Im südlichen Landkreis zeichnet sich eine grundlegende Neuausrichtung im Schulwesen ab: Ohne Gegenstimme hat der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Mittwochabend in der Itzgrundhalle beschlossen, einen Austritt aus dem Mittelschulverbund Coburg sowie künftig eine engere Zusammenarbeit mit dem Mittelschulverband Ebern anzustreben. Umgesetzt werden könnte die Änderung allerdings frühestens mit Beginn des Schuljahres 2022/2023.

Fristgerecht kündigen

Bislang war es ja so: Beim Unterricht der Kinder über das Grundschulalter hinaus hatte die Gemeinde Itzgrund Schulverträge mit der Stadt Seßlach, der Gemeinde Weitramsdorf und eben dem Mittelschulverbund Coburg. Darüber wurde geregelt, dass die Kinder auf ihrem Weg bis zum Hauptschulabschluss oder der weiterführenden M-Klasse an verschiedenen Standorten unterrichtet werden.

Diese Verträge wird die Gemeinde nun fristgerecht zum Ende des nächsten Schuljahres kündigen - weil künftig sowohl den Kindern als auch der Gemeinde Itzgrund eine massive Benachteiligung im Coburger Mittelschulverbund droht. So jedenfalls beschrieb Bürgermeisterin Nina Liebermann (CSU) die Situation.

Hintergrund sind die Entwicklungen im Schulwesen, die wohl über kurz oder lang dazu führen werden, dass M-Klassen (die zur Mittleren Reife führen) bald nur noch in Untersiemau und Coburg angeboten werden sollen. Die Folge für die Schüler: Lange Wege zur Schule - erst Recht dann, wenn wie von Nina Liebermann angedeutet, nicht einmal mehr der Untersiemauer M-Zweig erhalten bleiben soll. "Untragbar", so hieß es in der Sitzungsvorlage der Gemeindeverwaltung, seien dann die Beförderungszeiten von südlichen Landkreis aus bis zu einem Schulstandort in der Coburger Innenstadt.

Das ist keine Solidarität

Hart getroffen hat die Bürgermeisterin zusätzlich noch ein mehrheitlicher Beschluss der Coburger Verbundversammlung, wonach die Kosten für die Schülerbeförderung nicht solidarisch auf alle beteiligten Kommunen umgelegt werden sollen. Diese sind nun einzig und allein Sache der jeweiligen Gemeinde. Die Folge: Für den Itzgrund mit dem längsten Weg bis nach Coburg würden sehr hohe Kosten bei der Schülerbeförderung anfallen. "Und für die Coburger zum Beispiel gar keine", sagte Nina Liebermann, die sich schwer enttäuscht von der mangelnden Solidarität im Mittelschulverbund zeigte.

Jetzt wendet sich der Itzgrund also gänzlich dem unterfränkischen Ebern zu, wo ja eh schon viele Kinder aus dem Gemeindegebiet ins Gymnasium oder die Realschule gehen. Klar: Ohne Genehmigung der entsprechenden Behörden kann ein Wechsel zum Mittelschulverband nach Ebern nicht erfolgen. Aber auf Nachfrage von Evelyn Schramm (KUL) berichtete die Bürgermeisterin, dass es schon lose Gespräche mit der Regierung von Oberfranken zur Möglichkeit eines Wechsels gegeben hat.

Dabei habe man ihr signalisiert, dass man in Bayreuth bei dieser Sache "mitspielen könnte", wenn der Verlust der Itzgründer Schüler die Seßlacher Mittelschule nicht in Existenznöte bringen würde. Das aber sei auf keinen Fall zu erwarten, versicherte die Bürgermeisterin nach Rückfrage beim Staatlichen Schulamt in Coburg.

Mit offenen Armen empfangen

In Ebern würde man die Mittelschüler aus dem Itzgrund offensichtlich mit offenen Armen empfangen. Eine Delegation der Gemeinde mit Nina Liebermann an der Spitze war nämlich schon bei einer Sitzung des dortigen Mittelschulverbandes und kam mit einem einstimmigen Beschluss nach Hause, dass man sich in Unterfranken eine Kooperation mit dem Itzgrund eingehen würde. Diese will die Gemeinde nun mit einem Antrag auf Schulsprengeländerung schnellstmöglich auf den Weg bringen.