Die beiden Männer waren zum Tatzeitpunkt noch Jugendliche. Deshalb verhandelt die Große Strafkammer am Landgericht Coburg hinter verschlossenen Türen gemäß Jugendstrafrecht. Lediglich das Urteil will Vorsitzender Richter Gerhard Amend öffentlich verkünden. Das wird voraussichtlich am Donnerstag erfolgen, nachdem am Mittwoch noch Zeugen gehört werden sollen.


Der Fund gab den Ermittlern Rätsel auf

Der Leichenfund Anfang Februar 2011 an der Callenberger Straße gab den Ermittlern zunächst Rätsel auf, denn die Identität des Toten musste noch geklärt werden. Erst im August 2014 stand fest, dass es sich um einen Mann handelte, der in den 90er Jahren zur Coburger Obdachlosenszene gehörte.


Tatbeteiligter meldete sich bei der Polizei

Vermutlich wäre die Leiche nie gefunden worden, hätte nicht einen der an der Tat Beteiligten fast 20 Jahre später sein Gewissen geplagt. Er meldete der Polizei, dass an der fraglichen Stelle eine Leiche vergraben sei. Fünf Jugendliche - heute alle etwa Mitte 30 - sollen an der Tat beteiligt gewesen sein und den Obdachlosen gemeinsam umgebracht haben.


Zwei Angeklagte stehen vor Gericht

Wer was getan hat, soll die Verhandlung ergeben. Vor Gericht stehen nun zwei Männer. Ermittelt wurde zunächst gegen die fünf Tatbeteiligten wegen Mordes. Inzwischen lautet die Anklage auf Körperverletzung mit Todesfolge, wobei auch versuchter Mord nicht ausgeschlossen ist. Die Tat soll sich irgendwann zwischen Dezember 1995 und Februar 1997 ereignet haben - genauer konnten das die Ermittlungsbehörden im August 2015 noch nicht sagen. Verjährt ist die Tat aus juristischer Sicht nicht: Mord verjährt nie, und Totschlag wäre nach 20 Jahren verjährt. Aber diese Frist wurde in jenem Moment unterbrochen, als der Mann, der den Behörden den Tipp gab, erstmals vernommen wurde. Der (damalige) Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis (jetzt Präsident des Landgerichts Coburg) hatte den Mann im August als "Tatbeteiligten" bezeichnet.

Ob er nun einer der beiden Angeklagten ist, gab die Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Auch über die näheren Umstände, wie der Mann zu Tode kam, liegen der Öffentlichkeit bislang keine Einzelheiten vor. Gerüchten zufolge soll das damals etwa 40-jährige Opfer an den Folgen einer Schlägerei gestorben sein.

Der Mann war obdachlos, 1956 geboren und soll entweder aus Coburg oder Neustadt gestammt haben. Er lebte zum Tatzeitpunkt zwar in Meeder, ging aber täglich zu Fuß nach Coburg und war meist an seinem Stammplatz am Parkhaus Post zu finden. Seine Identität konnte mit Hilfe einer rechtsmedizinischen Untersuchung der Überreste und Hinweisen aus der Bevölkerung geklärt werden.

Die Leiche wurde seinerzeit in der Nähe der Callenberger Straße vergraben. Nur wenige Meter von der Stelle entfernt verläuft ein beliebter Geh- und Radweg.