Auch wenn wir immer noch die Schweine-Hochburg sind: Die Zahl der Nutztiere und damit auch der Schweine ist im Raum Coburg rückläufig. Auch, weil wir alle weniger Fleisch essen. Aber: Ganz unkritisch ist die Entwicklung nicht.

Im vergangenen Jahr wurden 20 227 Rinder in der Region gehalten, 1990 waren es noch 37 005. Bei Schweinen ist die Anzahl im selben Zeitraum von 86 910 auf 66 238 zurückgegangen. In Relation zu den Nachbarlandkreisen gesehen, werden sind das dennoch verhältnismäßig viele. Im Landkreis Kronach waren im vergangenen Jahr 5326 Schweine gemeldet, im Landkreis Lichtenfels 10 720. "Coburg war schon immer die Schweinehochburg in Oberfranken", sagt Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Coburg. Diese Entwicklung hat sich nach dem Krieg abgezeichnet, Ackerbau und Viehzucht haben sich gegenseitig begünstigt: "Außer im Itzgrund wird im Landkreis viel Ackerbau betrieben. 90 Prozent der Bauern füttern ihre Schweine also mit dem Getreide, das sie selbst erzeugt haben und kaufen etwas Eiweißfutter dazu."

Kleine Betriebe müssen aufgeben

Bis zur Schließung des Coburger Schlachthofes 2013 haben die Landwirte außerdem von den kurzen Transportwegen profitiert. "Die Bauern konnten ihre Schweine selbst zum Schlachthof fahren und hatten einen Abnehmer vor Ort", sagt Rebelein. Dass die Zahlen der Coburger Schweine aber zurückgehen, liegt laut Rebelein auch an der Entwicklung der Auflagen für die Landwirte: "In der Zuchtschweinehaltung wird Freilauf vorausgesetzt und Ferkel müssen mit einer Vollnarkose kastriert werden." Diese und weitere Vorschriften hätten viele Betriebe zur Aufgabe gezwungen.

Und auch, wenn insgesamt weniger Fleisch gegessen wird - die Produktion in unserer Region reicht jetzt nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken.

Die Konsequenz ist, dass Ferkel aus anderen Ländern importiert werden. "In Dänemark und Holland werden mittlerweile viele Ferkel gezüchtet. Ob es ökologisch und tierschutzrechtlich betrachtet der richtige Weg ist, die Tiere zu importieren, sei dahingestellt", gibt Rebelein zu bedenken. Für die Verbraucher, die Landwirte und die Erzeuger vor Ort sei es jedenfalls das Beste, die Ferkel in der Region zu züchten. Aber auch beim Rind wird sich die Lage ändern, glaubt Rebelein. "Wenn in der Rindviehhaltung die Anbindehaltung wegfällt, ist mit einer ähnlichen Entwicklung zu rechnen."

Bundesweiter Trend

23,8 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres deutschlandweit geschlachtet. Zusammen mit dem Geflügel wurden insgesamt 3,8 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fleischproduktion somit um 1,7 Prozent zurückgegangen. Das gab das Statistische Bundesamt Mitte August bekannt.

Einer Erhebung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft zufolge isst ein Deutscher pro Jahr im Durchschnitt 57,3 Kilo Fleisch - so niedrig war der Wert seit Beginn der Berechnung des Pro-Kopf-Verzehrs im Jahr 1989 nicht mehr. Den größten Anteil mach das Schweinefleisch mit 32,8 Kilo aus. Danach folgen Geflügelfleisch mit 13,3 Kilo und Rind- und Kalbfleisch mit 9,8 Kilo.

Trotz des Gesamtrückgangs gibt es Verschiebungen: Während der Konsum von Schweinefleisch innerhalb der letzten 20 Jahre um mehr als ein Sechstel zurückgegangen ist, steigt der Verzehr von Geflügel- und Rindfleisch stetig.

Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mitteilte, sind veränderte Essgewohnheiten der Grund. Generell würde der Verzehr von Fleisch und Wurst abnehmen. So geht aus dem Ernährungsreport 2021 des BMEL hervor, dass noch 26 Prozent der Befragten täglich Fleisch und Wurst essen würden, was im Vergleich zum Jahr 2015 einem Rückgang von acht Prozentpunkten entspricht. Zehn Prozent der Befragten bezeichneten sich als Vegetarier, zwei Prozent als Veganer.