Langsam hebt der Kran die Betonplatte, die bis vor wenigen Minuten noch der Boden eines Balkons war, in Richtung Boden. "Die Balkone waren bisher ein Fortsatz der Bodenplatten. Mit der Instandsetzung der Gebäude werden sie quasi thermisch entkoppelt", sagt Bernd Heinrich, Technischer Leiter der Gemeinnützigen Wohngenossenschaft (GWG). Wenn alles fertig ist, wird über den Balkon keine Wärme mehr aus den Wohneinheiten nach draußen abgegeben. "Bisher hatten wir durch den Balkonboden eine Wärmebrücke von innen nach außen."

Energie sparen

Rund sechs Monate wird die energetische Sanierung und Modernisierung der Wohnanlagen Sudetenstraße 10 und 12 sowie Am Kalmusrangen 10 und 12 dauern. Geplant sind Baumaßnahmen innerhalb und außerhalb der Wohnungen. "Die Wohnungen bekommen neue Kunststofffenster, Wärmedämmglas und Vorbaurolladen, nach Bedarf werden außerdem Heizkörper ausgetauscht", zählt Josef Gerstl, Geschäftsführender Vorstand der GWG, auf. Auch die Eingangstüren zu den Wohnungen und die Schließanlagenwerden ersetzt.

Ziel ist es, die Heizkosten nachhaltig zu senken. Deutlich aufwendiger werden dabei die Maßnahmen sein, die an den Gebäuden außerhalb der Wohnungen durchgeführt werden. "Durch das Wärmedämmverbundsystem, mit dem alle Häuserfassaden ausgestattet werden, müssen die Bewohner zukünftig weniger heizen", sagt Gerstl.

Die Mieten steigen

In den Wohnanlagen Am Kalmusrangen werden außerdem die Kellerdecke und das Dach gedämmt. In der Sudetenstraße 12 wird eine neue Zentralheizung eingebaut, die Wohnanlagen am Kalmusrangen bekommen eine Solaranlage, welche die Heizung unterstützen soll. "Pro Quadratmeter werden die Mieter nach Abschluss des Projekts 50 Cent Heizkosten pro Monat sparen", sagt Gerstl. Durch die Kosten für die Modernisierung werden die Mietpreise gleichzeitig steigen. Pro Quadratmeter müssen die Mieter mit 1,20 Euro mehr pro Monat rechnen. "Bei einer 75 Quadratmeter großen Wohnung macht das einen Unterschied von 90 Euro", berechnet Gerstl den Preisanstieg.

Trotz der steigenden Miete würde Hannelore Pohl "hier nie wieder ausziehen". Die Neustadterin wohnt bereits seit 45 Jahren in der Sudetenstraße und freut sich darauf, auf ihrem neuen Balkon, der zweieinhalb Quadratmeter größer sein wird, die Abendsonne zu genießen. "Die Mieter werden bereits einen Unterschied merken, wenn sie ins Haus kommen - es wird deutlich wärmer sein", kündigt Heinrich an.

Bei der Sanierung legt die GWG Neustadt sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit. "Die Gebäude werden so ertüchtigt, dass wir sie in den nächsten 40 Jahren nicht mehr anfassen müssen", sagt Gerstl. So wird für die Außenfassade beispielsweise eine Farbe verwendet, die nach zehn Jahren noch genauso aussieht. "Wenn wir einen Teil des Gebäudes neu streichen würden, würde man keinen Unterschied erkennen."

Weitere Projekte in 2021

Neben der Modernisierung und Instandsetzung der Wohnanlagen in der Sudetenstraße und Am Kalmusrangen hat die GWG für das laufende Jahr weitere Projekte in Neustadt geplant."In unserer Wohnanlage in der Schlesischen Straße 1 wird eine neue, innovative Gasheizungsanlage mit Solarunterstützung geplant. Außerdem wird in der Ostlandstraße ein Garagenhof mit etwa 21 Garagen entstehen", kündigt Gerstl an.

Der Wirtschaftsplan der GWG sieht für das Jahr 2021 Gesamtinvestitionen in der Höhe von 2,7 Millionen Euro vor. Die Summe umfasst sämtliche Ausgaben für die Modernisierung und Instandhaltung bestehender Gebäude sowie Neubauten.