2019 gab es eine traurige Nachricht im Neustadter Ortsteil Fürth am Berg: Die fast 150-jährige Friedenseiche an der Steinach sei nicht mehr zu retten. Da hatte - wie so oft - Marina Zarske spontan eine geniale Idee: Die mächtigen Äste sollten nicht einfach weggeworfen werden. Zarske wandte sich an Bildhauer Fridolin Bär, als Kind bereits bei der Kinder- und Jugendgruppe "Stoppelhopser" des Fürther Obst- und Gartenbauvereins (OGV) dabei. Bär wusste, was aus dem Holz zu machen ist. Er kreierte daraus fünf kunstvolle Eichel-Skulpturen. Der Stamm der alten Eiche mit den inneren Astgabeln wurde als Kulturdenkmal erhalten.

Am Karsamstag kamen die Holzskulpturen hinzu. Coronakonform wurden sie in kleinem Kreis vorgestellt. Neustadts Dritte Bürgermeisterin Elke Protzmann (FW) war da und sagte mächtig beeindruckt: "Das hier ist auch für mich ein besonderes Ereignis." Das Thema Friedenseiche habe alle damals berührt, als dieser Baum gekappt werden musste. "Das hat schon Wellen geschlagen und hat auch weh getan, diesen wertvollen, alten Baum so abzuschneiden", erinnerte Protzmann. Aber jetzt gebe es sogar Grund zur Freude. "Mit dieser Aktion, mit so einem Mann, der sowas kann, das ist schon etwas Besonderes, eine wunderbare Idee", richtete Protzmann den Dank der Stadt Neustadt an den jungen Bildhauer. "Die Symbolik, die damit verbunden ist, ist unschlagbar und wunderschön", sagte Protzmann über die Tatsache, dass die Holzkunstwerke direkt bei dem Baum stehen, von dem sie stammen.

Im November an den Skulpturen gearbeitet

Das sei seine erste Arbeit in seiner Selbstständigkeit, erzählte Fridolin Bär. Er habe im November im Garten seines Fürther Elternhauses in der Blumenstraße diese Eicheln gestaltet - in anderthalb Wochen. "Im Grunde ist jede Eichel etwas Einzigartiges", interpretierte der Künstler seine Kunstwerke.

Fridolin Bär habe am Abschluss seines Studiums in München als Holzbildhauer gestanden. "Gerne nahm er die Herausforderung an, künstlerische Vorschläge und Skizzen zu erstellen", erzählte Wolfgang Zarske, Vereinsvorstand des Fürther OGV. "Seine Idee mit den fünf Eicheln begeisterte uns sofort. Sie liefert den Bezug zwischen dem sterbenden Baum und dem neuen Leben aus den Eicheln."

"Bei meiner Arbeit war es immer wieder schön, die Kraft dieses Baumes zu spüren", sagte Bär voller Ehrfurcht. Die Eiche sei immer der Mittelpunkt des Dorfes gewesen. "Und auf einmal war es nicht mehr so, wie es immer war. Das machte mich ganz erschrocken. Jetzt bin ich stolz, dass ich das hier kreieren durfte", freute sich der junge Künstler. "Und ich bin froh, dass aus dem Alten etwas Neues entstanden ist, dass hier ein Platz geschaffen wurde, wo wir zusammenkommen und Neues erfahren können", merkte Bär an.

Unterstützung des Projektes von mehreren Seiten

Dankbar zeigte sich der junge Künstler zudem für Walter Thamms tatkräftige Unterstützung. Dieses Projekt sei von der Stadtverwaltung Neustadt abgesegnet und vom Neustadter Bauhof unterstützt worden, sagte Bär. Finanzielle Unterstützung habe es zudem von der VR-Bank Coburg und der Sparkasse Coburg-Lichtenfels gegeben, dankte Wolfgang Zarske. Der Bereich um die Friedenseiche habe schon immer eine enorme Anziehungskraft gehabt, erinnerte Wolfgang Zarske. Bis 1984 sei der Baum wie auf einer Insel rundum vom Wasser der Steinach umgeben gewesen. Maßnahmen zur Hochwasserregulierung hätten das Umfeld verändert, die schöne Auenlandschaft habe dem Flussbett mit hohen Ufermauern weichen müssen. Heute würden die Mauern begrünt und mit kunstvoll und informativ gestalteten Tafeln aufgewertet. "Zusammen bilden Naturdenkmal, Holzskulpturen und Mauergestaltung ein schlüssiges Konzept. Möge der gewaltige Stamm der Eiche den nächsten Generationen noch eine Zeit erhalten bleiben und zusammen mit den kunstvollen Skulpturen zum Verweilen einladen", sagte Zarske voller Hoffnung.