 2006 andauernde Aufwärtstrend bei Götz anhält, wagt Kai Günzel aber nicht. Auch nicht jetzt, da die 63 Jahre alte Firma bereits zum 55. Mal auf der Spielwarenmesse war: "Diese Messe ist sowieso kein Indikator mehr für die künftigen Geschäfte." Das sehen viele so. "Viel wichtiger ist, sich zu zeigen und Kontakte zu knüpfen", sagt Michael Weichelt von der Ahorner Firma Weichelt, die zum neunten Mal in Nürnberg mit dabei war. Ein "Dauerbrenner" auf der Spielwarenmesse ist Roba aus Ebersdorf - der diesjährige Auftritt war schon der 56.!

Die Frage, ob bei Plüschtieren noch Innovationen möglich sind, beantwortet die Firma Althans aus Neustadt mit Ja: Dieter Kessel hat vor wenigen Wochen in Asien antibakterielle Plüschtiere entdeckt und sich sofort die Lizenzen gesichert. "Das war so kurzfristig, das wir uns noch gar keinen Namen ausdenken konnten!" Mit Hilfe pflanzlicher Zusatzstoffe kann sich das Material der Tiere binnen 18 Stunden sozusagen selbst reinigen. "Da macht es nichts, wenn ein Kind mal drauf niest", erklärt Kessel.

Etwas empfindlicher sind da schon die Bären von Hermann Spielwaren aus Coburg. Auch 2013 nimmt man wieder mehrere Jubiläen zum Anlass für Sonder-Editionen. So gibt es etwa den "Richard-Wagner-Bär", aus dessen Bauch per Knopfdruck "Lohengrin" erklingt. Oder, was Landrat Michael Busch besonders nett fand: der "SPD-Bär" zum 150. Geburtstag der sozialdemokratischen Partei. Den wird es regulär aber vorerst nicht zu kaufen geben: Bislang wurden nur 100 Stück im Auftrag der SPD gefertigt.


Messe-Splitter

Auszeichnung Bei jeder Spielwarenmesse werden Preise für die besten Produkte verliehen. Der "Toy Award 2013" in der Kategorie Vorschul-Spiele ging an "Nacht der magischen Schatten" von Haba.

Dirndl Zapf aus Rödental lässt sich für seine Multifunktionspuppe "Baby Born" immer mehr einfallen. Außer der Toilette mit Geräuschkulisse wurde bei der Spielwarenmesse die Kollektion "Oktoberfest" vorgestellt, in der "Baby Born" ein Dirndl trägt und eine Brezel isst. "Die Resonanz ist gut", so Chef Thomas Eichhorn.

Bratwürste Mit leerem Magen verhandelt es sich nicht gut. Deshalb werden potenzielle Kunden selbstverständlich von den Firmen bewirtet. Bevorzugt gereicht werden Suppen und feine Snacks. Bei Rolly Toys setzt man auch hier auf Qualität aus der Heimat: Es gab Neustadter Bratwürste.