Sie ist Vorzeigeschülerin der Chemie am Alexandrinum: Diana Dubencov (17) hatte Anfang März bereits den oberfränkischen Regionalausscheid von Jugend Forscht gewonnen. Jetzt hat sie auch am Landeswettbewerb in München teilgenommen und mit ihrem Forschungsprojekt den dritten Platz erreicht. Dabei lieferte sie auch noch neue Erkenntnisse über den Gesundheitszustand der Coburger Pflanzenwelt.

Sie hat nämlich den Bleigehalt in ihr untersucht. Das klingt für viele wohl erstmal nicht so spannend. Aber es könnte helfen, uns Menschen vor schweren Krankheiten zu bewahren, sagt sie, denn "Blei ist extrem giftig. Wenn der Körper das immer wieder in kleinen Mengen zugefügt bekommt, dann setzt es sich in den Knochen oder im Nervensystem ab". Das Schwermetall könne vor allem bei Kindern Knochenschäden oder gar geistige Behinderungen verursachen.
"Blei braucht der Körper überhaupt nicht", erklärt sie, deshalb seien schon geringe Mengen schädlich.


Hoher Bleigehalt am Lokschuppen

Sie beschloss also, den Gehalt in verschiedenen Kleearten an drei unterschiedlichen Orten zu untersuchen: Im ehemaligen Lokschuppen, am Lauterberg und bei einer Batterienfabrik in Staffelstein. Gleich vorweg: Am Lokschuppen ist der Wert doppelt so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation WHO erlaubt, in Staffelstein sogar viermal so hoch. Im Naturschutzgebiet am Lauterberg waren die Ergebnisse normal.

Aber wie hat Diana das herausgefunden? Zuerst brauchte sie natürlich Proben. Dazu zupfte sie die Blätter vom Klee ab. Diese legte sie für 24 Stunden bei 65 Grad in den Trockenschrank im Chemielabor ihrer Schule. Von der, genauer gesagt von ihrem Lehrer Andreas Reuter, hat sie auch Hilfe bekommen. Gebraucht habe sie diese aber nicht so häufig, sagt die Schülerin.

Nur den Kontakt zur Universität Bayreuth, an der sie ihre Proben analysiert hat, konnte Diana nicht selbst herstellen. Dort zermahlte sie die Blätter und legte die Proben in eine Lösung aus Salpetersäure und Wasserstoffperoxid. Dadurch wird das Blei freigesetzt, erklärt sie: "Es gab eine extrem heftige Reaktion. Das war nicht wie erwartet." Nach drei Wochen Inkubationszeit, in denen sich das Blei vollständig lösen konnte, filterte sie das Metall aus der chemischen Suppe. Den letzten Schritt, die Atomemissionsspektroskopie, führte dann aber ein Professor durch, "weil das Gerät so verdammt teuer war, dass ich das nicht verwenden durfte", sagt sie amüsiert.


Ideen für die künftige Forschung

Danach hatte Diana die Ergebnisse auf der Hand und auch gleich mögliche Erklärungen parat: Beim Lokschuppen könnte die Bleimenigge, ein Rostschutzmittel mit dem die Waggons bestrichen wurden, in den Boden und über das Wasser in den Klee gelangt sein.

Die Methode ist freilich nicht neu, gibt Lehrer Reuter zu, aber in der Umgebung seien sicher seit längerem keine solchen Untersuchungen durchgeführt worden: "Insofern sind es neue Ergebnisse für die Gegend."


Zu wenig Praxis im Unterricht

Die 17-jährige schlägt vor, auch die Äcker nahe der betroffenen Gebiete zu untersuchen, denn durch diese Pflanzen gelangt das Blei letztlich auch in den Körper und hat so "direkte Auswirkungen auf den Menschen". Ihr Lehrer fügt eine weitere Idee hinzu: Es gibt Pflanzen, die das Blei besonders gut aufnehmen. Diese könnten in den verseuchten Gebieten angebaut werden, damit sie das Blei aus dem Boden aufnehmen und ihn schließlich von den Giftstoffen befreien.

Wird Diana das dann als künftige Chemikerin in Angriff nehmen? Nein. Sie will nach den jetzt anstehenden Abiturprüfungen eine Ausbildung zur Bankkauffrau machen. Das Fach Chemie hat sie überraschenderweise nach der elften Klasse abgewählt, weil ihr der Praxisbezug gefehlt habe. Ein Chemiestudium will sie aber nicht gänzlich ausschließen. Für Reuter ist das aber kein Problem: "Aus Sicht des Lehrers ist eine fundierte Ausbildung erstmal gar nicht so verkehrt. Danach kann man immer noch studieren."

Dass sie sich doch mit dem Thema auseinandergesetzt hat, verdankte Diana ihrer Seminararbeit. Ihr Lehrer hat ihr dann angeboten, damit an "Jugend forscht" teilzunehmen, obwohl sie selbst anfangs nicht an einen Erfolg geglaubt hat: "Ich war ziemlich erstaunt, dass ich doch Sieger wurde."