Wo ist es noch sicher auf der Welt? Welche Urlaubsländer sollte ich meiden? Diese Fragen stellen sich wohl viele Coburger, die zurzeit ihren wohlverdienten Sommerurlaub planen.

In vielen beliebten Reisezielen herrscht derzeit Terrorgefahr. Erst am Sonntag gab es in der türkischen Hauptstadt Ankara einen Anschlag mit mehreren Toten. Zuletzt kamen im Januar bei einem weiteren Attentat in Istanbul elf deutsche Touristen ums Leben. Schon im letzten Jahr gab es mehrere Terrorakte in Tunesien, und die schrecklichen Ereignisse vom 13. November in Paris haben sich tief ins Gedächtnis gebrannt. Wie reagieren nun die Urlauber auf diese möglichen Gefahren und was raten die örtlichen Reiseunternehmen ihren Kunden?


Niemand will nach Paris

"Ich habe seit den Anschlägen weder Paris noch Istanbul verkauft", berichtet Nicolette Held, Büroleiterin bei Thomas Cook in Coburg.
In ihrem Reisebüro mache sich die aktuelle Sicherheitslage in der Welt bemerkbar. Zwar seien Städtekurztrips nach wie vor im Trend, "aber nicht in die Städte, die es schon mal erwischt hat", sagt sie.

Genauso ergeht es dem Coburger Reisebüro Sonnenklar. Reisen Richtung Istanbul "geht gar nicht mehr", sagt Yvonne Lindner. Auch nach Paris fragt keiner ihrer Kunden mehr. Von solchen Reisezielen rate sie zurzeit auch generell ab. Ganz lassen sich die Kunden von den Krisenländern allerdings nicht abhalten. Nach wie vor gibt es Buchungen für Ägypten, und die Türkei ist sogar weiter der Spitzenreiter unter den Urlaubsländern, vor allem wegen der Preise, meint Lindner. Außerdem liegen die typischen Touristenorte oft hunderte Kilometer von den bisherigen Anschlagszielen, wie Istanbul weg, erklärt sie. Nur nach Tunesien möchte keiner mehr fliegen. Von einem kompletten Abbruch der Buchungen in diese Länder kann also bei ihr keine Rede sein: "Da sind unsere Kunden recht schmerzfrei", meint sie.


Terrorgefahr ist überall

Etwas anders sieht es bei Christine Fischer aus. Sie ist die Büroleiterin von Fischer Reisen in Ahorn und spürt einen erheblichen Einbruch für die gefährdeten Länder. Dennoch gebe es auch bei ihr einige Kunden, die sich von ihrem Urlaub nicht abhalten lassen: "Egal wo ich hingehe - es ist überall Terrorgefahr", fasst sie die Einschätzung mancher Kunden zusammen.

Ähnlich ist es bei Nicolette Held: Keiner ihrer Kunden wolle nach Tunesien, für Ägypten gebe es fast keine Buchungen, und auf die Türkei reagierten die Leute eher verhalten, sagt sie. Teilweise würden sogar Flugzeuge aus diesen Regionen in andere Länder versetzt, weil es zu wenig Buchungen gebe und somit Flüge ausfielen. Auch die Preise fallen merklich, vor allem in der Türkei. Einige Reiseveranstalter böten sogar Sonderangebote mit Gutschriften an, sagt Held.


Lieber Urlaub in der Heimat

Die Gewinner dieser Entwicklung sind die Mittelmeer-Regionen. Die Nachfragen für Spanien, Italien, Griechenland steigen. Viele steigen auch auf einen Urlaub mit dem Auto um, erklärt Held. Sie fahren nach Deutschland, Österreich oder Italien, "um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen", sagt sie. Einige warteten auch auf Last-Minute-Angebote. Christine Fischers Kunden bevorzugen dazu die nördlichen Regionen oder Schiffsreisen. Dieser Umschwung wirkt sich natürlich auf die Kosten aus. "Die Preise für Spanien und andere Mittelmeerländer steigen", sagt Fischer.

Doch was, wenn sich jemand doch entscheidet, den Urlaub an einem unsicheren Ort zu verbringen? Lindner sagt, dass ihr Reisebüro Istanbul oder Paris nicht mehr gerne anbietet. Sie rät allen, die sich dennoch dafür entscheiden, umsichtig zu sein und Menschenansammlungen zu meiden. Das gelte aber überall. Umbuchungen oder Stornierungen sind in der Regel aber kein Problem. Sollte etwas am geplanten Urlaubsort passieren, prüft das Auswärtige Amt die Sicherheitslage und gibt eventuell eine Reisewarnung an die Bevölkerung heraus. In solchen Fällen sind Planänderungen sogar kostenlos, erklärt Held.

Besteht aber nur eine generelle Terrorgefahr, ist es schwieriger. Fischer hat noch einige ältere Buchungen laufen von denen die Kunden nun "partout zurücktreten wollen - kostenlos", sagt sie. Die Entscheidung liege jedoch nicht bei den Reisebüros. Die Reiseveranstalter müssten dabei mit den Airlines verhandeln. "Wir kämpfen dafür und setzen uns zu tausend Prozent für unsere Kunden ein", betont Fischer, "aber wir können die Entscheidung nicht treffen". Bei gravierenden Gefahren seien die Reiseveranstalter bisher aber immer kulant gewesen, beruhigt Held.