Die Coburger SPD geht mit Zuversicht in die Bundes- und Landtagswahlen. "Wenn einer das Direktmandat holen kann, dann Norbert Tessmer", sagte Martin Ruggaber, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins bei der Hauptversammlung. Er spüre schon jetzt die neue Aufbruchstimmung. Tessmer soll antreten, weil Carl-Christian Dressel auf die Bundestagskandidatur verzichtet. Die zurückliegenden Ereignisse um Dressels Rückzug seien nicht gerade harmoniefördernd gewesen, gestand Ruggaber zu: "Ich möchte auf keinen Fall mehr erleben, dass Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei auf Facebook diskutiert werden." Er hoffe, dass die neuerliche Nominierungskonferenz ein klarer Vertrauensbeweis für Norbert Tessmer sein werde.
In einem Jahr steht die Kommunalwahl an. Ruggaber nannte als Ziel einen ausgeglichene Haushalt, mit einer zielführenden Sparpolitik auf der einen Seite und genug Spielraum für Investitionen auf der anderen.
Auch die parteiübergreifende Zusammenarbeit im Stadtrat solle besser werden. Außerdem auf Ruggabers Wunschzettel: 16 plus x Stadtratsmandate für die SPD, dazu das Amt des Oberbürgermeisters und des Zweiten Bürgermeisters.
Längere Sperrstunden für die Steinweg-Gastronomie lehnte Ruggaber ab. Vorher sollten andere Möglichkeiten geprüft werden, wie etwa bautechnische Maßnahmen zum Lärmschutz oder die konsequente Beachtung und Überwachung der gesetzlichen Bestimmungen zum Jugendschutz. Dabei setzt Ruggaber auch auf die Mitarbeit der Gastronomen, der Einzelhändler und der Hauseigentümer. Eine Entschärfung der Lage im Steinweg verspricht sich Ruggaber von einer möglichen Großraumdisco auf der Lauterer Höhe - auch die steht auf seiner Kommunalwahl-Agenda.
Zur Haushaltslage der Stadt sagte der Vorsitzende: "Das Sparen zeigt Wirkung, und das Defizit ist bei weitem nicht mehr so groß, wie noch vor ein oder zwei Jahren prognostiziert!" Eher Tabu-Themen bei der Spardebatte seien die Bereiche Bildung, Kinderbetreuung und Prävention. Extra-Kritik übte Martin Ruggaber am CSU-Stadtrat Roland Eibl, der eine Gedenktafel zur Erinnerung an die "Prügelstube" am Marktplatz ablehne. In der Prügelstube seien während der nationalsozialistischen Herrschaft Regimegegner gefoltert worden. Eher zurückhaltend äußerte sich Ruggaber zu einer Umbenennung der Hindenburgstraße. Die Forderung stoße bei der Bevölkerung nicht auf viel Unterstützung. "Ich denke, man sollte das Thema einfach ad acta legen!"
Die SPD feiert in diesem Jahr ihr 150. Jubiläum. Norbert Tessmer wies darauf hin, dass die Sozialdemokratie in Coburg schon ein Jahr früher Wurzeln geschlagen habe. Schon 1862 wurde hier ein Arbeiter-Bildungsverein gegründet.